Das steckt hinter unseren Kaffee-Erde Pellets
Was passiert eigentlich mit dem Kaffeesatz aus unseren Tchibo Coffeebars? In Kärnten haben wir daraus gemeinsam mit Waldaffe & GUSTA GARDEN etwas Neues gemacht: Kaffee-Erde Pellets – regional, patentiert und voller Nährstoffe für Pflanzen. Vergangene Woche konntet ihr bereits die ersten Details darüber in den Tchibo Stories entdecken.
Wie die Idee entstanden ist, welche Hürden es gab und warum Kreislaufwirtschaft manchmal auch im eigenen Blumentopf beginnt, erzählen uns Lukas Bürger, Geschäftsführer von Waldaffe & GUSTA GARDEN und Manuela Schneider, Tchibo Nachhaltigkeits-Verantwortliche, im Interview.
Was macht Kaffeesatz als Rohstoff so besonders für Pflanzen?
Lukas Bürger: Kaffeesatz ist für uns weit mehr als ein Abfallprodukt. Er bringt organische Masse und wertvolle Eigenschaften mit, die für Pflanzen und Substrate sehr interessant sind. Genau darin liegt für uns die Chance: aus etwas, das normalerweise entsorgt wird, einen echten Mehrwert zu schaffen.
Wie funktioniert der Verarbeitungsprozess – vom Kaffeesatz zum fertigen Pellet?
Lukas Bürger: Wir bekommen den Kaffeesatz aus den Filialen, bereiten ihn technisch sauber auf und verarbeiten ihn dann in unserer Pellet-Technologie weiter. Das Ziel ist ein Produkt, das kompakt, sauber lagerfähig und leicht transportierbar ist. Bei der Anwendung entfaltet es dann wieder sein volles Potenzial.
Welche Pflanzen profitieren besonders von der Kaffee-Erde?
Lukas Bürger: Grundsätzlich sehr viele Pflanzen im Hobby- und Gartenbereich. Besonders dort, wo eine lockere, organisch geprägte Struktur gefragt ist, sehen wir großes Potenzial. Das macht das Produkt für viele Hobby Gärnter sehr interessant.
Habt ihr weitere Ideen, was man aus Kaffeesatz noch machen könnte?
Lukas Bürger: Ja, definitiv. Aus Sicht des Industriedesigns sehe ich Kaffeesatz als Rohstoff mit großem Potenzial für weitere nachhaltige Anwendungen. Daraus lassen sich auch Verbundwerkstoffe beziehungsweise Biokunststoffe herstellen. Besonders spannend finde ich die haptischen Oberflächen, die durch den Kaffeesatz entstehen. Im Bereich der Kreislaufwirtschaft stehen wir hier jedoch noch ganz am Anfang.
Kreislaufwirtschaft ist ein großes Wort – wie erklärt man das Kund*innen so, dass sie es verstehen und mitmachen?
Manuela Schneider: Anstelle eines linearen Systems „herstellen – nutzen – wegwerfen“ verfolgt man mit dem Kreislaufwirtschaftsmodell den Ansatz Produkte, Materialien und Ressourcen so lange wie möglich in einem geschlossenen Kreislauf zu nutzen und damit Abfall als auch ökologische Belastungen zu minimieren. Wir bei Tchibo verfolgen innerhalb des Kreislaufwirtschaftsmodells verschiedene nachhaltige Ansätze von Rethink, Reduce, Reuse, Repair bis zu Recycle. Bei unserem aktuellsten Projekt – die ersten Kaffee-Erde Pellets am österreichischen Markt - betrachten wir den Kaffeesatz nicht als Abfall, sondern als Wertstoff und entwickelten daraus ein neues, hochwertiges Produkt – ein Beispiel für Rethink, also neu gedacht.
Welche Rolle spielen solche regionalen Projekte in der gesamten Nachhaltigkeitsstrategie von Tchibo?
Manuela Schneider: Wir sind ein international tätiges Familienunternehmen, das sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette engagiert. Kreislaufwirtschaft ist eines unserer Schwerpunktfelder bei Tchibo und insbesondere hier in Österreich – dabei ist uns die regionale Wirksamkeit sehr wichtig und wir haben die Möglichkeit ganz kund*innennah zu agieren.
Was war intern die größte Hürde: Logistik, Prozesse oder etwas ganz anderes?
Manuela Schneider: Tatsächlich war die Logistik innerhalb des für die Verarbeitung relevanten Zeitfensters die größte Hürde. Erstmal haben wir daher in den Kärntner Tchibo Coffeebars den Kaffeesatz gesammelt und somit auch den kürzesten Weg zum Partner gewählt – also ein ganz regionaler Ansatz.
Wie messt ihr den Erfolg solcher Projekte – rein in Verkaufszahlen oder auch anders?
Manuela Schneider: Ein Erfolg zeichnet sich durch eine hohe Kund*innenakzeptanz ab, also wenn wir ihre Bedürfnisse gut erkannt haben. Da wir hier ein völlig neues Produkt auf den Markt gebracht haben, ist die gemeinsame Entwicklung mit unserem Partner Waldaffe als auch der Launch an sich bereits ein großer Erfolg. Denn wir haben eine Lösung – eine sinnvolle Weiterverwendung eines in unseren Coffeebars anfallenden Wertstoff gefunden – der Kreislauf konnte geschlossen werden.
Was würdet ihr anderen Unternehmen raten, die auch zirkuläre Projekte starten wollen?
Lukas Bürger: Wir würden anderen Unternehmen raten, klein aber konkret zu starten. Oft braucht es am Anfang nicht den perfekten Masterplan, sondern den Mut, einen vorhandenen Reststoff oder ungenutzten Materialstrom wirklich neu zu denken und gemeinsam mit den richtigen Partnern erste praktische Lösungen zu testen.
Manuela Schneider: Glaubt an eure Ideen und geht in den Austausch. Es gibt dafür Plattformen oder ihr findet innerhalb eures Netzwerks Kontakte, die einen weiterbringen. Sicher braucht man Ausdauer – wie immer bei ganz neuen Themen, innovativen Projekten -, aber eben auch den richten Partner für die Umsetzung und den findet man nur, wenn man darüber spricht.
Habt ihr selbst die Kaffee-Erde schon zu Hause getestet? Was wächst bei euch damit?
Lukas Bürger: Im Sammy Salad am Balkon wachsen schon die ersten Radieschen. Im Mai setze ich dann meine selbst gezogenen Chili-Pflanzen in die Kaffee-Erde – und zwar die Sorte Chocolate Habanero. Ich finde, diese Sorte passt einfach perfekt zur Kaffee-Erde.
Manuela Schneider: Ich freue mich auf tolle Ernteerfolge in unseren neuen Hochbeeten, die wurden gerade fertiggestellt und sind jetzt bereit. Mit der hochwertigen Erde mit Kaffeesatz werden Kräuter, Gemüse und besonders ganz viele Tomaten angepflanzt.
Wenn ihr mehr zur Kaffee-Erde oder zum Thema Kreislaufwirtschaft bei Tchibo erfahren wollt, dann geht's hier entlang: