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Kabarett in der Kirche
Gerne weisen wir auf folgende Veranstaltung hin:
Darf der das? „Der“ ist Steffen Möller, Kabarettist und – nach dem Papst – der bekannteste lebende Deutsche in Polen. „Das“ ist Kabarett in der Kirche – und zwar Möllers gefeiertes Programm „Viva Polonia“. Und dass der das in der Kirche darf, liegt an einer gemeinsamen Initiative des Internationalen Dietrich-Bonhoeffer Studien- und Begegnungszentrums e.V., des Generalkonsulats der Republik Polen in Hamburg und der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern.
Nicht nur bei den Initiatoren, auch bei Steffen Möller steht das Verhältnis von Polen und Deutschen im Mittelpunkt. Seinem humoristischen Engagement für ein entspanntes deutsch-polnisches Miteinander verdankt der erfolgreiche Autor und Kabarettist nicht nur eine große Fangemeinde, sondern auch das Bundesverdienstkreuz. Als ehemaliger Theologiestudent war Steffen Möller gern bereit, seine fröhliche Botschaft an einem ungewohnten Ort zu verkünden – der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern.
Trotz seiner leichten, komödiantischen Einlagen sieht sich Steffen Möller am perfekten Ort:
„Ich habe eine laute Stimme, der man mehrere Theologengenerationen anhört. Andererseits mache ich Kabarett, also genau das Gegenteil von kirchlicher Verkündigung. Ich habe beim Studium der Theologie gemerkt, dass ich mich eben leider nicht dafür eigne, länger als drei Minuten ernsthaft zu reden. Ein bisschen Missionar bin ich aber immer noch, denn die Botschaft des Abends wird lauten: Polen ist das Paradies auf Erden.“
Hinzu kommt, dass Möller als Kind und Konfirmand die Wuppertaler Dietrich-Bonhoeffer-Kirche besuchte und als Sohn eines Pfarrers schon früh das Bonhoeffer Werk „Widerstand und Ergebung“ las. Als Botschafter für den guten Zweck ist Möller die perfekte Wahl.
Der Abend bietet auch die Möglichkeit Gutes zu tun, denn vor und nach Steffen Möllers Programm wird um Spenden für die Errichtung einer Gedenkstätte gebeten. Sie soll an das vor 75 Jahren von Dietrich Bonhoeffer gegründete Predigerseminar im heutigen polnischen Zdroje (Finkenwalde) erinnern und helfen, das Andenken an den bedeutenden Theologen und Widerstandskämpfer zu bewahren.
Was: „Viva Polonia - Deutsche und Polen – Freundschaft wider Willen?“ von und mit Steffen Möller
Wo: St. Nikolaikirche, Am Klosterstern, Hamburg
Wann: 30. Juni 2010, 19.30 Uhr
Karten: 12 Euro (http://www.hauptkirche-stnikolai.de/date/20100630)
Über Steffen Möller:
Steffen Möller, Autor, Kabarettist und Schauspieler, lebt seit 1994 in Polen und gilt dort nach dem Papst als bekanntester Deutscher. Er moderierte die polnische Ausgabe von „Wetten dass...“ und war Protagonist einer polnischen Fernsehserie. Über seine Erfahrungen berichtet er in seinem Bestseller „Viva Polonia“ und in seiner neuen Live-Show „Expedition zu den Polen“. Auszüge aus „Viva Polonia“ wird Möller in der Nikolaikirche darbieten.
Über Dietrich Bonhoeffer:
Der evangelische Theologe und Pfarrer, am 4. Februar 1906 in Breslau geboren, engagierte sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in der Bekennenden Kirche. 1935 gründete er das Predigerseminar in Finkenwalde. Hier entwickelte Bonhoeffer seine Vorstellung davon, dass Kirche nicht nur Gemeinschaft von Seelen, nicht nur Verkündigung, sondern vor allem auch realer Leib Christi auf Erden sei. Glauben könne dazu führen, dass man das Kloster verlassen müsse. Er könne aber auch fordern, ein neues Kloster zu begründen oder sich in die Politik einzumischen. 1937 schloss der NS-Staat das Predigerseminar, das nun illegal weitergeführt und als „Sammelvikariat“ von mutigen Superintendenten und Pfarrern gedeckt wurde. Bonhoeffer erhielt 1936 Lehr-, 1940 Rede- und 1941 Schreibverbot. Überzeugt davon, dass der Christ zu seiner Diesseitigkeit stehen müsse, kritisierte Bonhoeffer die rein kirchliche Widerstandshaltung und suchte Anschluss an die politische Opposition um Admiral Canaris. Seine internationalen Verbindungen aus Studienzeiten nutzte er zur Sondierung von Friedensmöglichkeiten nach einer Beseitigung Hitlers. Am 5. März 1943 wurde er verhaftet und nach einem Standgerichtsverfahren am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenburg hingerichtet.
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