Alle Welt trinkt Kaffee. Kein Wunder, gehört Kaffee doch zu den populärsten Getränken überhaupt – von Andalusien bis Zypern. Allerdings galt Kaffee in Europa zunächst weniger als Lebensmittel als vielmehr eine Art Arzneimittel. So beschrieben britische Ärzte Ende des 16. Jahrhunderts ausführlich die gesundheitlichen Vorzüge von Kaffee. Ihrer Meinung nach half die „Einnahme“ der Verdauung, beschleunigte das Denkvermögen. Ist Kaffee also tatsächlich mehr als ein schmackhaftes und fabelhaft riechendes Heißgetränk? Lassen sich die alten Beobachtungen durch neue wissenschaftliche Methoden bestätigen? Zahlreiche Forscher widmen sich seit mehr als 100 Jahren diesen Fragen. Kaum verwunderlich also, dass Kaffee bis heute zu den am besten untersuchten Lebensmitteln gehört. Einige der neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse finden Sie hier. Beachten Sie aber bitte, dass eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, sowie ausreichend Bewegung die Grundlage Ihrer Gesundheit bilden. Auch reagieren Menschen sehr unterschiedlich auf kaffeeeigene Inhaltsstoffe, so dass wir hier keine allgemeingültigen Aussagen treffen


Macht Kaffee wach und munter?

Es stimmt tatsächlich: Kaffee ist ein echter Muntermacher. Eine Vielzahl von Studien unterstützt diese Erkenntnis. Dies ließ sich anhand von vielen Situationen nachweisen, in denen Menschen nachweislich müde waren, frühmorgens etwa oder beim nächtlichen Schichtdienst. Tatsächlich konnte durch das im Kaffee enthaltene Koffein der Wachheitsgrad nicht nur bei dieser Personengruppe, sondern auch bei bereits recht wachen Menschen zusätzlich gesteigert werden. Kaffee, genauer Koffein, kann also in bestimmten Situationen einen Beitrag zu mehr Aufmerksamkeit, und damit Sicherheit leisten.


Steigert Kaffee das Konzentrationsvermögen?

Das im Kaffee enthaltene Koffein kann tatsächlich so manche Fähigkeit verbessern. Viele Menschen sind nach dem Konsum von Kaffee (in üblichen Mengen) besser in der Lage, Aufgaben zu erledigen, die eine andauernde hohe Aufmerksamkeit erfordern. Koffein steigert zudem die Wachheit und verringert die Schläfrigkeit, so das Ergebnis einer Übersichtsstudie von 1992. Neuere Arbeiten haben diese Resultate bestätigt. Koffein beschleunigt demzufolge die Reiz- sowie die Informationsverarbeitung. Weitere internationale Untersuchungen weisen darauf hin, dass lebenslanger Kaffeekonsum bei Frauen und Männern den altersbedingten Abbau des Denk- und Erinnerungsvermögens verringern kann.


Beeinträchtigt ein später Espresso den Schlaf?

Über den Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Koffein wurden zahlreiche Studien veröffentlicht. Im Wesentlichen wurde darin gezeigt, dass Koffein das Einschlafen verzögert und die Schlafdauer reduziert, wobei sich allerdings eine große individuelle Schwankungsbreite zeigte. Eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Reaktionen bei Kaffeetrinkern könnte die Tatsache sein, dass gewohnheitsmäßige Konsumenten seltener über Schlafbeeinträchtigungen berichten als Menschen, die nur ab und zu Kaffee trinken. Unbestritten ist jedoch, dass die Einnahme großer Mengen Koffein (mehr als 3mg/kg Körpergewicht, das entspricht der Menge von mindestens 3 Tassen Kaffee), die am späten Abend getrunken werden, das Einschlafen verzögern und die Schlafdauer reduzieren kann. Bei geringen Koffeinmengen, also einer oder zwei Tassen Kaffee vor dem Einschlafen, kommt es zu starken individuellen Variationen. Der Schlaf von Vieltrinkern wird kaum beeinträchtigt, anders sieht es bei Menschen aus, die nicht ganz so oft Kaffee trinken.


Gibt es eine Kaffee Sucht?

