Materialien
Wie geht Tchibo bei der Umstellung auf ein nachhaltigeres Produktsortiment vor?
Bei der Produktentwicklung berücksichtigen wir – soweit für die jeweilige Produktgruppe relevant – Kriterien wie Qualität, Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Neben dem Material und der Verarbeitung zählen auch Aspekte wie Reparierfähigkeit und zeitloses Design eine Rolle (Mehr dazu: Kreislaufwirtschaft). Bei der Materialauswahl setzen wir auf anerkannte externe Zertifizierungsstandards, deren jeweilige Eigenschaften und zugrunde liegende Nachweise in den Produktinformationen erläutert werden.
Bei vielen Produkten ist das richtige Material der Schlüssel zum Erfolg. Unsere internen Nachhaltigkeitsrichtlinien für das Produktdesign geben Klarheit darüber, welche Materialien erlaubt sind und welche nicht, welche Quellen wir nutzen und welche nicht, welche Nachhaltigkeitsanforderungen wir erreichen und welche neuen Standards und Materialien wir entwickeln wollen. Diese Richtlinien basieren auf einem immer größer werdenden Wissen über Anbaumethoden, Lieferketten, Löhne und Arbeitsbedingungen. Sie sind kein starres Regelwerk, sondern leben von der Weiterentwicklung. So entwickeln wir die Anforderungen an Materialien und Produktdesign schrittweise weiter - auch unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens im Wettbewerbsumfeld.
Vorgehen zur Umstellung auf nachhaltigere Materialien:
- Bei der Umstellung auf ein nachhaltigeres Produktsortiment konzentrieren wir uns zunächst auf die Hauptbestandteile unserer Produkte.
- Im zweiten Schritt betrachten wir die weiteren Mischmaterialien im Produkt.
- Und in einem dritten Schritt schauen wir uns die zusätzlichen Bestandteile, wie Knöpfe und Co., an.
Baumwolle
Baumwolle ist im konventionellen Anbau sehr ressourcenintensiv und findet in der Regel unter Verwendung synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel statt. Deswegen haben wir uns vor mehr als 14 Jahren dazu entschieden, auf nachhaltigere Baumwolle umzustellen. Nachhaltige Baumwolle bedeutet, dass wir den Baumwollanbau im Einklang mit Mensch und Natur fördern und uns für einen sozial- und umweltverträglich Anbau einsetzen. Eine transparente Lieferkette vom Ursprung bis in unsere Textilprodukte ist uns dabei besonders wichtig. Dafür setzen wir auf zertifizierte Partner sowie anerkannte Initiativen und Zertifizierungsstandards, halten hohe Standards ein und fördern eigene Projekte zur Unterstützung von Kleinbäuerinnen & -bauern. Hierfür arbeiten wir mit den Zertifizierungsstandards Organic Content Standard (OCS) und dem Global Organic Textile Standard (GOTS). Ergänzend arbeiten wir seit 2007 auch mit der Initiative Cotton made in Africa (CmiA) der Stiftung Aid by Trade zusammen.
Darüber hinaus unterstützen wir Projekte mit Maßnahmen zu ausgewählten Umwelt- und Sozialthemen im Baumwollanbau, auch direkt auf Farmebene. Die Baumwolle aus diesen Projekten soll zukünftig in unsere Lieferketten und Produkte fließen. Durch den Einsatz der Baumwolle aus „Cotton in Conversion“-Projekten (übersetzt etwa „Übergangsbaumwolle“) fördern wir die Umstellung von konventionellem zu nachhaltigerem Anbau, indem wir Anreize für eine Umstellung schaffen, die Farmer*innen in diesem Prozess unterstützen und ihre finanziellen Risiken senken. Die Umstellung von konventionellem auf einen nachhaltigeren Baumwollanbau dauert bis zu 3 Jahre.
FARMPROJEKTE:
Chetna, Indien | 2020 - 2023
Das Projekt mit der indischen Kooperative Chetna unterstützt ostindische Farmer*innen beim Anbau von nachhaltiger Baumwolle. Die Baumwolle aus diesem Projekt wurde beispielsweise in unserer NAH/STUDIO Kollektion verwendet.
Das Ziel des Projektes war es, ökologisch verantwortungsvolle Anbaumethoden im Baumwollsektor zu erreichen und die Arbeits- und Lebensbedingungen von kleinen und mittelständigen Baumwollproduzenten zu verbessern. Konkret erfolgt die Unterstützung durch:
- Zahlung eines Mindestpreises für die angebaute Baumwolle
- Zugang zu kostenlosem (Bio-)Saatgut
- Finanzielle Aufschläge für nachhaltigen Anbau
- Förderung von Frauen in Projektregionen
- Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte
- Zugang zu kostenlosen Trainings
Pratibha, Indien | 2022 - 2025
Seit 2022 läuft das Folgeprojekt mit unserem Lieferanten Pratibha in der Region Rajasthan. Dies ist das Folgeprojekt von unserem Chetna-Pilotprojekt.
In 2025 hatten wir daraus bereits die ersten Teile im Verkauf, die Baumwolle aus dem Pratibha-Projekt enthielten. Weitere Produkte folgten in 2026.
Seit 2023 setzen wir auf 100% nachhaltige bzw verantwortlich erzeugte Baumwolle bei unseren Textilien. Darüber berichten wir im Rahmen unserer Kennzahlen:
Certified by Control Union CU 809415
Produkte, die nach den Standards OCS 100 und OCS Blended von Textile Exchange zertifiziert sind, enthalten kontrolliert biologisch angebaute Baumwolle, die in jedem Schritt der Lieferkette unabhängig überprüft wurde – vom Anbau bis zum Endprodukt. Der Anbau ökologisch zertifizierter Baumwolle geht einher mit Maßnahmen zur Erhaltung der Ökosysteme.
Unsere nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifizierte Kleidung enthält mindestens 70% Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau. Während der gesamten textilen Produktionskette wird außerdem auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialkriterien geachtet.
Durch die Zusammenarbeit mit Cotton made in Africa® unterstützen wir Kleinbäuer*innen in Afrika sowie Maßnahmen zur Förderung verbesserter landwirtschaftlicher Praktiken im Baumwollanbau.
Synthetische Fasern
Für unsere Sporttextilien verwenden wir vorrangig synthetische Materialien, da sie u.a. eine gute Atmungsaktivität bieten. Seit 2018 setzen wir auch recycelte Fasern ein. Gestartet sind wir mit Nylon aus alten Fischernetzen und Polyester aus PET-Flaschen. Langfristig wollen wir auch vermehrt Textilabfällen nutzen und die Verwendung von T2T-Polyester („Textile-to-Textile“) innerhalb unseres Sortiments ausweiten.
Zellulosebasierte Chemiefasern
Nach wie vor gehören Viskose, Modal und Lyocell zu den wichtigsten Textilmaterialien in unserem Sortiment. Doch auch hier gilt: Der nachwachsende Ursprung macht sie nicht automatisch nachhaltig. Daher setzen wir auf zellulosebasierte Chemiefasern aus nachhaltigeren Quellen. Die Fasern stammen mindestens aus FSC® oder PEFC® zertifizierter Forstwirtschaft.
Tierische Fasern und Materialien
Tierwohl ist eine wesentliche Komponente unseres Nachhaltigkeitsengagements. Unser Ziel ist es, nur dann Materialien tierischen Ursprungs für unsere Tchibo Produkte einzusetzen, wenn die Tiere während Haltung, Schur, Transport oder Schlachtung artgemäß gehalten werden. Gleichzeitig arbeiten wir daran, alternative Materialien ohne tierischen Ursprung zu nutzen und deren Einsatz zu fördern.
Um das Tierwohl und die Umwelt für unsere Materialien aus tierischem Ursprung zu schützen, arbeiten wir mit anerkannten Standards, die von unabhängigen Dritten überprüft werden: DOWNPASS Standard, Responsible Wool Standard (RWS). Seit 2021 setzen wir außerdem The Good Cashmere Standard von der Stiftung Aid by Trade für unsere Sortimente ein.
Seit 2025 sind 100% unserer Woll- und Kaschmirprodukte nach diesen Standards zertifiziert. Für unsere Heimtextilsortimente nutzen wir ausschließlich Federn und Daunen, die mit dem DOWNPASS Standard oder dem Responsible Down Standard (RDS) zertifiziert oder recycelt sind. Seit 2024 schließen wir den Einsatz von Federn und Daunen für unsere neu auf dem Markt gebrachten Bekleidungsprodukte aus.
Der Responsible Wool Standard (RWS) prüft die Anforderungen an das Wohlergehen der Tiere und die Landbewirtschaftung von Wolle und verfolgt den Weg vom Betrieb bis zum Endprodukt. Certified by CU 809415
The Good Cashmere Standard: Durch die Zusammenarbeit mit The Good Cashmere Standard® leisten wir einen wertvollen Beitrag sowohl zum Tierschutz als auch zu besseren Arbeitsbedingungen für Ziegenhirten und angestellte Landarbeiter, wobei Umwelt- und Sozialkriterien berücksichtigt werden.
Der Responsible Down Standard (RDS) zertifiziert Daunen und Federn nach Tierschutzanforderungen und verfolgt den Weg vom Bauernhof bis zum Endprodukt. Certified by CU 809415
Holz und Papier
Die FSC®-Standards für verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung, die durch einen ausgewogenen, demokratischen Prozess entwickelt wurden, unterstützen Ökosysteme und helfen, die Rechte von Arbeitern sowie von waldabhängigen Gemeinschaften zu schützen.
Das 100%-Kennzeichen steht für Produkte, deren Material vollständig aus FSC® -zertifizierten Wäldern stammt.
Bei der Produktion von FSC® Mix zertifizierten Produkten wurden sowohl Materialien aus FSC® -zertifizierten Wäldern und/oder Recyclingmaterial als auch Material aus kontrollierten Quellen verwendet. Der Anteil von FSC® –zertifiziertem oder recyceltem/wiedergewonnenen Material muss dabei mindestens 70% betragen.
Das FSC® Recycled-Kennzeichen steht für Produkte, die ausschließlich Recyclingmaterial und kein Primärmaterial beinhalten.
FSC®-certified (FSC® C022597)
Der Anteil Holz und Papier aus nachhaltigen Quellen (FSC®) stieg in den letzten Jahren kontinuierlich. Darüber berichten wir im Rahmen unserer Kennzahlen:
Kunststoff
Kunststoff kann je nach Produktfunktion, Materialzusammensetzung, Nutzungsdauer und Entsorgungsweg unterschiedliche ökologische Eigenschaften haben. Bei der Materialauswahl berücksichtigen wir deshalb unter anderem den Einsatz von Recyclingmaterialien, biobasierten Materialien, die Möglichkeit einer langen Nutzung und die technische Recyclingfähigkeit.
Wir prüfen außerdem, wie sich Einwegkunststoffe und unnötige Verpackungsbestandteile vermeiden oder reduzieren lassen. Die konkreten Maßnahmen und Geltungsbereiche erläutern wir bei den jeweiligen Produkt- und Verpackungslösungen.
Innovative Materialien
Mit Blick nach vorn halten wir kontinuierlich Ausschau nach neuen Ideen und innovativen Materialien, die unser Sortiment noch nachhaltiger machen.
Einige innovative Materialien haben wir bereits in unsere Regale gebracht: Sneaker aus veganem Kaffeeleder aus unserer Tchibo Rösterei in Zusammenarbeit mit der Firma VLACE, Non Food-Artikel aus I’m Green™ PE (einem Bio-Polyethylen aus Zuckerrohr), ECONYL® (eine recycelte Faser aus Nylonabfällen, wie Fischernetzen, Stoffresten und Teppichabfällen) oder Sportbekleidung aus Textile-to-Textile recyceltem Polyester, das in einem innovativen chemischen Recyclingverfahren hergestellt wurde.