Ein Einblick in die Welt der Farbberatung
Habt ihr schon einmal erlebt, wie eine Farbe euch zum Strahlen bringt und eine andere euch blass aussehen lässt? Farben haben eine echte Power. Sie können eure Ausstrahlung verstärken, euer Selbstbewusstsein steigern und sogar entscheidend beeinflussen, wie ihr von anderen wahrgenommen werdet.
Und genau hier setzt die professionelle Farbberatung an. Wir haben mit Bettina Kohlweiss gesprochen: Österreichische Stil- und Imageberaterin und Expertin auf dem Gebiet. Ihr Versprechen: Wer seine Farben kennt, sieht nicht nur besser aus, er fühlt sich auch besser.
Frühling, Sommer, Herbst und Winter, ...
Die meisten von uns haben schon einmal von den vier Farbtypen gehört. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das klassische System, das sich an den Jahreszeiten orientiert. Bettina arbeitet mit einem deutlich breiteren Ansatz: zehn Farbtypen.
Hinter den vier Grundtypen steckt eine klare Logik aus drei Kriterien:
-Farbtemperatur: Warm, kühl – oder eine Mischung aus beidem
-Helligkeitswert: Hell, mittel oder dunkel
-Reinheitsgrad: Klare, strahlende Farben oder gedeckte, matte Töne
Aus diesen Kriterien ergeben sich zunächst vier Grundtypen und sechs weitere Mischtypen: der warme, kühle, helle, dunkle, klare und gedeckte Farbtyp. „Nicht jede Sommerfrau sieht automatisch in allen Sommerfarben gleich gut aus", betont Bettina. Die Feinheiten machen den Unterschied.
Wie läuft eine Farbberatung ab?
Am Anfang steht die Analyse der Pigmentierung: Welchen Ton hat die Haut: rosig, gelblich oder eher olivfarben? Wie sind die Augen gefärbt? Wie ist die natürliche Haarfarbe? Auch das Bräunungsverhalten spielt eine Rolle, ebenso die Persönlichkeit der Person.
Der eigentliche Kern der Beratung ist jedoch die Farbanalyse mit 34 Farbtüchern, die direkt unter das Gesicht gehalten werden. Das Ergebnis ist oft verblüffend sichtbar. Bettina beschreibt es so: „Bei der richtigen Farbe wirkt der Teint ebenmäßiger, Rötungen oder Schatten verschwinden, die Augen erscheinen lebendiger, die Lippen gewinnen an Farbe und der gesamte Mensch wirkt frischer, kraftvoller und vitaler. Das ist der Aha-Moment, den fast alle erleben", erzählt sie. „In dem Moment, wo jemand sieht, wie ein einziger Farbtuch-Wechsel das gesamte Gesicht verändert. Das ist magisch."
Die größten Irrtümer rund um Farbe
„Schwarz passt jedem."
Einer der hartnäckigsten Modeglaubenssätze überhaupt und laut Bettina schlicht falsch: „Bei vielen Menschen wirken Anthrazit, Dunkelblau oder Dunkelbraun deutlich harmonischer als Schwarz." Schwarz kann den Teint hart und müde wirken lassen – besonders bei Menschen mit hellerem oder wärmerem Hautton.
„Eine weiße Bluse braucht jede Frau."
Auch das stimmt so nicht. Reinweiß wirkt bei vielen Menschen zu kalt und zu kontrastreich. Viel schöner und oft schmeichelhafter sind Elfenbeinweiß, Wollweiß oder ein sanfter Beigeton. Welcher Weißton der richtige ist, hängt vom Farbtyp ab.
„Es gibt nur vier Farbtypen."
Das klassische Vier-Jahreszeiten-System ist ein guter Einstieg. Die Realität ist nuancierter, und genau diese Nuancen machen den Unterschied zwischen „steht mir ganz gut" und „das ist meine Farbe".
Selbsttest: Welche Farben schmeicheln mir?
Du musst nicht sofort eine professionelle Beratung buchen, um erste Erkenntnisse zu gewinnen. Bettina hat ein paar praktische Tipps, mit denen du schon heute loslegen kannst:
1. Der Komplimente-Test
„Ein guter erster Hinweis sind Kleidungsstücke, für die man besonders viele Komplimente bekommt. Häufig spielen dabei die Farben eine entscheidende Rolle", so Bettina. Also: Wann hörst du „Du siehst heute toll aus!"? Und was trägst du dabei?
2. Der Tageslicht-Test
Halte verschiedene Kleidungsstücke oder Schals bei natürlichem Tageslicht ungeschminkt unter dein Gesicht und beobachte: Wirkst du eher müde und fahl oder frisch und strahlend? Werden deine Augen lebendiger? Wird dein Teint ebenmäßiger? Vertrau deinen Augen, denn der Unterschied ist oft deutlich sichtbar.
3. Der Hautunterton-Check
Ein erster Hinweis auf deinen Farbtyp ist der Unterton deiner Haut:
-Rosiger oder bläulicher Unterton → Kühlere Farben wie Rosa, Himbeerrot, Türkis oder Lavendel harmonieren oft besonders schön.
-Gelblicher Unterton → Wärmere Töne wie Camel, Korallenrot, Orange oder Moosgrün wirken häufig besonders harmonisch.
Warum das alles mehr ist als nur Ästhetik
Farben wirken nicht nur auf andere, sie wirken vor allem auf uns selbst. „Farben beeinflussen uns auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene", erklärt Bettina. „Sie können stärken, Sicherheit vermitteln und das Selbstbewusstsein fördern." Die richtige Farbe am Körper zu tragen ist deshalb keine Oberflächlichkeit. Es ist eine Form der Selbstfürsorge.
Und noch etwas: Farben kommunizieren, noch bevor ein einziges Wort gesprochen wird. Sie senden Botschaften aus, signalisieren Haltung, Energie und Persönlichkeit. Wer seine Farben kennt, hat also nicht nur einen modischen Vorteil, sondern auch einen kommunikativen.
Im nächsten Story Beitrag zeigen wir, wie ihr euer Farbwissen ganz konkret anwenden könnt. Für eine nachhaltigere Garderobe, weniger Fehlkäufe und mehr Freude beim Anziehen. Inklusive des entscheidenden Tricks für alle, deren Lieblingsfarbe nicht zu ihrem Farbtyp passt.