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Koffein auch von einer „Droge“ gesprochen. Die zuständigen Behörden weltweit haben jedoch für den Konsum von Koffein keinerlei Beschränkungen angeordnet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt, es gäbe keine Hinweise irgendwelcher Art, dass Koffeinkonsum auch nur im Entferntesten Folgen hätte, die mit den physischen und sozialen Konsequenzen von ernsten Drogen vergleichbar wären. Zwei wissenschaftliche Übersichtsartikel, von 1998 und 1999, haben die Koffeinwirkungen hinsichtlich Entzugs, Toleranzentwicklung und Abhängigkeit ausgewertet. In den Studien wurden schwach ausgeprägte Entzugserscheinungen beschrieben, die zum fortlaufenden Konsum von Kaffee beitragen könnten. Zumindest bei einigen Personen scheint also eine Toleranzentwicklung stattzufinden. Allerdings: Ein wichtiges Merkmal einer süchtig machenden Droge ist die sogenannte Reizverstärkung. Das heißt: auf den Konsum folgt eine Belohnung, ein angenehmer Reiz oder die Aufhebung eines unangenehmen Reizes. Bei Koffein tritt eine solche Reizverstärkung, wie sie Raucher oder gar Konsumenten harter Drogen erfahren, nicht auf. Die Folgen längerer Koffein-Abstinenz sind dafür zu unbedeutend. Die Autoren der beiden wissenschaftlichen Übersichtsartikel halten daher daran fest, dass Koffein nicht die Kriterien für eine suchtauslösende Substanz erfüllt, und demnach nicht „abhängig“ macht. Zum gleichen Ergebnis kommt auch eine Studie aus dem Jahr 2006.


Erhöht Kaffee den Blutdruck?

Koffein bewirkt keine dauerhafte Erhöhung des Blutdrucks. Bei Menschen, die nicht oft Kaffee trinken, kann Koffein den Blutdruck kurzzeitig steigen lassen, dieser sinkt aber schnell wieder auf das Ausgangsniveau. Ältere wie aktuelle wissenschaftliche Übersichtsartikel zeigen, dass der Einfluss von Kaffee auf den Blutdruck wohl gering ist.


Darf ich Kaffee in der Schwangerschaft trinken?

Es gibt keine eindeutigen Belege, dass moderater Kaffeekonsum (unter 300 mg Koffein täglich) eine Schwangerschaft oder die Gesundheit des Embryos negativ beeinflussen könnte.
Die EU-Kommission für Nahrungsmittel konstatierte 1999, dass die Aufnahme von bis zu 300 mg Koffein pro Tag sicher zu sein scheint. Ob eine höhere Koffeindosis einen Effekt auf die Schwangerschaft und das Kind hat, bleibt offen.
Im Jahr 2002 bestätigte ein wissenschaftlicher Übersichtsartikel über die vorhandenen wissenschaftlichen Studien diese Aussage. Die Schlussfolgerung: Es gibt keinen überzeugenden Beweis dafür, dass ein moderater Genuss koffeinhaltiger Getränke dem ungeborenen Baby schaden könnte. Generell gilt: Bei einem Kaffeekonsum von weniger als drei Tassen Kaffee pro Tag sind während der Schwangerschaft keine negativen Wirkungen zu erwarten. Bei einem höheren Kaffeekonsum sollten werdende Mütter auf entkoffeinierten Kaffee zurückgreifen.


Darf ich beim Stillen Kaffee trinken?

In sechs Studien zeigte sich, dass Koffein in die Muttermilch übergehen kann, allerdings nur in Konzentrationen, die so klein waren, dass kaum pharmakologische Effekte zu erwarten sind. Wenn überhaupt, dann könne es bei einer sehr starken Koffeineinahme zu leichten Schlafstörungen und etwas erhöhter Erregbarkeit bei den Säuglingen kommen, so die Studien. Trinkt die Mutter aber nur zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag, werden diese Wirkungen ausgeschlossen. Um kein Risiko einzugehen, können Mütter aber auch hier auf entkoffeinierten Kaffee zurückgreifen.


Weitere Informationen finden Sie unter:

www.kaffeeteeverband.at