#124 EcoBeautyScore - Wie grün ist meine Creme?
Ist deine Lieblingscreme wirklich nachhaltig? Und wie erkennst du das überhaupt? In dieser Folge von „5 Tassen täglich“ geht es um den EcoBeautyScore – ein neues Bewertungssystem, das die Umweltauswirkungen von Kosmetikprodukten sichtbar macht. Ähnlich wie beim Nutri-Score für Lebensmittel reicht die Skala von A (sehr gut) bis E (hohe Belastung). So kannst du Cremes, Seren & Co. endlich transparent miteinander vergleichen.
Host Ralf Podszus besucht dafür unsere „Schwester-Kolleginnen“ bei Beiersdorf in Hamburg-Eimsbüttel. Dort trifft er: Dorle Bahr, Head of Sustainability Strategy & Reporting. Sie treibt bei Beiersdorf die Nachhaltigkeitsagenda voran, segelt mit Leidenschaft – und trinkt mindestens fünf Tassen Kaffee am Tag. Und Anke Pilzner, Global Claim Advisor & Expertin für Green Claims. Sie sorgt dafür, dass Nachhaltigkeitskommunikation ehrlich bleibt – und puzzelt am liebsten, um den Kopf freizubekommen.
FYI: Beiersdorf und Tchibo gehören zur gleichen Unternehmensfamilie, Grund genug für uns, immer mal wieder rüberzugehen und nachzuschauen, was die Nachbarn so bewegen.
Der EcoBeautyScore macht sichtbar, was bisher oft im Dunkeln lag: die tatsächlichen Umweltauswirkungen eines Produkts. Dabei geht es nicht um ein einzelnes Kriterium, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung
- 16 Umweltdimensionen fließen in die Bewertung ein, darunter der CO2-Ausstoß, der Wasserverbrauch, die Auswirkungen auf die Artenvielfalt, die Energieeffizienz und mögliche Verschmutzungen. Damit wird ein breites Bild davon gezeichnet, wie ein Produkt unseren Planeten beeinflusst.
- Grundlage dafür ist eine Lebenszyklusanalyse. Sie betrachtet alle Stationen im Leben eines Produkts: von der Gewinnung der Inhaltsstoffe und Verpackungsmaterialien über die Herstellung und den Transport bis hin zur Nutzung zu Hause und schließlich der Entsorgung.
- Das Ergebnis dieser komplexen Analyse wird in einem einfachen Buchstabensystem von A bis E dargestellt. Verbraucher*innen können so, ähnlich wie beim Nutri-Score, Produkte innerhalb einer Kategorie leicht miteinander vergleichen und bewusstere Kaufentscheidungen treffen.
Wir sprechen außerdem darüber,
- warum 99% der NIVEA- und 100% der Eucerin-Gesichtspflegeprodukte bereits mit A oder B bewertet sind und
- wie kleine Start-ups vom Score profitieren können, obwohl die Entwicklung vor allem von Konzernen getragen wurde.
Findet heraus, ob ihr euer Lieblingsprodukt wechseln würdet, wenn es plötzlich ein "D" trägt und warum der EcoBeautyScore mehr Transparenz für alle schafft. Hört rein!
"Das ist ein echter Meilenstein, das hat es so noch nicht gegeben, dass sich für eine ganze kosmetische Industrie 70 Firmen zusammensetzen und auf eine Methode einigen." Dorle Bahr
"Wir glauben fest daran, dass aufgrund der Einführung des EcoBeautyScores die Konsument*innen zu einem nachhaltigeren Produkt greifen […] und auch zu einem nachhaltigeren Konsum geführt werden." Anke Pilzner
"Es ist so, dass wir 16 verschiedene Umweltkriterien berücksichtigen, diese erstrecken sich über den gesamten Produktlebenszyklus." Dorle Bahr
Ihr wollt mehr zum EcoBeautyScore wissen? Dann schaut hier bei Beiersdorf vorbei.
Transkript
EcoBeautyScore - Wie grün ist meine Creme?
