Two men with mugs, farewell text in German
Podcast

#144: Goodbye Karl-Heinz, Adios Andreas – What remains after 32 years in the workforce?

In the new episode of ‘5 Cups a Day’, Karl-Heinz Landwehr and Andreas Christmann look back on more than 30 years at Tchibo.In the podcast, they discuss change, loyalty, sustainability and working in a family business. A conversation about moving on, experiences – and the question of what remains after a long working life.

16 July 2026 – 32 years at Tchibo – and then what? Two of our Tchibo ‘legends’ are soon to leave the company and embark on that famous ‘active retirement’ – complete with cruises, hiking trips and everything else that goes with it. It won’t be easy for them to say goodbye. We’re talking about long careers, the transformation of a family business and the question of what actually remains. Karl-Heinz Landwehr and Andreas Christmann speak plainly: about loyalty, sustainability, entrepreneurial spirit and the future.

How it all began

Karl-Heinz, the legal adviser, has been with the legal department since 1 June 1994 – that is, for over 32 years. It was his first job after completing his degree and legal training. He moved to Hamburg because his boyfriend at the time was working in Lüneburg and a long-distance relationship wasn’t an option. He found the job in the*Hamburger Abendblatt*. Karl-Heinz is known for consistently using the formal ‘Sie’ form of address, his stance on matters of justice, over 70 cruises and his self-composed songs on YouTube.

Andreas, coffee buyer (Director of Commodity Sourcing), has been working at Tchibo since 2 January 1994 – and has therefore been there slightly longer than Karl-Heinz. A total of 45 years in the coffee trade: trained in the green coffee trade. Andreas is known for: always putting his left sock on first, having a big heart and a big mouth, his curiosity about origin trips to Guatemala, India and Vietnam, and a passionate plea for (even more) Tchibo coffee shops.

Tchibo im Wandel

From handwritten travel expense forms to a mobile app at the airport. From Tchibo’s ‘A New World Every Week’ campaign of the 2000s to today’s family-run business caught between the dynamics of a medium-sized enterprise and corporate logic. Both observe that the Tchibo spirit of the early years has become harder to maintain. Karl-Heinz still remembers his early days with an electric typewriter very well. Today, legal AI tools support the work in the legal department. Andreas describes the same transformation from a procurement perspective: what used to be done with receipts, forms and paper clips is now handled directly at the airport via smartphone.


"Als ich kam, das erinnere ich mich noch dran, stand auf meinem Schreibtisch eine elektrische Schreibmaschine. Computer waren damals modern und ich war dann auch ganz glücklich, dass die Diktiergeräte und die Schreibmaschinen abgeschafft wurden" - Karl-Heinz Landwehr


Sustainability in the retail sector

When Andreas started out in the coffee trade in 1981, “nobody” was thinking about sustainability. His defining moment came when a live TV report confronted him with the reality of child labour in Guatemala. What followed marked the beginning of serious, long-term sustainability work at Tchibo.

Loyalty – a value on the wane?

A whole working life with one company? What used to be taken for granted is now more the exception than the rule. Both speak openly about how loyalty is viewed differently in today’s world of work compared to a few decades ago. Karl-Heinz sums it up: long-term service is hardly regarded as a qualification in the German business world today. Someone who has spent 32 years with one employer ends up further down the pile of applications – not further up.

A farewell to Tchibo

Andreas wants the Tchibo brand to leave a lasting mark – on customers and on coffee farmers alike. Karl-Heinz would like to see a non-food range that also has more to offer men.

What unites them both is the desire for Tchibo to retain its character: bold, approachable, entrepreneurial – and always with a focus on people.


Have a listen to the latest episode of ‘5 Cups a Day’ now!

Transkript

Tschüss Karl-Heinz, Adios Andreas - Was bleibt nach 32 Jahren Arbeitsleben?

Karl Heinz Landwehr [00:00:02] Als ich kam, das erinnere ich wirklich noch, stand auf meinem Schreibtisch eine elektrische Schreibmaschine. Die Computer waren damals modern und ich war auch ganz glücklich, dass dann die Diktiergeräte, die man hier hatte, und die Schreibmaschinen abgeschafft wurden.

Andreas Christmann [00:00:16] Tatsächlich kann man nicht mehr so viele Sachen gleichzeitig machen, wie man das noch vor zehn Jahren konnte. Natürlich ist auch diese technische Entwicklung a bit more challenging, was ich persönlich super finde, weil ich dann immer im Lernmodus bin. Und das ist letztendlich auch der Grund, warum ich zum Beispiel bis 66 sehr gerne bei Tchibo bleiben werde.

Station Voice [00:00:45] 5 Tassen täglich, der Tchibo Podcast.

Ralf Podszus [00:00:53] Moin zusammen. Hier gibt es Kaffeewissen, Nachhaltigkeit und Einblicke hinter die Kulissen von Tchibo. Ja, tschüss Boomer! Heute geht es um Boomer und Abschied. Ihre Vornamen verraten, dass sie schon über 30 Jahre bei Tchibo sind: Andreas und Karl-Heinz. Zwei Tchibo-Legenden, die das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt haben. Die sind heute bei mir.

Es sind zwei lange Berufswege und eine Frage, die viele von uns beschäftigt: Was bleibt eigentlich nach einer so langen Karriere in einem Unternehmen? Welche Spuren hinterlässt man? Und wie verändert sich Arbeit über die Zeit?

Was macht ein Familienunternehmen aus? Was lernt man über Loyalität, Wandel und Verantwortung? Und was sollten jüngere Kolleginnen und Kollegen unbedingt von den Älteren übernehmen? Oder vielleicht lieber doch nicht?

Darüber spreche ich heute mit dem Justiziar Karl-Heinz Landwehr – der Name der Macht mit dem Zusatz „Justiz“ macht gleich Eindruck, finde ich – und mit Kaffee-Einkäufer Andreas Christmann. Schön, dass ihr beide da seid. Moin!

Karl-Heinz Landwehr [00:02:01] Moin.

Andreas Christmann [00:02:02] Hallo.

Ralf Podszus [00:02:03] Welches Getränk möchtet ihr gerne bei unserer Podcast-Folge schlürfen? Und wie alt seid ihr? Denn das Alter spielt heute ja eine Rolle, darum frage ich mal nach.

Karl-Heinz Landwehr [00:02:11] Dann fange ich vielleicht mal an. Mein Name ist Karl-Heinz und ich bin – weil du es gefragt hast, ich sage das auch so – 63. Als Getränk habe ich ein Wasser vor mir stehen. Einen Kaffee hatte ich heute schon.

Andreas Christmann [00:02:24] Mein Name ist Andreas, ich bin ein Jahr älter als Karl-Heinz, also 64, komme gerade aus Spanien zurück und deswegen würde ich am liebsten einen Cortado trinken.

Ralf Podszus [00:02:35] Sehr schön. Dann passiert genau das. Beim Podcast duzen wir uns ja üblicherweise. Von Karl-Heinz weiß ich jetzt: Eigentlich möchtest du konsequent durchgesiezt werden. Bleibt es dabei? Dann schwenke ich wieder um. Es ist ja auch von Hamburger zu Hamburger nicht unüblich, sich nicht zu duzen.

Karl-Heinz Landwehr [00:02:53] Nein, beim Podcast bleiben wir natürlich beim Du. Wir haben uns ja eben auch kennengelernt und ich finde, wir haben da – wie sagt man so schön – gute Vibes. Wenn du aber das Büro meinst: Da habe ich das Siezen beibehalten, obwohl hier bei Tchibo irgendwann alle anfingen zu duzen. Ich brauche aber als Jurist, der ja alle Leute berät, einen gewissen Abstand. Wenn das auf Du geht, dann habe ich gelernt, wird man manchmal vielleicht nicht so ernst genommen, als wenn ich die Leute sieze. Ein entscheidender Auslöser dabei war eigentlich der Anruf eines Werkstudenten, der, glaube ich, zwei Tage hier war und mir am Telefon sagte: „Hallo Karl-Heinz, ich brauche dringend innerhalb von drei Minuten mal das und das.“ Da habe ich gefragt: „Wer sind Sie überhaupt?“ Und er sagte: „Ich bin Werkstudent.“ Natürlich hat er bekommen, was er wollte. Nicht in drei Minuten – ich brauche immer ein bisschen länger dafür, wenn es ordentlich sein soll. Aber ich fand das schon komisch, dass ein Werkstudent einen dann einfach so duzt.

Und seitdem habe ich gesagt: Geduzt wird wirklich nur bei Freunden. Im Büro wird gesiezt. Das ist für mich die Marschrichtung.

Ralf Podszus [00:04:05] Also man kommt zu dir als Fremder und geht von dir als Freund.

Karl-Heinz Landwehr [00:04:09] Vor allen Dingen dann, wenn die Antwort stimmt, die die Leute hören wollen. Dann sind die alle Freunde.

 

Ralf Podszus [00:04:10] Wir sind jetzt Freunde in diesem Podcast, finde ich gut. Karl-Heinz, am 1. Juni 1994 hast du in der Rechtsabteilung angefangen. Das war dein erster Job nach dem Studium. War dir da schon klar, dass du nicht Richter oder Strafanwalt werden willst? Warum ausgerechnet Tchibo? Das ist ja nicht unbedingt der erste Gedanke: „Ich bin nun Jurist, jetzt mache ich mal was mit Kaffeebohnen.“ Oder hast du dir die Lippen am heißen Kaffee verbrüht und gedacht: „Die verklage ich!“ – und daraus ist dann die große Liebe geworden, so wie romantische Filme anfangen?

Karl-Heinz Landwehr [00:04:43] Ha! Mit großer Liebe hat das tatsächlich ein bisschen zu tun. Ich habe Jura studiert und wusste bis zum Schluss nicht so richtig, was ich anstreben sollte. Damals war die Zeit der Grenzöffnung. Bundesrepublik und DDR. Der Staat suchte viele Leute für Richter- und Staatsanwaltsberufe. Das war also eine Stoßrichtung, auf die ich mich auch beworben habe. Ich war damals aber schon verliebt – das kann man ja durchaus sagen – in einen Mann. Ich bin auch heute mit einem Mann verheiratet. Der hat damals in Lüneburg gearbeitet und ich saß noch mit meinem Referendariat in Marburg. Da habe ich gesagt: Eine Fernbeziehung willst du nicht. Du musst mal in den Norden, irgendwo Richtung Lüneburg. Da lag nichts näher als Hamburg. Dann habe ich mir das Hamburger Abendblatt geschnappt und die Stellenanzeigen durchgeguckt. Dabei bin ich auf die Tchibo-Anzeige gestoßen. Die hat mich total angesprochen, weil es eben um ein Familienunternehmen ging. Ich habe damals schon Tchibo-Kaffee getrunken, das passte also auch. Da habe ich gesagt: Bewirb dich mal. Gesagt, getan. Ich wurde tatsächlich eingeladen und habe am Ende die Stelle bekommen. Das ist so ein bisschen der Werdegang, wie ich zu Tchibo gekommen bin.

Ralf Podszus [00:05:57]
Du hast gesagt, diese Anzeige hat dich sehr angesprochen. Was stand da drin? „Wir suchen jemanden, der hart durchgreift“?

Karl-Heinz Landwehr [00:06:04]
Nein, das stand da sicherlich nicht drin. Ich erinnere mich zwar nicht mehr ganz genau, aber da stand bestimmt drin, wie das immer in Stellenanzeigen steht: vielfältige Aufgaben, spannendes Feld. Ich kannte Tchibo ja als Kunde. Tchibo gab es damals natürlich auch schon, und da habe ich gedacht: Wenn die juristische Beratung suchen, dann kann es ja nur um Kaffee und das Non-Food-Angebot gehen. Das hatte ich zwar gar nicht studiert, aber als Jurist ist man vielfältig aufgestellt. Das hat mich, glaube ich, dazu gebracht, mich zu bewerben. Und im Laufe des Bewerbungsgesprächs, nachdem sich das bewahrheitet hatte, habe ich gesagt: Das mache ich, wenn die mich wollen.

Ralf Podszus [00:06:39] Jetzt ist dann bald Schluss.

Karl-Heinz Landwehr [00:06:43] Also ich bin ja 63 und habe mich entschieden, den Platz freizumachen. Nach so langer Zeit wird natürlich vieles gleich. Die Beratung ist im Prinzip oftmals die gleiche. Die Mandanten – so nenne ich meine Kolleginnen und Kollegen manchmal, wenn sie zu mir kommen und sagen: „Gib mir mal einen Rat. Kann man das hier machen? Das T-Shirt oder die Kaffeetasse oder was auch immer?“ – werden immer jünger. Und ich muss auch zugeben: Irgendwann wird das im Alter ein bisschen anstrengender. Deshalb habe ich mir schon vor sechs Jahren gesagt: Geh doch mal in Altersteilzeit. Dann macht der Job auch wieder mehr Spaß. Diese sechs Jahre Altersteilzeit sind jetzt rum. Im August gehe ich in Rente und werde mir irgendetwas suchen, das ich dann mache. Zu Hause sitzen werde ich sicherlich nicht.

Ralf Podszus [00:07:33] Andreas, du bist total im Duz-Modus und im Vergleich zu Karl-Heinz noch ein bisschen hinter ihm von der Anzahl der Jahre, die du bei Tchibo bist. Wann war dein erster Tag? Und bist du direkt im Kaffee-Einkauf gestartet? Wusstest du damals schon, was für ein Traumjob auf dich wartet?

Andreas Christmann [00:07:49] Also ich bin tatsächlich etwas länger bei Tchibo als Karl-Heinz.

Ralf Podszus [00:07:52] Ach so, verdammt. Entschuldigung.

Andreas Christmann [00:07:55] Viel schlimmer noch: Ich bin schon seit 45 Jahren im Kaffeehandel. Von daher bin ich hier der Ältestenrat. Meine Geschichte ist allerdings eine andere, was meinen Weg zu Tchibo betrifft. Die hat eher etwas mit klassischer Karriereplanung zu tun. Wobei man von Planung eigentlich auch nicht wirklich sprechen kann. Für mich war es damals aber der logische Schritt, zu einem so großen Kaffeeunternehmen zu gehen – nach dem, was ich vorher gemacht hatte.

Ralf Podszus [00:08:23] Und im Laufe der ganzen Jahre hast du – wie Karl-Heinz auch schon gesagt hat – festgestellt: Einiges wird im Alter schwerer oder anders. Man muss ein bisschen mehr durchatmen.

 

 

 

 

 

Andreas Christmann [00:08:35] Dieses Gefühl habe ich eigentlich erst seit zwei oder drei Jahren. Ich glaube aber nicht, dass das unbedingt allein etwas mit Tchibo zu tun hat. Das hat auch etwas mit einem selbst zu tun. Ich stimme Karl-Heinz da zu: Tatsächlich kann man nicht mehr so viele Sachen gleichzeitig machen, wie man das noch vor zehn Jahren konnte. Und im Kaffee-Einkauf und im Kaffeehandel gibt es Zeiten, da muss man locker fünf Dinge gleichzeitig tun. Da gebe ich ganz ehrlich zu: Das fällt einem heute einen Tick schwerer. Natürlich ist auch diese technische Entwicklung im Vergleich zu dem, wie ich vor 20 oder 30 Jahren hier angefangen habe, a bit more challenging. Was ich persönlich super finde, weil ich dadurch immer im Lernmodus bin. Und das ist letztendlich auch der Grund, warum ich bis 66 sehr gerne bei Tchibo bleiben möchte.

