Tchibo unterstützt die Forschung neuer klimaresilienter Kaffeesorten
Die Zukunft des Kaffees beginnt auf einem Feld in El Salvador
Welchen Kaffee werden wir in 10 Jahren trinken? Werden wir überhaupt noch Kaffee trinken? Gibt es ihn dann noch? Die gute Nachricht: vermutlich ja. Denn die Forschung ist bereits dran. Und vielleicht kommt der Kaffee in unserer Tasse dann von ganz anderen Pflanzen als heute. Im April 2026 wurden in El Salvador zum ersten Mal 70 neue Kaffeesorten geerntet und verkostet. Diese Verkostung könnte mitentscheiden, welche Sorten künftig weltweit angebaut werden. Ich durfte dabei sein. Ich bin Ingo Lantz, Director Coffee Technology bei Tchibo. Nach mehr als 27 Jahren im Kaffeegeschäft war das für mich eine der spannendsten Erfahrungen überhaupt.
Warum braucht Kaffee überhaupt neue Sorten?
Der Klimawandel bedroht die Regionen, in denen seit Jahrhunderten Kaffee wächst. Traditionelle Anbaugebiete stehen unter Druck durch steigende Temperaturen, unregelmäßige Niederschläge und neue Pflanzenkrankheiten. Gleichzeitig steigt die globale Nachfrage. Die Herausforderung ist klar: Es braucht Kaffeepflanzen, die unter härteren Bedingungen wachsen, mehr ertragen und trotzdem gut schmecken. Hier kommt World Coffee Research ins Spiel.
Was ist World Coffee Research und was macht die Organisation?
World Coffee Research (WCR) ist eine gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel: Qualitätskaffee schützen und fördern, die Versorgung sichern und die Lebensbedingungen der produzierenden Farmer-Familien verbessern. Zur Organisation gehören Mitglieder aus über 170 Unternehmen in 29 Ländern. Tchibo ist seit 2021 dabei. Ich bin Mitglied im Research Advisory Committee des WCR.
World Coffee Research arbeitet an drei zentralen Feldern:
Sortenzüchtung: Entwicklung klimaresilienter Arabica-Sorten durch klassische Kreuzungen ohne Genmanipulation
Baumschulen & Saatgutsysteme: Modernisierung der Pflanzenanzucht für professionellere, skalierbare Versorgung
Qualitätsforschung: Sicherstellung, dass neue Sorten auch geschmacklich internationalen Standards entsprechen
Und was ist das Innovea-Programm?
Das Innovea Global Coffee Breeding Network ist aktuell das größte Kaffeezüchtungsprogramm von WCR. Es hat ein klares Ziel: Bis 2030 sollen Kaffeefarmerinnen und -farmern weltweit neue Kreuzungsvarianten für den Anbau zur Verfügung stehen.
Diese Sorten sollen drei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Ertragreich sein, resistent gegen Dürre, Trockenheit und Pflanzenkrankheiten und natürlich schmackhaft! Denn genießen wollen wir unseren Kaffee ja auch in Zukunft.
Was ist nun in El Salvador passiert?
In El Salvador befindet sich die größte Innovea-Auspflanzung der Welt. Im Frühjahr 2026 waren die Pflanzen nun erstmals erntereif. Ein idealer Zeitpunkt für uns, um im April den Forschungsstand zu begutachten und die Sorten erstmals zu verkosten.
Ich bin in meiner Funktion als Mitglied im Research Advisory Committee von WCR vor Ort gereist. Dieses Committee unterstützt das F&E Forschungsteam der WCR und gibt Impulse und Guidelines für dieses wichtige Zukunftssprojekt. Im Laufe meiner Karriere war ich in vielen Kaffeeherkunftsländern: Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Kenia, Tansania, Vietnam, Indien, Indonesien. Meist ging es um Betriebsunterstützung, Qualitätsmaßnahmen, regenerative Landwirtschaft oder EU-Kaffeeregulierungen. Diese Reise war anders. Sie war eine Rückkehr zu den Ursprüngen der Pflanzenzüchtung und gleichzeitig ein Schritt in die Zukunft des Kaffees.
„Wir müssen uns von Anfang an engagieren, indem wir Forschung und Wissenschaft mit den tatsächlichen Ergebnissen der Tassenqualität verknüpfen. Denn wir wollen unsere Märkte mit Kaffees versorgen, die unsere Kundinnen und Kunden sich wünschen.“
Wie wird Tassenqualität gemessen?
Ich verkostete mit Expertinnen und Experten aus vielen beteiligten Unternehmen in Blindverkostungen rund 70 neue Kreuzungen. Das Ziel war, die vielversprechendsten Varianten zu identifizieren, die für weitere Züchtungsschritte verwendet werden.
Bewertet wurde nach zwei anerkannten Standards: Q-Grader sind international zertifizierte Kaffeespezialisten nach Standards der SCA (Specialty Coffee Association). CVA (Coffee Value Assessment) ist das aktuellste Bewertungsprogramm der SCA, kalibriert, standardisiert, reproduzierbar. Beide Methoden stellen sicher, dass die Bewertung der Verkoster nicht subjektiv ist, sondern auf definierten, reproduzierbaren Qualitätsparametern basiert.
Es war die allererste sensorische Qualitätsbewertung von Arabica-Material aus dem Innovea-Programm. Ein Meilenstein für World Coffee Research und die gesamte Branche. Die hier festgelegten Qualitätsspezifikationen gelten als Referenz für alle weiteren Züchtungsschritte. Die nächste vergleichbare Qualitätsbewertung mit weiterentwickelten Sorten ist frühestens in drei Jahren geplant. Kaffeezüchtung braucht Zeit. Das ist biologisch unvermeidbar.
Was habe ich persönlich mitgenommen?
Nachdem ich mehr als 70 der neuen Sorten verkostet habe, bin ich überzeugt: Die Zukunft des Kaffees ist in guten Händen. Die Forschenden bei WCR werden widerstandsfähige und ertragreiche Sorten entwickeln und gleichzeitig das bewahren, was wir alle am Kaffee lieben: den einzigartigen Geschmack. Das Ziel bleibt bis 2030: Kaffeefarmerinnen und -farmern Zugang zu neuen Pflanzen zu geben, die an die neuen Bedingungen des Klimawandels bestens angepasst sind.
Für mich persönlich hatte dieser Besuch noch ein besonderes Gewicht. Es fühlte sich wie die perfekte letzte Erfahrung an, bevor ich meine Arbeit Ende 2026 als Tchibo Direktor beende und in eine neue Lebensphase eintrete. Und die Arbeit von WCR kann, so mein Resümee, vielleicht „ein kleines Stückchen Geschichte für Tchibo" schreiben.