Ralf Podszus [00:00:00] Ich bin gar nicht in der Tchibo Kaffee-Akademie, möchte natürlich trotzdem für meine Gäste Kaffee holen, hier in der Beiersdorf-Zentrale in Hamburg-Eimsbüttel. Thema heute, der EcoBeautyScore. Das ist ein neues Bewertungssystem, was euch auf einen Blick zeigt, wie nachhaltig ein Produkt ist, das ihr dann kaufen wollt. Lernen wir gleich mal ganz genau kennen. Jetzt lerne ich erstmal meine Beiersdorf-Kaffeebarista kennen. Hallo, wer bist du denn?
Lisa [00:00:26] Hallo, ich bin Lisa.
Ralf Podszus [00:00:27] Hi Lisa, grüß dich. Ich habe hier schon eine Wunschliste für Kaffee. Wenn du mal mit deinem Fachauge drauf gucken magst, kannst du das Schönes vorbereiten.
Lisa [00:00:36] Ja, selbstverständlich. Ein großer Latte Macchiato mit Hafermilch und ein großer Cappuccino soll es sein.
Ralf Podszus [00:00:44] Ja, Handschrift ist ein bisschen schwierig, aber hast du gut entziffern können. Dann mal ran, es würde mich freuen, wenn das die Gäste jetzt bekommen können. Und schön sieht es hier aus. Es ist ja nicht nur Kaffeebar, sondern hier gibt es auch Bananen, andere Früchte. Es gibt Cookies. Da hinten kann man fast eine ganze Hauptmahlzeit kaufen. Ist das auch so der Snackbereich, wo ihr von Beiersdorf immer herkommt?
Lisa [00:01:02] Absolut. Wir nennen das hier auch das Working Café. Hier können sich Kollegen treffen für Meetings, aber auch etwas entspannter Kaffee trinken mit einem kleinen Snack oder auch Frühstück und dafür sind wir hier da.
Ralf Podszus [00:01:14] Super, na dann Kaffee los und ich freue mich auf die heutige Folge.
Lisa [00:01:18] Viel Spaß!
Anke Pilzner [00:01:23] Wir glauben eben fest daran, dass aufgrund des eingeführten EcoBeautyScore dann auch die Konsumentinnen und die Konsumenten zu einem nachhaltigeren Produkt greifen, wenn nämlich alles bekannt ist, dass sie dann eben auch zu einem nachhaltigeren Konsum geführt werden.
Dorle Bahr [00:01:44] Das ist so, dass wir 16 verschiedene Umweltkriterien berücksichtigen. Die 16 verschiedenen Kriterien erstrecken sich aber über den gesamten, was wir Produktlebenszyklus nennen, das heißt vom Anbau an sich, von der Weiterverarbeitung, weil wir oft diese Materialien ja nicht direkt für nutzen, sondern die noch weiterverarbeitet werden bei unseren Zulieferern, bis hin zur Produktion bei uns. Und dann aber eben auch nach Nutzungsphase beim Konsumenten und am Ende auch, wie wird eigentlich das dann im Kreislauf zurückgeführt oder eben auch nicht und dann einfach entsorgt.
Station Voice [00:02:19] 5 Tassen täglich, der Tchibo-Podcast.
Ralf Podszus [00:02:25] Moin, ich bin Ralf Podszus und ich melde mich zur Abwechslung mal wieder aus der Beiersdorf-Zentrale. Ja, hier war ich schon mal. Hört euch gern die Doppelfolge an: New Work im Beiersdorf-Campus. Coffee and Collaboration. Vor zwei Jahren war ich hier. Damals haben wir die neue, frische Zentrale angeschaut. Hörbar gemacht. Und mir hat der neue futuristische Campus auch sehr gefallen. So, wie ist denn der Zustand des neuen großen Gebäudes hier in Hamburg? Muss da manche Säule vielleicht schon mit Tesa gehalten werden? Ne, ich denke nicht, sieht alles super aus. Was macht Tchibo hier bei Beiersdorf? Einfach gesagt, die beiden Unternehmen gehören zusammen. Also, wenn ihr euch morgens die Hände mit Nivea eincremt und damit dann anschließend eure Tasse mit Tchibo-Kaffee haltet, dann habt ihr aus Unternehmenssicht alles richtig gemacht. So, Tesa habe ich eben schon erwähnt, von Beiersdorf kommt ansonsten noch zum Beispiel Eucerin. Bei 5 Tassen täglich geht es um Kaffeeliebe und Nachhaltigkeit und Anke Pilzner und Dorle Bahr sind zwei Expertinnen für Nachhaltigkeit hier bei Beiersdorf. Passt schon mal super und die beiden haben gute Nachrichten für alle, die auch umweltbewusst durchs Leben gehen oder das ab sofort machen wollen. Hallo ihr beiden!
