Unser Lieferketten Beschwerde-Report für 2025
Beschwerden von den Menschen aus unseren Lieferketten sind für uns kein Störfaktor, sondern ein wertvoller Kompass. Sie ermöglichen es uns, die Arbeitsbedingungen entlang unserer globalen Lieferketten besser zu verstehen und kontinuierlich zu verbessern. Seit 2023 müssen große Unternehmen nach dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz über ein Beschwerde-System verfügen. So können alle – egal ob Mitarbeiter*innen aus unserem Geschäftsbereich, Arbeiter*innen aus unseren Produktionsstätten oder andere Beteiligte – melden, wenn irgendwo etwas schiefläuft.
Wir bei Tchibo haben schon vor Einführung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz erkannt, wie wichtig Beschwerde-Systeme sind und veröffentlichen Einblicke über unsere Erfahrungen bereits seit 2021. Für uns ist jedes Feedback eine Chance: Es hilft uns besser einschätzen zu können, wie es um Menschenrechte und Umweltschutz in unseren Lieferketten bestellt ist, Verstöße gegen Arbeits- und Umweltstandards zu identifizieren und gemeinsam mit Betroffenen und Verursacher*innen Abhilfe zu schaffen. Darüber hinaus können wir aus den Beschwerdefällen viele Erkenntnisse ableiten, die uns helfen, unsere laufenden Lieferkettenprogramme noch besser auf die Bedürfnisse, z.B. für die Arbeiter*innen in unseren Produktionsstätten, anzupassen.
Die Zahlen für 2025 im Überblick
Im Jahr 2025 erreichten uns insgesamt 20 Fälle. Diese stammten aus Produktionsstätten in Bangladesch, der Türkei und Pakistan und wurden über verschiedene Beschwerdekanäle eingereicht.
Schwerpunkte der Meldungen:
o Ausstehende Lohn- und Abfindungszahlung (12 Fälle)
o Diskriminierung und Ungleichbehandlung (4 Fälle)
o Einschränkung der Versammlungsfreiheit (3 Fall)
o Verbale Übergriffe und übermäßiger Arbeitsdruck (1 Fall)
Wichtigste Meldekanäle:
o Brancheninitiative International Accord und dem damit verbundenen RMG Sustainability Council RSC in Bangladesch(9 Fälle)
o Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (6 Fälle)
o Initiative ACT (Action, Collaboration, Transformation) (2 Fälle)
o Lokale Tchibo-Mitarbeiter*innen, Programm Moderator*innen, Auditor*innen (2 Fälle)
o Social Compliance Email (1 Fall)
Unsere Erkenntnisse:
Die Zahlen zeigen deutlich: Vertrauen ist der Schlüssel.
· Vertrauen durch Kooperationen: Die hohe Anzahl an Meldungen über Kanäle, an denen Gewerkschaften und unabhängige Initiativen beteiligt sind, bestätigt deren Glaubwürdigkeit und Reichweite. Sie sind für Arbeiterinnen und Arbeiter eine sichere Anlaufstelle.
· Transparenz schafft Wirkung: Auf der Ebene der Produktionsstätten verfügen wir bzw. die Initiativen über eine hohe Transparenz. Durch unsere lokalen Kolleg*innen, die eng mit Produzenten sowie lokalen Partnerorganisationen zusammenarbeiten, können wir schnell und effektiv auf gemeldete Probleme auf dieser Stufe der Lieferketten reagieren.
· Potenzial in der Tiefe der Kette: Dass uns keine Beschwerden aus tieferen Stufen der Lieferkette (z.B. Garnherstellung, Rohstoffanbau) in 2025 erreichten, sehen wir als klaren Auftrag: Hier müssen wir die Bekanntheit und Zugänglichkeit unserer Beschwerdekanäle weiter erhöhen.
Unsere nächsten Schritte:
Unsere Erfahrung zeigt uns: Wer Verantwortung übernimmt, bleibt lernfähig und wird wirkungsvoller. Deshalb bauen wir unser Beschwerdesystem konsequent aus.
· Stärkung unseres Dialogs: Wir intensivieren gezielt unsere Zusammenarbeit mit Gewerkschaften. Zudem nutzen wir unser menschenrechtlichen Dialog-Ansatz „WE Programm“, um gemeinsam mit Lieferanten und Produzenten nicht nur Einzelfälle zu lösen, sondern auch grundlegende systemische Missstände zu identifizieren und mit langfristig ausgelegten Maßnahmen anzugehen.
· Lokale Maßnahmen ausbauen:
In Bangladesch setzen wir uns dafür ein, dass der bestehende branchenweite Beschwerdemechanismus zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (OSH) auf weitere Themenfelder ausgeweitet wird. Nach der erfolgreichen Teilnahme am RSC Non-OSH-Pilotprojekt ist Tchibo in 2026 Teil der 1. Phase der Erweiterung des Non-OSH-Beschwerdemechanismus.
In Pakistan entwickeln wir mit (lokalen) Partnern leicht zugängliche, fabrikinterne Beschwerdewege, die bereits in ersten Pilotbetrieben erfolgreich sind.
In der Türkei stärken wir über das WE Programm die internen Meldestellen unserer Produzenten.
Unser Ziel ist klar: Durch ein offenes und vertrauenswürdiges Beschwerdesystem nachhaltige Verbesserungen für alle Menschen in unseren Lieferketten zu erreichen und gemeinsam für faire Arbeitsbedingungen einzustehen.
Wenn du mehr über unser Beschwerde-System lernen möchtest, dann findest du hier mehr Informationen.