Vom Krisenfall zum Kerngeschäft: 20 Jahre Nachhaltigkeit

Hamburg,

  • 2006: Krise.
  • 2026: Nachhaltigkeit als Standard.
  • 20 Jahre Fortschritt und Rückschläge.
  • Achim Lohrie, Nachhaltigkeitsmanager der ersten Stunde, und Pablo von Waldenfels, Direktor Unternehmensverantwortung, über Kampagnen, Nachhaltigkeit als Verkaufsanreiz oder Hemmschuh und Zukunftssicherung.

Der Anlass war kein freudiger. 2005 geriet Tchibo wegen Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in die Schlagzeilen: Die Kampagne für Saubere Kleidung prangerte Menschenrechtsverletzungen in Fabriken an, in denen auch Tchibo produzieren ließ. Damit fiel 2006 der Startschuss: das Hamburger Familienunternehmen beschloss, Nachhaltigkeit grundlegend neu aufzustellen und in seine Geschäftstätigkeit zu integrieren.

In der neuen Folge des Tchibo Podcasts „5 Tassen täglich" blicken zwei Menschen zurück und nach vorn, die diese Entwicklung maßgeblich geprägt haben: Achim Lohrie, der 2006 zu Tchibo kam und den Bereich Unternehmensverantwortung aufbaute und bis 2019 führte, sowie Pablo von Waldenfels, seit 2022 Direktor Unternehmensverantwortung. Im Gespräch mit Moderatorin Katja Weber ziehen sie Zwischenbilanz.

Ihr habt ein Problem, kann ich helfen?

Lohrie erinnert sich, wie er 2006 als selbstständiger Berater und ehemaliger Otto Manager die Berichterstattung über Tchibo verfolgte: „Ich habe fassungslos vor dem Fernseher gesessen und gesehen, wie Tchibo niedergemacht wurde. Als jung dynamischer Unternehmer habe ich dann einfach bei Tchibo angerufen und gesagt: Ich glaube, ihr habt ein Problem. Kann ich euch helfen?"

Somit stand 2006 zunächst die Krisenkommunikation im Fokus. Und: „Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken“. Später folgte der Aufbau einer Strategie, im Austausch mit den Aktivistinnen der Kampagne für Saubere Kleidung und mit Greenpeace, beide NGOs hatten Tchibo ins öffentliche Rampenlicht gezerrt. Von Waldenfels setzt bis heute auf den Austausch: „Eine der Stärken des Tchibo Ansatzes ist es, nicht immer alles allein machen zu wollen, sondern in den Dialog zu gehen, die Tür zu öffnen, und im Gespräch zu bleiben."

Von der Kampagne zum Standard

WE Menschenrechtsprogramm in Non-Food-Fabriken, Klimamanagement, Detox-Zusage 2014, Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2016: Die Podcastfolge zeichnet zentrale Stationen nach. Für von Waldenfels hat sich dabei vor allem die Rolle des Themas verändert: „Nachhaltigkeit ist von der Kampagne zum Standard geworden.“ Was einst von außen an das Unternehmen herangetragen wurde, sei heute Teil der Kernprozesse. Im Kaffee setzt Tchibo mit Coffee2Stay auf ein datenbasiertes Programm, das gemeinsam mit Kaffeefarmerinnen und -farmern vor Ort Verbesserungen erarbeitet. Bei der Frage, was Menschen in den Lieferketten am meisten hilft, ist von Waldenfels deutlich: „Auskömmliche Einkommen sind der wichtigste Faktor."

Was Kundinnen und Kunden zahlen – und was nicht

Lohrie und von Waldenfels räumen mit Erwartungen auf, die Nachhaltigkeit einst begleiteten. Achim Lohrie: „Verlasst euch nicht darauf, dass wir auch nur einen müden Cent mit nachhaltigen Produkten mehr verdienen."
Von Waldenfels: „Da wurden, glaube ich, auch zum Teil Luftschlösser gebaut; mit der Vorstellung, dass künftig alle nur noch nachhaltig einkaufen und auch bereit sind, dafür mehr zu bezahlen. Das war, glaube ich, nie richtig." Warum das Thema trotzdem zählt, erklärt er so: „Lebensmittel sind Vertrauensgüter. Die Menschen wollen wissen: Ich kaufe bei einem vernünftigen Unternehmen ein." Und Lohrie, der sich als „Kaufmann und keine NGO" beschreibt, dreht die Frage um: Nicht, ob sich ein Unternehmen Nachhaltigkeit leisten könne, sei entscheidend, sondern ob Unternehmen es sich noch leisten könnten, nicht zu investieren. „Sie sind dann halt irgendwann weg vom Markt."