Ralf Podszus [00:09:24] Andreas zieht hier gnadenlos durch. Warum bleibt man so lange Zeit bei einem Arbeitgeber? Sein gesamtes Arbeitsleben? Das ist ja für die heutige Zeit eher ungewöhnlich. Da wird schneller gewechselt.

Andreas Christmann [00:09:36] Tatsächlich ist Tchibo mein dritter Arbeitgeber. Ich wurde vorher schon im Kaffeehandel ausgebildet und habe vorher bei einem kleineren Röstunternehmen gearbeitet, das europaweit tätig war. Warum man so lange bleibt, ganz simpler Hauptgrund: Es macht mir wahnsinnig viel Spaß.

Ralf Podszus [00:09:55] Wie ist es bei dir, Karl-Heinz?

Karl-Heinz Landwehr [00:09:58] In 32 Jahren gibt es natürlich immer Momente, in denen man sich fragt: Bin ich hier überhaupt noch richtig? Und es gibt vielleicht sogar noch mehr Momente – die hat es auch gegeben –, in denen andere einen fragen: „Willst du nicht zu uns kommen?“ Wenn solche Momente da waren, ging es immer in die Abwägung. Und da hatte Tchibo eigentlich immer die Nase vorn. Außerdem war es hier so, dass es immer neue Aufgaben gab. Wir sind in der Rechtsabteilung mehr Leute geworden, das Geschäft wurde größer, die Produkte haben sich verändert. Ich habe neue Aufgaben dazubekommen. Dazu kommt natürlich, dass man sich über die Jahre auch ein bisschen in Hamburg verliebt hat. Das ist einfach eine großartige Stadt. Nicht umsonst heißt es: Hamburg, meine Perle. Man hat Freunde hier, teilweise auch Familie. Und irgendwann fällt die Abwägung eben zugunsten von Tchibo aus. Ich bin immer gerne geblieben und habe das auch nie bereut. Auch so in der Rückschau, wenn man sagt: „Ich hätte vor einem Jahr nach Süden gehen können.“ Hinzu kommt natürlich auch, dass ich ein Nordkind bin, obwohl ich in Nordrhein-Westfalen geboren wurde. Ich sage immer: Die Linie unterhalb des Ruhrgebiets bis ungefähr Frankfurt – da fühle ich mich noch wohl. Aber südlich davon würde ich überhaupt nicht funktionieren. Das ist nicht mein Menschenschlag. Ich gehöre einfach in den Norden. Tchibo war immer gut zu mir. Und ich war – das sage ich jetzt einfach mal so – auch immer gut zu Tchibo. Wir hatten eine gute Symbiose. Deshalb bin ich, was heute natürlich ungewöhnlich ist, 32 Jahre geblieben. Und ich bin ja sogar noch da.

Ralf Podszus [00:11:45] Ein Geben und ein Nehmen. Wie hat sich euer Job in den Jahrzehnten verändert? Ich habe eben schon gehört: alles wird schneller, digitaler. Was stellt ihr sonst noch fest?

Andreas Christmann [00:11:55] Also in meinem Fall ist es tatsächlich so: Ich bin ja landläufig gesagt der Kaffee-Einkäufer. Einer von mehreren. Mich haben aber immer auch die Nebenthemen interessiert: Produktentwicklung, Controlling und solche Dinge. Man muss hier sehr gut vernetzt arbeiten und kann dadurch auch auf andere Themen Einfluss nehmen als nur auf den Kaffee-Einkauf – im guten wie im schlechten Sinne. Grundsätzlich haben sich im Kaffeegeschäft zwei Dinge deutlich verändert. Das eine ist, dass Nachhaltigkeit zum Glück einen richtig großen Stellenwert bekommen hat, auch im Einkauf. Und das zweite ist, es ist halt alles viel volatiler und schneller geworden, auch in Kaffeehandel. Preise rauf, Preise runter, Qualitäten da, Qualitäten nicht da, Supply-Chain-Probleme. Das sind alles Herausforderung und die habe ich in meinem Berufsleben immer geliebt.

Karl-Heinz Landwehr [00:12:56] Oh ja, bei mir ist das sicherlich ähnlich. Da hat sich viel verändert. Als ich kam, das erinnere ich wirklich noch, stand auf meinem Schreibtisch eine elektrische Schreibmaschine. So. Die Computer waren damals modern und ich war auch ganz froh darüber. Ich habe nämlich schon im Studium meine Hausarbeiten auf einem Commodore 64 geschrieben. Ich weiß gar nicht, wer das heutzutage noch kennt. Das war damals so: Man hatte den Fernseher zu Hause als Monitor und diese berühmte Brotkiste darunter – und darauf wurde geschrieben. Aber es war einfach viel angenehmer, die Hausarbeit damit zu erstellen. Das heißt, ich war schon immer ein bisschen technikaffin und deshalb auch ganz glücklich, dass die Diktiergeräte und Schreibmaschinen irgendwann abgeschafft wurden. Die Gesetze haben sich natürlich ebenfalls verändert. Europa ist dazugekommen. Auf dieser Ebene hat sich viel entwickelt. Aber vor allem ist die Zeit deutlich schnelllebiger geworden. Die Kommunikation wechselte vom Fax zur E-Mail – auch mit Behörden und Gerichten. Und heute sind wir an dem Punkt angekommen, dass wir bei Tchibo juristische KI-Tools nutzen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen. Also nicht die üblichen Geminis oder ChatGPTs, sondern Systeme, die von juristischen Fachverlagen trainiert wurden. Darin stecken sämtliche relevanten Gesetze, Rechtsprechungen und Fachinformationen. Es ist wirklich erstaunlich, welche Unterstützung heute möglich ist. Gleichzeitig ist es manchmal auch ein bisschen spooky, wenn ich daran denke, was wir früher alles selbst gemacht haben.

Und natürlich fragt man sich dann schon, ob Juristen irgendwann vielleicht einmal abgelöst werden durch BigBrother… Ich weiß es nicht. Ich hoffe nicht. Aber die Entwicklung von der elektrischen Schreibmaschine bis zur KI ist schon beeindruckend.

Ralf Podszus [00:14:49] Da hört man schon ein bisschen heraus, wie du in die Zukunft schaust. Der typische Boomer-Satz lautet ja: „Früher war alles besser.“ Ist das so?

Karl-Heinz Landwehr [00:14:58] Ich sage mal so: Bis 2020 war vieles anders. Meine Eltern haben diesen Satz früher oft gesagt. Und ich habe mir damals geschworen, dass ich ihn nie benutzen werde. Ich versuche mich bis heute daran zu erinnern. Denn grundsätzlich stimmt dieser Satz natürlich nicht. Die Welt ist allerdings tatsächlich seit drei, vier Jahren komplett aus dem Ruder gelaufen. Und wenn ich auf die letzten Jahre schaue, würde ich schon sagen: Da war manches früher besser. Auch der Umgang der Menschen miteinander. Aber als generellen Satz würde ich „Früher war alles besser“ niemals unterschreiben. Die Welt entwickelt sich weiter, die Arbeit entwickelt sich weiter. Man muss versuchen, das Gute mitzunehmen und keine Angst vor Veränderungen zu haben. Ich hoffe nur, dass sich bestimmte Entwicklungen der letzten Jahre nicht dauerhaft fortsetzen. Da habe ich tatsächlich ein paar Bedenken.

Ralf Podszus [00:15:52] Wie siehst du das, Andreas?

Andreas Christmann [00:15:55] Mit dem Satz „Früher war alles besser“ kann ich überhaupt nichts anfangen. Spontan würde ich einfach „Quatsch!“ ins Mikrofon rufen. Wir leben in Zeiten des Wandels. Und das, was mich eigentlich immer getrieben hat – speziell im Geschäft und in der Zusammenarbeit mit Partnern –, ist die Frage nach Werten und Regeln. Die gelten meiner Meinung nach grundsätzlich immer. Das ist wahrscheinlich auch ein Stück weit meine Erziehung. Vielleicht sogar klassische Boomer-Erziehung. Aber diese Werte gelten auch heute noch – und sie gelten auch im Internet. Nur wir alle wissen, und ich glaube, das ist, worauf Karl Heinz anspricht, dass hier eben viele Sachen gerade passieren, die mit unseren Werten, die wir gelernt haben, und das ist vielleicht das einzige, wo ich sagen würde, das war nach ´45, etwas, was unsere Gesellschaft gut geformt hat. Da ist ein Risiko, das sehe ich auch, aber per se, früher war alles besser, ist Quatsch. 

Ralf Podszus [00:16:54] Auf welche Lebensleistung seid ihr besonders stolz? „Stolz“ ist mittlerweile ja auch ein Wort, das man vorsichtig verwenden muss. Aber was hat euch persönlich Zufriedenheit gegeben?

Andreas Christmann [00:17:03] In meinem Fall ist es so und das trifft hauptsächlich auf Tchibo zu. Man hat hier tatsächlich unheimlich viele Dinge machen dürfen und man konnte seine Ergebnisse sehen. Man konnte sie sehen in einer Filiale, im Depot, auf dem Regal, weil Produkte hergestellt wurden, für die man den Kaffee eingekauft hat, für die man vielleicht sogar Ideen dazu beigetragen hat. Am meisten Befriedigung gibt mir allerdings die Arbeit der Nachhaltigkeit im Kaffee und in den Ursprungsländern. Muss ich ganz ehrlich sagen, da bin ich auch sehr zufrieden und auch zufrieden mit Tchibo. Ich habe da immer sehr viel für gearbeitet, das werde ich auch die letzten anderthalb Jahre tun. Das ist mir meine größte Befriedigung. 

Ralf Podszus [00:17:50] Das hast du dann ja auch miterlebt im Laufe der ganzen Jahre, Jahrzehnte, wie mehr an die Menschen vor Ort gedacht wird, wie der Klimawandel überhaupt wahrgenommen wird und wie an die Natur gedacht wird. Das war dir von Anfang an immer schon sehr wichtig. Und was hat es dann bei dir ausgemacht, als du gemerkt hast, ja, jetzt geht das alles in eine gute Richtung?

Andreas Christmann [00:18:08] Wenn ich ehrlich bin: Als ich 1981 im Kaffeehandel angefangen habe, hat praktisch niemand über solche Themen gesprochen. Zumindest nicht in der Branche. Natürlich gab es Menschen, die genauer hingeschaut haben. Aber Nachhaltigkeit ist für mich tatsächlich erst über Tchibo zu einem wichtigen Thema geworden. Vielleicht waren die Grundwerte schon vorher da – durch Erziehung, Schule und Familie. Aber wirklich aktiv geworden bin ich gemeinsam mit Tchibo. Es gab ein oder zwei Erlebnisse, die mir einfach die Augen geöffnet haben. Ich war in meinem Leben sehr oft in den Ursprungsländern unterwegs. Und wenn man die Situationen dort mit eigenen Augen sieht, wenn man neugierig hinschaut und eben nicht wegschaut, dann kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass man etwas tun muss. Punkt! Für mich war das relativ eindeutig. Und Tchibo hat es ermöglicht, diese Themen voranzutreiben.

Ralf Podszus [00:19:00] Kannst du dieses Schlüsselerlebnis beschreiben? Was genau ist damals passiert?

Andreas Christmann [00:19:04] Es gab eigentlich zweierlei Dinge. Zum einen bin ich immer jemand gewesen, der wirklich in die entlegensten Dörfer gefahren ist und sich die Situation vor Ort angeschaut hat. Das hat mich oft sehr berührt. Aber es gab tatsächlich auch einen konkreten Fall bei Tchibo. Das ist ungefähr 16 oder 17 Jahre her. Damals haben wir gemeinsam mit einem Fernsehsender eine größere Reportage über Tchibo begleitet. Und dieser Sender hat mich persönlich LIVE und ohne Vorbereitung damit konfrontiert, dass sie Kinderarbeit in Guatemala gefunden haben. Das haben wir dann sofort bearbeitet, habe ich einen sehr guten Chef gehabt, der das sofort aufgegriffen hat und das war eigentlich mit die Geburtsstunde von richtig ernsthafter langfristiger Nachhaltigkeitsarbeit bei Tchibo. Also dieser Unfall, was eigentlich schlecht für Tchibo war, haben wir sehr schnell darin gedreht, dass wir Gutes tun wollten. Und das ist tatsächlich mein Schlüsselerlebnis.

Ralf Podszus [00:20:04]
Wie viel Konzern steckt heute in Tchibo und wie viel Unternehmergeist?

Andreas Christmann [00:20:09] Schöne Frage. Ich bin ja im Wettbewerb unterwegs und wir kennen natürlich alle unsere Wettbewerber. Wir wissen, wer im Kaffeehandel aktiv ist. Tchibo ist für mich das klassische Unternehmen, das kein Konzern ist, aber auch nicht klein. Wir liegen genau dazwischen. Wir haben eine wunderbare Größe und das hat Vor- und Nachteile. Familienunternehmen ist dabei natürlich das entscheidende Stichwort. Wir bleiben ein Familienunternehmen im Mittelstand – auch wenn wir ein paar Milliarden Euro Umsatz machen. In der Kaffee-Branche sind wir trotzdem eher ein mittelgroßes Unternehmen. Ich fand diese Größe immer ideal. Groß genug, um erfolgreich zu sein. Aber gleichzeitig klein genug, um gut arbeiten zu können. In einem Konzern habe ich nie gearbeitet. Natürlich weiß man nach so vielen Jahren ungefähr, wie es dort läuft. Und ich hätte immer gesagt: Lieber Familienunternehmen. Auch wenn es in großen Konzernen manchmal etwas direkter und kraftvoller zugeht. Aber genau das Familienunternehmen hat für mich seinen besonderen Charme. Tchibo steht für Unternehmertum.

Karl-Heinz Landwehr [00:21:15] Und Tchibo ist sicherlich kein Konzern. Das Unternehmen ist 1949 von Max Herz gegründet worden – als Familienunternehmen. Und das ist es bis heute geblieben. Ich würde niemals sagen, dass Tchibo ein Konzern ist. Die Geschichte von Tchibo ist ja auch spannend. Es ist eine Familiengeschichte mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten. Sie wurde sogar schon fürs Fernsehen verfilmt. Der größte sichtbare Ausdruck dieser Unternehmenskultur ist für mich bis heute unser Weihnachtsbraten. Jeder Mitarbeitende hier in Hamburg bekommt zu Weihnachten – je nach Wunsch – eine Pute, einen Lachs oder inzwischen auch eine vegetarische Alternative. Das geht auf Max Herz zurück. Damit wird jedes Jahr aufs Neue sichtbar gemacht, dass zwischen Eigentümerfamilie und Mitarbeitenden eine besondere Verbundenheit besteht. Wir sind wirklich kein Konzern. Entscheidungen werden schnell getroffen – manchmal auch schnell wieder geändert. Genau das macht es spannend. Und ich glaube, genau deshalb arbeiten viele Menschen lieber hier als in einem börsennotierten Konzern, der ganz anderen Mechanismen unterliegt.

Ralf Podszus [00:22:37] Was hat sich bei den Mitarbeitenden am stärksten verändert? Erwartungen? Loyalität? Tempo? Vielleicht auch Konfliktbereitschaft? Ihr habt schließlich einen ziemlich langen Blick auf die vergangenen Jahrzehnte.

Andreas Christmann [00:22:49] Ich glaube, da unterscheidet sich Tchibo gar nicht so sehr von anderen Unternehmen. Die Zeiten haben sich insgesamt stark verändert – insbesondere durch das Internet. Pauschal gesagt gibt es bei vielen Menschen unter 35 heute eine andere Loyalität gegenüber Arbeitgebern als bei Menschen über 40 oder 45. Aber das ist kein Tchibo-Thema. Das ist ein gesellschaftliches Thema. Was mir persönlich so in der Rückschau und in der Vorbereitung auf diese kleine Sendung hier aufgefallen ist: Früher war vieles händischer organisiert. Es gab Listen, Papier und deutlich weniger Prozesse. Heute habe ich einfach viel mehr Themen gleichzeitig auf dem Tisch. Aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ich empfinde das als Bereicherung und finde es spannend. Das ist für mich die größte Veränderung. Und da unterscheidet sich Tchibo, glaube ich, nicht wesentlich von anderen Unternehmen. Wie siehst du das, Karl-Heinz?

Karl-Heinz Landwehr [00:23:51] Das sehe ich genau so. Über die Jahre ist alles deutlich schneller geworden. Je mehr technische Hilfsmittel dazugekommen sind, die eigentlich Arbeit erleichtern sollten, desto mehr Aufgaben und desto mehr Geschwindigkeit kamen gleichzeitig hinzu. Diese Verdichtung spürt man heute deutlich. In der Rechtsabteilung ist das bei uns noch gut beherrschbar. Aber wenn ich Kolleginnen und Kollegen aus Bereichen wie Marketing oder Produktentwicklung berate, sehe ich schon, wie hoch der Druck teilweise geworden ist. Die müssen unglaublich viele Dinge gleichzeitig erledigen. Natürlich kommen sie dann auch zu mir und holen sich Unterstützung. Manchmal muss ich sie allerdings wieder zurück in die Schleife schicken, weil vorher etwas zu schnell gemacht wurde. Das hat sich definitiv verändert. Aber auch das ist kein spezielles Tchibo-Phänomen. Wenn ich mit Freunden oder Familie spreche, die in anderen Unternehmen arbeiten, höre ich ganz ähnliche Geschichten. Der Umgangston ist bei Tchibo vielleicht manchmal etwas angenehmer. Aber grundsätzlich erleben viele Unternehmen dieselben Entwicklungen.

Andreas Christmann [00:24:59] Ich habe noch ein kleines Beispiel. Früher hat man Reisekostenabrechnungen gemacht, indem man alle Belege gesammelt hat. Dann kam man nach Hause, sortierte alles auf dem Küchentisch, füllte Formulare aus und gab die Unterlagen mit Büroklammern an die Buchhaltung weiter. Heute machst du deine Reisekostenabrechnung am Flughafen auf dem Handy und reichst sie direkt ein. Das ist nur ein kleines Beispiel für Dinge, die früher andere für dich erledigt haben. Heute macht man vieles selbst. Man braucht etwas Gewöhnungszeit dafür. Aber ich persönlich finde das wunderbar.

Ralf Podszus [00:25:33] Guter Punkt, Andreas. Ich muss mir meine Spesenabrechnungen noch mal genauer anschauen. Ich bin da nämlich ein echter Schlendrian und vergesse gerne mal etwas. Eigentlich muss man das sofort erledigen. Und genau das hast du ja gesagt: Noch am Flughafen. Das ist wahrscheinlich die beste Lösung. Wer weiß, wie viele Monatsmieten ich noch nachträglich abrechnen könnte. - Jetzt sind wir mittendrin in unserer kleinen           5-Tassen-täglich-Speed-Round. Kurze Fragen, kurze Antworten. Ich starte mit dem Hüter der Gesetzestafeln. Dem Grandseigneur des Rechts. Dem Paragraphen-Patriarchen: Mit Karl-Heinz. Bist du bereit?

Karl-Heinz Landwehr [00:26:05] Ich bin bereit. Und ich bin gespannt, was jetzt kommt.

Ralf Podszus [00:26:09] Lieber klare Kante oder diplomatische Schleife?

Karl-Heinz Landwehr [00:26:12] Klare Kante. Das ist meistens die bessere Ansage.

Ralf Podszus [00:26:15] Konflikte lieber sofort klären oder erst mal eine Nacht darüber schlafen?

Karl-Heinz Landwehr [00:26:21] Eine Nacht darüber schlafen. Ich habe gelernt: Manche Dinge erledigen sich über Nacht ganz gut.

Ralf Podszus [00:26:26] Diese Erkenntnis hast du auch erst mit dem Alter gewonnen, oder?

Karl-Heinz Landwehr [00:26:29] Die tritt immer häufiger zutage. Das hat mit dem Alter nichts zu tun.

Ralf Podszus [00:26:33] Erst Paragraf oder erst Bauchgefühl?

Karl-Heinz Landwehr [00:26:36] Bauchgefühl. Ich muss oft Entscheidungen treffen, die gar nicht direkt im Gesetz stehen. Ob ein Artikel rechtlich machbar ist oder nicht, ergibt sich nicht immer eindeutig aus einem Paragrafen. Da braucht man auch Erfahrung und Bauchgefühl.

Ralf Podszus [00:26:46] Was ist anstrengender: Tempo oder Eitelkeit?

Karl-Heinz Landwehr [00:26:50] Tempo.

Ralf Podszus [00:26:52] Das ist gut. Dann bist du beim Tempo geblieben. - Weiter mit Andreas. Die Speed Round für dich: Homeoffice oder Büroküche?

Andreas Christmann [00:27:00] Beides. Tut mir leid: beides.

Ralf Podszus [00:27:03] Morgens zuerst die Börse oder zuerst die Kaffeetasse?

Andreas Christmann [00:27:06] Nee. Kaffeetasse.

Ralf Podszus [00:27:08] Mehr Respekt vor Wetter, Weltmarkt oder Wettbewerb?

Andreas Christmann [00:27:11] Wettbewerb.

Ralf Podszus [00:27:13] Lieber mutige, schnelle Entscheidungen oder perfekt abgesicherte Entscheidungen?

Andreas Christmann [00:27:17] Ahh… Am Ende lieber mutige und schnelle Entscheidungen.

Ralf Podszus [00:27:21] Aber auch schon mal etwas bereut, wenn zu schnell entschieden wurde?

Andreas Christmann [00:27:24] Na klar. Man kann ja nicht immer alles richtig machen.

Ralf Podszus [00:27:28] Kaffeehandel heute: faszinierender oder härter als früher?

Andreas Christmann [00:27:31] Härter.

Ralf Podszus [00:27:33] So, jetzt seid ihr beide in der Speeround. Jetzt könnt ihr beide mitmachen: Früh anfangen oder abends länger bleiben?

Karl-Heinz Landwehr [00:27:38] Abends länger bleiben.

Andreas Christmann [00:27:39] Ich fange lieber früher an.

Ralf Podszus [00:27:42] Siehste, so bleibt das Licht bei Tchibo von morgens bis nachts an – dank euch beiden.

Karl-Heinz Landwehr [00:27:47] Ganz genau.

Ralf Podszus [00:27:49] War das früher eigentlich auch so? Dass der Chef geschaut hat, ob noch Licht brennt und notiert hat: „Aha, Supermitarbeiter – arbeitet besonders lange?“

 

 

Karl-Heinz Landwehr [00:27:56] Ja, aber nicht bei Tchibo. Ich hatte wirklich nur wenige Chefs in meinem Leben – auch das spricht für eine große Kontinuität hier im Unternehmen. Und die haben immer gesagt: Wenn die Arbeit erledigt ist, dann hast du freie Bahn. Da wurde nie groß gezählt, wann ich komme oder wann ich gehe. Das war immer sehr angenehm.

Andreas Christmann [00:28:12] Bei anderen Arbeitgebern war das schon ein bisschen anders. Gerade im Kaffeehandel arbeitet man ja viel mit Zeitverschiebungen. Wenn man dann um 17 Uhr zum Spanischunterricht gegangen ist, haben manche Chefs schon komisch geguckt.

Ralf Podszus [00:28:25] Obwohl das für den Job sogar hilfreich ist.

Andreas Christmann [00:28:28] Ja, aber du weißt ja, wie Chefs manchmal sind. Die schauen nicht immer auf jedes Detail.

Ralf Podszus [00:28:32] Da hat sich auf jeden Fall viel verändert. - Was haltet ihr als Boomer von der Work-Life-Balance? …Das ist für manche Boomer ja ein Triggerwort.

Karl-Heinz Landwehr [00:28:42] Das ist sicherlich ein Triggerwort. Vielleicht für meinen Chef sogar mehr als für mich. Der findet den Begriff, glaube ich, manchmal nicht ganz so gelungen – meint das aber wahrscheinlich eher scherzhaft. Ich finde, der Begriff wird etwas überstrapaziert. Work-Life-Balance ist ein englisches Schlagwort, unter dem jeder etwas anderes versteht. Eigentlich geht es doch um die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Das klingt auf Deutsch vielleicht etwas sperriger, aber genau darum geht es. Und das ist auch keine Erfindung der Generation Z. Man musste sich immer schon darum kümmern, wie Arbeit und Privatleben zusammenpassen. Jeder muss für sich selbst eine gute Balance finden. Und die bedeutet nicht zwangsläufig „9 to 5“. Manchmal ist es weniger. Manchmal ist es mehr.

Ralf Podszus [00:29:28]
Muss ich mal ganz kurz notieren, Karl-Heinz: Der Jurist antwortet in einer Speed Round natürlich nicht ganz kurz und knackig. …Aber mach ruhig weiter.

Karl-Heinz Landwehr [00:29:36] Ach, sind wir noch in der Speed Round?

Ralf Podszus [00:29:38] Ja. Noch zwei Fragen: Loyalität oder Freiheit?

Andreas Christmann [00:29:44] In meiner Arbeit als Kaffeehändler würde ich Freiheit sagen. Aber loyal zu sein ist ein hohes Gut.

Ralf Podszus [00:29:50] Tee oder Kaffee? Und das ist jetzt keine Fangfrage, Karl-Heinz. Arbeitsrechtliche Konsequenzen musst du nicht befürchten.

Karl-Heinz Landwehr [00:29:55] Nein, das weiß ich. Da drohen keine Konsequenzen. Ganz klar: Kaffee. Obwohl ich über die Jahre nie ein richtiger Kaffeekenner geworden bin. Entweder schmeckt er mir oder nicht. Das ist mein Maßstab. Aber definitiv Kaffee.

Andreas Christmann [00:30:07] Ich würde natürlich auch Kaffee sagen. Wobei Tee ebenfalls ein exzellentes Getränk ist. Vielleicht darf ich noch eine kleine Weisheit ergänzen: Kaffee wird aus einer Frucht hergestellt. Tee wird aus Blättern hergestellt. Das sagt doch eigentlich alles.

Ralf Podszus [00:30:22] Das ist die Betonung, wie du das gesagt hast: „Böh! Blätter!“ Gut betont. Guter Audiomann. - Karl-Heinz, du stehst für Haltung und Gerechtigkeit und engagierst dich auch offen für die Rechte der queeren Community. Du hast vorhin ja schon erzählt, dass du dich damals geoutet hast. Das war zu der Zeit nicht immer einfach. Es gab andere gesellschaftliche Vorstellungen und auch andere rechtliche Rahmenbedingungen. Wenn du jungen Kolleginnen und Kollegen einen Rat geben müsstest: Wann sollte man kämpfen? Und wann sollte man loslassen? Oder gibt es vielleicht auch etwas dazwischen?

Karl-Heinz Landwehr [00:30:57] Das sind jetzt sehr viele Vorschusslorbeeren. Ich bin gar nicht der große Kämpfer, als den du mich gerade darstellst. Ich bin einfach ein ganz normaler schwuler Mann. Natürlich mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl. Das haben viele Juristen. Und wenn ich Ungerechtigkeit sehe, dann versuche ich schon, etwas dagegen zu tun. Aber ich halte es auch ein wenig mit Don Quijote. Der Kampf gegen Windmühlen kann irgendwann so viel Kraft kosten, dass man seine eigene Lebensfreude dabei verliert. Deshalb ist Unterstützung im Kleinen manchmal wichtiger als der große Kampf im Rampenlicht. Bei Tchibo hatte ich mit meinem Schwulsein übrigens nie Probleme. Die meisten wussten das irgendwann, obwohl ich damit nie hausieren gegangen bin. Und dieses große Outing mit Tamtam und Trara war ohnehin nie mein Stil. Vielleicht schreckt genau das auch manche Menschen ab. Mein Rat wäre deshalb: Geht möglichst normal damit um. Heterosexuelle Menschen sagen ja auch nicht ständig: „Hallo, ich bin hetero.“ Also muss ich das eigentlich auch nicht ständig sagen. Es gab ein paar Situationen, in denen man gemerkt hat, dass das Thema für manche vielleicht noch ungewohnt war. Aber das ließ sich immer gut klären. Tchibo hat in dieser Hinsicht auch Größe gezeigt. Bei vielen Veranstaltungen hing die Regenbogenflagge sichtbar am Gebäude. Heute gibt es dazu unterschiedliche Meinungen bei Tchibo. Und das ist auch völlig in Ordnung. Denn manchmal ist stille Unterstützung wirkungsvoller als der große heorische Kampf. Manchmal ist die stille Unterstützung, dass Stille tätig werden, besser als dieser heroische Kampf, von dem du da eben berichtet hast, dass ich ihn führen würde. Das kann ich mir nicht anheften und will ich auch gar nicht tun. 

Ralf Podszus [00:32:44] Wenn ihr beide auf eure Jahre bei Tchibo zurückblickt: Was hat euch persönlich am meisten geprägt?

Andreas Christmann [00:32:49] Am meisten geprägt haben mich wahrscheinlich die Ursprungsreisen. Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich mich in Guatemala, Indien oder Vietnam immer mit offenen Augen bewegt. Diese Erfahrungen haben mich stark geprägt. Ich habe vieles davon mit nach Hamburg gebracht und versucht, bestimmte Dinge hier bei Tchibo voranzutreiben. Zum Beispiel Produkte von Kleinbauern oder andere nachhaltige Ansätze. Und das Zweite, was mich geprägt hat: Ich durfte hier sehr viel machen. Ich hatte wenige Einschränkungen und wenig Limits. Das hat sich einfach so entwickelt. Vielleicht habe ich selbst ein bisschen dazu beigetragen, dass man mich machen ließ. Dafür bin ich sehr dankbar, dass man hier viel machen konnte und auch noch machen kann.

Karl-Heinz Landwehr [00:33:36] Das kann ich von meiner Seite aus nur unterstützen. Vielleicht liegt das, Andreas, aber auch daran, dass wir beide in sehr speziellen Bereichen gearbeitet haben. In der Rechtsabteilung brauchst du eine besondere Ausbildung. Die haben viele andere im Unternehmen nicht. Deshalb schauen manche Kolleginnen und Kollegen mit einem gewissen Respekt auf Juristen. Und sie glauben einem häufig auch, weil wir unsere Argumente natürlich entsprechend präsentieren. Dadurch haben wir vielleicht eine etwas andere Stellung als beispielsweise das Marketing. Zum Marketing hat schließlich jeder eine Meinung. Jeder glaubt zu wissen, was gutes Marketing ist und was nicht. Das führt wahrscheinlich dazu, dass wir gewisse Freiheiten hatten. Und diese Freiheiten haben uns geprägt. Wir konnten sie nutzen, um Dinge bei Tchibo voranzubringen. Mit den vielen Kolleginnen und Kollegen, die ich über die Jahre hatte, waren wir in der Rechtsabteilung oft so etwas wie ein Ruhepol im Unternehmen. Wenn Streitigkeiten entstanden oder Klagen kamen, konnten wir die Situation häufig schnell einordnen und dann gemeinsam lösen.

Ralf Podszus [00:34:34] Ist eine lange Zugehörigkeit zu einem Unternehmen heute noch ein Wert? Oder wird sie vielleicht sogar unterschätzt?

 

 

Karl-Heinz Landwehr [00:34:40] Für mich ist das ein hoher Wert. Dadurch konnte ich über viele Jahre kontinuierlich für Tchibo arbeiten. Herr Herz sagt oft „mein Tchibo“ – und inzwischen sage ich das fast auch. Es war mein Tchibo. Und ich bedauere wirklich, dass ich es verlassen muss. Ich glaube allerdings, dass dieser Wert heute in vielen Bereichen der Wirtschaft nicht mehr die gleiche Bedeutung hat. Wenn man heute eine Bewerbung schreibt und darin steht, dass man zehn Jahre im Ausland war, fünf verschiedene Abteilungen durchlaufen hat und bei sieben Arbeitgebern gearbeitet hat, dann landet diese Bewerbung vermutlich weiter oben auf dem Stapel als die eines Menschen, der jahrzehntelang in einem Unternehmen geblieben ist. Das ist zumindest meine Vermutung.

Ralf Podszus [00:35:27] Und wenn man noch dazuschreibt: „Ich bin sehr biliig“, dann wird man sofort genommen.

Andreas Christmann [00:35:32] Ich empfinde lange Zugehörigkeit auch als wertvoll. Allerdings würde ich niemandem empfehlen, sein ganzes Berufsleben ausschließlich bei einem einzigen Unternehmen zu verbringen. Wenn man sich – wie ich – für ein Spezialgebiet entschieden hat, in meinem Fall Kaffee, dann ist es hilfreich, auch einmal die Produzentenseite kennenzulernen, die Herstellerseite oder die Händlerseite. Dadurch versteht man die Zusammenhänge viel besser. Das war für mich persönlich wahrscheinlich die größte Bereicherung – und vielleicht auch ein Teil meines Erfolgs.

Ralf Podszus [00:36:06] Was habt ihr jetzt vor? Der nahende Ruhestand… Karl-Heinz, ich habe gehört, du hast schon 70 Kreuzfahrten hinter dir. Und nun stehen auch schon die nächsten an. Du planst die da alle sehr akribisch durch. Wo schipperst du da überall hin? - Und wie nachhaltig sind diese Reisen überhaupt…? Ich muss da mal mit der juristischen Abteilung sprechen. Karl-Heinz…

Karl-Heinz Landwehr [00:36:25]
(lacht). Ja, klar. Das Thema Kreuzfahrten hat mich tatsächlich nie losgelassen. Ja, ungefähr 70 sind es inzwischen. Die nächsten Reisen gehen überwiegend Richtung Norden. Mein Mann und ich gehören nicht zu den Menschen, die unbedingt in der Karibik oder im Mittelmeer unterwegs sein müssen. Uns interessieren eher die Färöer-Inseln, Island und Grönland. Wenn du auf dem Deck sitzt, Eisberge vorbeiziehen siehst und anschließend in die Sauna gehst, während draußen immer noch die Eislandschaft vorbeigleitet, dann ist das für mich pure Erholung. Außerdem brauche ich inzwischen gar nicht mehr die großen Schiffe. Früher waren die größer. Mit zunehmendem Alter werden die Schiffe bei mir eher kleiner. Die nächste Reise findet auf einem umgebauten Fischtrawler statt. Zwölf Passagiere. Mehr nicht. Es geht zu den schottischen Hebriden. Man sieht also: Alles wird ein bisschen schrulliger, ein bisschen kleiner und vielleicht auch ein bisschen aufregender. Ich habe keine Ahnung, wie es wird, mit zwölf Menschen eine Woche lang auf einem ehemaligen Fischtrawler unterwegs zu sein. Ansonsten plane ich keinen Ruhestand, sondern eher einen Unruhestand. Reisen gehören dazu. Aber ich möchte mich auch sozial engagieren. Mein erstes Projekt wird vermutlich beim Arbeiter-Samariter-Bund stattfinden. Dort gibt es eine Initiative namens „Glücksschreiber“. Ältere Menschen erzählen ihre Lebensgeschichte. Und die wird gemeinsam mit ihnen aufgeschrieben. Ich habe mich dort angemeldet. Dann sitze ich gewissermaßen einmal auf deiner Seite des Tisches, höre zu, stelle Fragen und helfe dabei, diese Geschichten festzuhalten. Nicht für YouTube, Fernsehen oder Hollywood. Sondern einfach für die Menschen selbst. Das finde ich sehr schön. Und ich hoffe natürlich auf viele spannende Geschichten. Außerdem möchte ich mich intensiver um meinen YouTube-Kanal kümmern. Dort berichte ich über Hamburg. Wenn ich beispielsweise in der Elbphilharmonie war oder irgendwo in der Stadt etwas Spannendes passiert, dann mache ich kleine Beiträge darüber. Video-Schnitt ist inzwischen ein großes Hobby von mir geworden. Alle sind herzlich eingeladen, vorbeizuschauen. Ich mache das aus Spaß. Aber wenn jemand zusieht, freut man sich natürlich trotzdem. Likes und Klicks haben schon eine gewisse Wirkung – das muss ich zugeben.

Ralf Podszus [00:38:53] Ein bisschen angefixt also. Und Andreas: Wann startet deine nächste Schiffstour? Hamburg–New York mit Captain Warner auf der Queen Mary 2?

Andreas Christmann [00:39:03]
Ich tick´da komplett anders. Kreuzfahrten wären vermutlich das Allerletzte, was ich in meinem Leben machen würde. Mit 70 Kreuzfahrten kann ich also nicht aufwarten. Aber vielleicht mit 70 Reisen in Kaffee-Ursprungsländer. Und die meisten davon waren beruflich. Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Wissen auch nach Tchibo noch gebraucht wird. Vielleicht von kleineren Kooperativen in Honduras. Oder von kleineren Röstereien in Berlin. Wenn ich irgendwo einen Beitrag leisten kann, damit Menschen ihr Geschäft erfolgreicher und sicherer führen können, dann würde mich das sehr freuen. Und ansonsten bin ich mit Karl-Heinz durchaus auf einer Welle: Ohne Reisen wird es nicht gehen. Meine Frau und ich reisen allerdings eher zu Fuß als mit dem Schiff. Und wir werden mit Sicherheit noch einige schöne Ziele entdecken. In schönen, warmen Gefilden, Karl-Heinz. Die Sonne muss mir auf den Rücken brutzeln, dann bin ich glücklich

Karl-Heinz Landwehr [00:40:03] Du, Andreas, ich habe ja nichts gegen warme Gefilde. Ich war auch schon in der Karibik. Das ist ebenfalls großartig. Und gerade Costa Rica hat mir sehr gut gefallen. Ich weiß nicht, ob du dort schon warst und ob Kaffee dort eine Rolle spielt. Aber ich habe gerade aufmerksam zugehört: Wenn du irgendwann bei irgendwelchen Kooperativen juristische Unterstützung brauchst, komme ich gerne mit.

Andreas Christmann [00:40:23] Vielen Dank für den Hinweis. Gute Idee.

Ralf Podszus [00:40:26] Jetzt könnt ihr Tchibo noch was mitgeben, so als Abschiedsgruß und vielleicht auch Auftrag zugleich. So ein ehrlicher Abschiedgruß. Was sagt ihr? 

Andreas Christmann [00:40:37] Für mich ist das Wichtigste, dass die Marke Tchibo langfristig Spuren hinterlässt. Bei den Kundinnen und Kunden. Und natürlich beim Kaffee.

Karl-Heinz Landwehr [00:40:46] Was ich Tchibo gerne mitgeben würde – und da bin ich vielleicht ein bisschen eigensinnig: Für mich konzentriert sich Tchibo im Non-Food-Bereich zu stark auf die Zielgruppe Frauen. Die Käuferschicht der Männer lassen wir teilweise links liegen. Es gibt im Jahr zwei oder drei Phasen, in denen dort eine Menge Potenzial liegt. Das müsste man eigentlich nur einmal konsequent abholen. Kaffee trinken zwar alle, und häufig wird er auch von Frauen eingekauft. Aber macht doch bitte wieder mehr für die Männer.

Ralf Podszus [00:41:13] Also ich notiere mal mal eben hier, mehr Pyjamas für Karl Heinz.

Karl-Heinz Landwehr [00:41:18] Nein! Ich meine doch keine Pyjamas und auch keine Hausschuhe. Ich meine interessante Produkte. Einen schönen Werkzeugkoffer zum Beispiel. Oder diese herrlich verrückten Produkte, die Tchibo früher manchmal hatte. Wir hatten doch einmal einen Bananenschneider. Völlig verrückt. Braucht eigentlich kein Mensch. Und unter Umweltgesichtspunkten kann man darüber sicherlich diskutieren – genauso wie über manche Kreuzfahrt. Aber du stehst davor und denkst: „Das habe ich ja noch nie gesehen!“ Genau diese Emotionen liebe ich.

Ralf Podszus [00:41:42] Es gab auch mal eine Tubendose für Bananen…

Karl-Heinz Landwehr [00:41:44] Genau! Oder Produkte, bei denen man sich fragt: „Moment mal – passt das überhaupt da hinein?“ Wir hatten, glaube ich, sogar einmal gebogene Dosen. Da müsste ich allerdings in meinem Archiv nachsehen. Aber genau solche Produkte laden die Marke mit Emotionen auf. Das wäre mein Wunsch. Und dass ich hoffentlich auch noch in 20 Jahren vor einem Tchibo-Shop stehen kann und denke: „Tchibo gibt es immer noch. Und ich habe dort mit Freude gearbeitet.“ Das wäre schön.

Andreas Christmann [00:42:14] Dann möchte ich daran direkt anknüpfen, Karl-Heinz. Wir beide sind offenbar Team Bananenschneider. Mein Wunsch liegt vielleicht etwas näher am Kerngeschäft. Ich würde mir ein Tchibo 2.0 wünschen. Ein Kaffee-Konzept, das sich vollständig auf Kaffee konzentriert. Mit Spezialitätenkaffee. Das wäre für mich ein kleiner Traum. Ich glaube, dass Tchibo das kann. Und ich glaube, dass es die Marke hervorragend ergänzen würde. Vor allem für die jüngere Generation. Und an die müssen wir ganz mächtig denken.

Karl-Heinz Landwehr [00:42:49] Und für uns beide auch, wenn wir als Rentner dann in diesem Tchibo-Kaffeeshop sitzen und uns schön einen von dir erklärten Kaffee genehmigen sozusagen, schöne Vorstellung.

Ralf Podszus [00:42:59] Das sind doch schöne Wünsche. Ihr denkt vor allem an die jungen Menschen - sagen die beiden Älteren, bei denen jetzt der Berufsstand demnächst vorbei ist. Ja, vielen Dank für eure ganzen offenen Worte und den Einblick auch, den wir auf all eure Jahrzehnte Berufsleben bekommen haben. Ich wünsche euch viele fröhliche Stunden mit Bananenschneider auf hoher See oder mit heißer Costa-Rica-Sonne nicht nur auf dem Rücken, sondern rundherum. Und ich weiß nicht, ob es auch schon aufgefallen ist, aber ich sehe ganz oft immer alte Männer, die relativ planlos immer Ewigkeiten in so ein Schaufenster reingucken. Ich habe mich immer schon gefragt, was machen die? Also, Sprichwort „Schaufenstern gucken“: klärt mich dann mal irgendwann auf, wenn ihr euch dabei ertappt, dass ihr auch ewig vor so einem Schaufenster steht. Und vielleicht ist es auch einfach so ein Entschleunigen, oder ich weiß es noch nicht, aber irgendwann ist man in dem Alter, wo man das als Mann vielleicht dann maacht. Schön, dass ihr dabei wart. Vielen Dank Karl Heinz und Andreas für die wunderbare Boomer-Folge. Ich bin Ralf Podszus und hab zwar noch hoffentlich viele freudvolle Arbeitsjahre auf der Uhr, freue mich jedoch für euch auf eine großartige freie Zeit demnächst. Danke Karl Heinz und Andreas für die wunderbare Boomer-Folge. Ich bin Ralf Podszus und ich habe hoffentlich noch viele freudvolle Arbeitsjahre auf der Uhr, freue mich jedoch für euch auf eine großartige freie Zeit demnächst. Danke Karl Heinz und Andreas.

Karl-Heinz Landwehr [00:44:09] Danke schön, Ralf.

Andreas Christmann [00:44:10] Vielen Dank.

Ralf Podszus [00:44:12] Wenn euch der Podcast gefällt, dann lasst gerne ein Like da, abonniert ihn und hört auch in die anderen Folgen rein. Ihr findet uns überall, wo es Podcasts gibt – zum Beispiel bei Podimo, RTL+ und Spotify. Bis zur nächsten Tasse Kaffee.

Station Voice [00:44:26]
5 Tassen täglich – der Tchibo Podcast. Ihr habt Fragen oder Anregungen zu dieser Podcast-Folge? Wir freuen uns auf eure E-Mail an podcast@tchibo.de.

 

 

 

Q&A

1. Was bleibt, wenn ein ganzes Arbeitsleben bei Tchibo zu Ende geht?

Die Folge blickt auf zwei lange Berufswege zurück – und auf die Frage, was Menschen nach mehr als drei Jahrzehnten im Unternehmen mitnehmen: persönlich, beruflich und mit Blick auf Tchibo.

2. Wie hat sich Tchibo in dieser Zeit verändert?

Die Folge zeigt, wie stark sich Arbeit und Unternehmen gewandelt haben – von elektrischer Schreibmaschine und Papierformularen bis zu digitalen Tools, KI und global vernetzter Zusammenarbeit.

3. Welche Rolle spielen Werte wie Loyalität und Unternehmergeist?

Es geht um die Frage, warum Menschen einem Unternehmen so lange treu bleiben, was ein Familienunternehmen besonders macht und ob lange Zugehörigkeit heute noch als Stärke gilt.

4. Warum ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema?

Vor allem Andreas Christmann spricht darüber, wie prägend die Arbeit in den Kaffee-Ursprungsländern war – und warum Nachhaltigkeit bei Tchibo über die Jahre zu einem echten Kernthema geworden ist.

5. Was nehmen Karl-Heinz und Andreas mit – und was wünschen sie Tchibo für die Zukunft?

Zum Schluss geht es um persönliche Rückblicke, um Abschied, um Pläne für den Unruhestand und um die Frage, was beide Tchibo mit auf den Weg geben möchten.