Offen über Rückschläge

In 20 Jahren nachhaltiger Geschäftstätigkeit gab (und gibt) es auch Rückschläge. Eine Herausforderung ist laut Pablo von Waldenfels, verlässliche Projektpartner in den Ursprungsländern zu finden, die beim Kaffeeprogramm das gewünschte Tempo mitgehen können.

Auch bei existenzsichernden Löhnen und Einkommen kommt die Branche nach Einschätzung von Achim Lohrie nicht schnell genug voran, sowohl in den Fabriken als auch im Kaffeeanbau. „So viele Programme haben wir hier schon im Stakeholder-Netzwerk ausprobiert. Und immer noch diskutieren wir.“

Blick auf 2036

Für die nächsten zehn Jahre nennt von Waldenfels zwei Schwerpunkte: die Zukunftssicherung des Kaffeeanbaus, damit „man wirklich Veränderungen sieht in den Regionen, in denen wir und andere arbeiten“. Genauso wichtig sei, dass zirkuläre Produkte und Dienstleistungen im Kernportfolio endlich sichtbar würden. „Ich denke, zirkuläre Geschäftsmodelle wie recycelbare ‚textile to textile‘- Lösungen sind am Ende des Tages die Zukunft." Lohrie wünscht sich zum Abschluss einen prominenten Preis: „In zehn Jahren fände ich es toll, wenn Tchibo den Deutschen Umweltpreis gewonnen hätte."

Take-aways

„Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus 20 Jahren Nachhaltigkeit ist: Ausprobieren. Machen. Nicht auf die perfekte Lösung warten. Zur Not das Thema wieder einkassieren. Niemals stehen bleiben.“ Pablo von Waldenfels

„Wenn man glaubt, dass etwas nicht geht, wird man in der Regel eines Besseren belehrt. Wenn die notwendige Kraft und Energie dahinterliegen. Und zwar zusammen mit anderen, nicht allein.“ Achim Lohrie

  • Die Folge #150 von „5 Tassen täglich“: „Vom Krisenfall zum Kerngeschäft: 20 Jahre Nachhaltigkeit bei Tchibo“ finden Sie auf allen gängigen Podcast-Plattformen und hier.
  • Weitere Informationen zum 20-jährigen Jubiläum finden Sie hier.

Weitere Informationen bei Medienanfragen:

Sandra Coy, Sprecherin Unternehmensverantwortung & Qualität
Telefon: +49 40 6387-2818
E-Mail: sandra.coy@tchibo.de


Über Tchibo:
Tchibo steht für ein einzigartiges Geschäftsmodell. Über sein Multichannel-Vertriebssystem bietet Tchibo neben Kaffee und den Einzelportionssystemen Cafissimo und Qbo die wöchentlich wechselnden Non Food-Sortimente und Dienstleistungen an. In acht Ländern betreibt Tchibo rund 860 Filialen und lokale Online-Shops. Deutschlandweit ist Tchibo zusätzlich in rund 15.500 Depots im Fach- und Lebensmittelhandel vertreten, in rund 8.000 davon werden auch Gebrauchsartikel angeboten. Das 1949 in Hamburg gegründete Familienunternehmen erzielte 2025 mit international 10.767 Mitarbeitenden 3,72 Milliarden Euro Umsatz. Tchibo ist Röstkaffee-Marktführer in Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn und gehört zu den führenden E-Commerce-Firmen in Europa. Für seine nachhaltige Geschäftspolitik wurde Tchibo national und international mehrfach ausgezeichnet.