Dorle Bahr [00:03:43] Hallo!
Ralf Podszus [00:03:43] Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ich da sein darf, so muss ich es ja eigentlich sagen. Ich spreche heute mit euch über ein Thema, das wortwörtlich unter die Haut geht, die Umweltbilanz unserer Pflegeprodukte. Beiersdorf mit Nivea und Eucerin hat als eines der ersten Unternehmen der Branche den sogenannten EcoBeautyScore veröffentlicht. Dieses neue Bewertungssystem, das zeigt auf einen Blick, wie nachhaltig ein Produkt ist. Und zwar jetzt nicht als Werbeversprechen, sondern basierend auf wissenschaftlichen Daten. Habe ich das gut erklärt?
Anke Pilzner [00:04:16] Absolut, das ist genau das, was wir damit erreichen wollten.
Ralf Podszus [00:04:20] Super. Dann gönnt euch doch jetzt erstmal einen großen Schluck Kaffee, Anke und Dorle, habe ich ja von eurer lieben Barista Lisa hier hochgeholt, denn das möchte ich jetzt genau wissen, wie wir Produkte zackig erkennen können, für die Umweltschutz wichtig ist, hier ist euer Kaffee und ihr habt für mich auch was mitgebracht, was ist das da hinten?
Anke Pilzner [00:04:37] Das ist eine Gesichtscreme und ein Serum fürs Gesicht.
Ralf Podszus [00:04:41] Ah ja, da checken wir gleich mal den EcoBeautyScore da dran auf jeden Fall mal. Früher in der Schule haben ja Schüler immer so Sachen bekommen, wenn sie so ein bisschen gemüffelt haben. Ich hoffe, das bekomme ich jetzt nicht geschenkt, damit ich meinen Duft hier übertünche.
Anke Pilzner [00:04:54] Das hat mit Duft übertünchen nichts zu tun. Das sorgt dafür, dass du viel jünger hinterher aussehen wirst.
Ralf Podszus [00:04:59] Sehr schön. Ich probiere es auf jeden Fall gleich mal aus. So, wie misst man jetzt die Umweltwirkung einer Creme? Also warum bekommen manche Produkte ein A und manche ein C? Und was bedeutet das für uns Käufer und Käuferinnen?
Dorle Bahr [00:05:11] Grundsätzlich ist die Umweltwirkung von Produkten, wird natürlich gemessen an den Rohstoffen einerseits, am Verbraucherverhalten, an wie viel Dosierung brauche ich eigentlich für ein Produkt, an den Packmitteln, die dazugehören und da liegt eine ganz komplexe sogenannte Lebenszyklusanalyse dahinter. Das bedeutet, man guckt sich die Umweltwirkung an, der Formeln und der Verpackung auf Klima, auf Wasserverschmutzung, auf Energieverbräuche, auf Biodiversität und es sind insgesamt 16 verschiedene Indikatoren und die werden kombiniert. Und daraus dann nachher die Komplexität der Lebenszyklusanalyse transformiert und umgesetzt in einem sehr einfach zu lesenden Score, wie wir das nennen, den EcoBeautyScore und da wird dann eigentlich letztendlich auf einer Skala von A bis E, ähnlich wie man das vom Nutri-Score kennt, dann gesagt, ein A ist halt ein Produkt, was sehr gut ist, möglichst wenig Umweltbelastung hat, weniger Verschmutzung vom Wasser verursacht oder halt auch der Herstellung der Produkte wenig Verschmutzung verursacht oder halt ein C, was so durchschnittlich dann ist insgesamt und ein E, was eine eher schlechtere Performance hat. Das ist im Prinzip genauso, wie es beim Nutri-Score auch ist, dass man eigentlich so eine Abstufung hat, wo man guckt, wie ist das im Vergleich zu anderen Produkten, die Umweltleistung eines Produktes.
Ralf Podszus [00:06:16] Kapieren alle, A bis E. Was hat es gebraucht, um diesen Score branchenweit umzusetzen? Also wer macht da alles mit und was sagt es über die aus, die nicht mitmachen?
Dorle Bahr [00:06:25] Es ist im Prinzip eine Initiative, die jetzt 2021 gestartet ist. Also eine wirklich lange Vorlaufzeit gewesen, wo es eigentlich ein paar beherzte Unternehmen brauchte, die erstmal den Anschub gaben. Auch eine Anschubfinanzierung, ist eine wissenschaftliche Arbeit. Es musste auch natürlich eine Zustimmung dazu geben, dass man sich einem wissenschaftlichen Verfahren unterwirft und nicht wie andere Umweltaussagen zum Teil auch etwas tendenziös von Unternehmen sind oder eben nicht genau wissenschaftlich belegt sein kann. Man hat sich hier einer wissenschaftlichen Methode verschrieben und hat gesagt, dem sollen sich alle unterwerfen. Wir haben nachher insgesamt verschiedenste Marktteilnehmer und Akteure gehabt. Wir haben 70 Marktteilnehmer gehabt, Unternehmen und Verbände, die Daten geliefert haben, die einfach gesagt haben, wir sehen eigentlich so Formeln aus, damit wir wirklich Verbrauchsprodukte hatten. Da kann Anke noch etwas genau zusagen, wo wir natürlich auch dann Stichproben bewertet haben, im Sinne, wie müsste man eine Stichprobe aussehen, um dann wirklich eine Umweltleistung bewerten zu können und auch einen Vergleich darstellen zu können. Das war erstmal der klare Wille zur Kollaboration, der erforderlich war. Wirklich gut zusammenarbeiten, offen zusammenarbeiten. Auch Diskussionen und Konflikte austragen, die es natürlich gibt in so einem Konsortium. Das ist aber auch das Spannende. Das ist total interessant gewesen, zu sehen, wie verschiedene Interessen zusammengebracht werden und dann zu sagen, wir wollen eigentlich für die Verbraucher und Verbraucherin eine Orientierung geben, dass die in diesem Umwelt-Label-Dschungel sich zurechtfinden können und dann einen Score haben, auf den sie sich wirklich verlassen können und der auch dann von der Europäischen Kommission gesehen wird als ein Score, mit dem wir objektiv Verbraucher informieren können.
Anke Pilzner [00:07:56] Um da mal ein bisschen einzuhaken, wir sind ja 2020, 2021, alle Industrien sind von der Europäischen Kommission im Prinzip angeklagt worden, wir würden alle Greenwashing betreiben, nämlich dass wir keine Beweise für das, was wir ausloben, für den Konsumenten bereitstellen. Und deswegen die Initiative in der Kosmetik, weil die Europäische Kommission hatte eine Idee, wie sie das machen wollten. Und die Frage ist immer, was sich Politiker ausdenken, lässt sich das in der Technik umsetzen oder gibt es überhaupt genug wissenschaftliche Methoden? Das heißt, wir haben uns angeguckt, was haben wir und was können wir beisteuern? Daraufhin ist der EcoBeautyScore entstanden, dass wir gesagt haben, wir sind bereit, diese Transparenz für unsere Konsumentinnen und Konsumenten bereitzustellen. Wir wollen wirklich zeigen, wie unsere Produkte sind, dass wir eben auch noch nicht fertig sind. Wir leben noch nicht in einer perfekten Welt. Nachhaltigkeit ist noch nicht so lange im Bewusstsein, dass alles schon ungestellt ist. Aber wir sind eben bereit, genau diesen Weg unseren Konsumentinnen und Konsumenten aufzuzeigen und sie mit uns mitzunehmen. Und diese Transparenz stellen wir her, damit ein Konsument oder eine Konsumentin wirklich entscheiden kann, dieses Produkt ist vom Umwelteinfluss besser als ein anderes. Ansonsten war es immer so, ist mir jetzt ein rezyklierter Bestandteil einer Verpackung wichtiger als eine Recyclability, also dass ich wirklich das Produkt hinterher wieder dem Kreislauf zuführen kann, was ist besser für die Umwelt und um da eine Entscheidungshilfe zu geben und auch zu sagen, wir nehmen alles als Summe mit rein, egal auf welchem Aspekt das Ganze beruht, hat der Konsument oder die Konsumentin wirklich die Entscheidung, A ist eben besser als B und ist besser als C.
Dorle Bahr [00:09:46] Ja, vielleicht kann ich dazu einfach noch kurz ergänzen, es ist eben so, dass es ja immer verschiedene Aspekte gibt, die auf Produkte ausgelobt wurden. Da gab es immer den Vorwurf, das ist nicht vollständig, das es nicht holistisch betrachtet, das kann ein Produkt, kann ein recyceltes Material haben in der Verpackung, aber irgendwelche anderen Themen haben in der Formel und das wird dann eigentlich nicht vernünftig gezeigt. Dann ist eigentlich die Lösung, wäre ja gewesen, alle 16 Umweltwirkungen zu zeigen, dann habe ich den Verbraucher oder die Verbraucherin komplett verloren. Weil das wirklich ein wissenschaftlicher Hintergrund ist, der da erforderlich ist. Die sogenannten Lebenszyklusanalysen, die kann man eigentlich nicht vernünftig Verbrauchern gut kommunizieren. Und deswegen eben die Idee, alles zusammenzubringen, wissenschaftsbasiert. Und dann, ich nenne das eigentlich immer, dass wir die Komplexität wirklich reduzieren auf einen einfachen Score. Aber wir selbst können uns natürlich nicht der Komplexität entziehen. Das heißt, wir sind voll komplex in der ganzen Kalkulation. Was noch hier auf der Verpackung steht, ist aber einfach zu lesen, einfach zu navigieren.
Anke Pilzner [00:10:39] Manche sind jetzt, und wir sind dabei, als Vorreiter. Wir wollen diese Initiative auch weiter unterstützen. Wir glauben daran, dass es das Richtige ist. Und andere sind halt ausgestiegen, ja.
Dorle Bahr [00:10:51] Was ich eben sehr wichtig finde, ist, es sind schon viele dabei, die die Methodik unterstützt haben, das Thema dann wirklich anzuwenden, dann kann es schon sein, dass einzelne Unternehmen gesagt haben, ich muss jetzt auch mal ein bisschen warten, ich weiß, da kommen noch Launches, wo ich mich dann besser darstelle und so weiter, die dann eher von dem Phasing etwas später dazu kommen und sich einfach entscheiden, etwas weiter zu warten, auch ein bisschen zu beobachten, klappt das wirklich. Aber wir müssen schon sagen, das ist ein echter Meilenstein jetzt, das hat es so noch nicht gegeben. Das ist für eine ganze kosmetische Industrie, dass sich da 70 Firmen zusammensetzen, auf eine Methode einigen, die auch einem sogenannten Critical Review unterziehen, haben externe Experten draufgeguckt, wir haben mit Verbänden draufgeguckt, wir haben mit Handelspartnern gesprochen in dem Zusammenhang und wir haben sogar mit Nichtregierungsorganisationen gesprochen, haben uns da ein Feedback reingeholt und haben natürlich da auch Themen aufgenommen, wir lassen uns sogar zertifizieren. Das heißt, das ist das erste Mal, dass eine Industrie von sich aus wirklich so ein System, also zumindest, dass es mir bekannt wäre, so ein System aufbaut und da sind wir natürlich sehr stolz, dass wir von Anfang an mit dabei sind. Wir verstehen aber auch, dass für viele das auch erst mal ein Gedankengang ist, viele auch erst einmal dieses Tool jetzt nutzen, um zu verstehen, was ist eigentlich in meinem Assortiment? Weil die technische Kapazität, die wir haben und das Know-how, was wir an Bord haben und was auch einige unserer großen Wettbewerber an Bord haben, haben die kleinen SMEs nicht da. Wir wollen aber für den gesamten Markt da sein. Das heißt, wir bieten denen jetzt auch ein Tool an, mit dem sie seit Anfang des Jahres erst mal experimentieren können, erst mal lernen können, was sind eigentlich meine Ecodesign-Aspekte, die ich berücksichtigen muss zu meinem Produkt und das hilft dann sehr. Wir merken natürlich an unseren Ergebnissen, dass wir schon sehr lange diese technische Kapazität haben, das zu analysieren, was eben auch dazu führt, dass wir bei unseren Gesichtscremes die Ergebnisse erreicht haben, dass 99 Prozent unserer Nivea Gesichtscremes und 100 Prozent der Eucerin Gesichtscremes tatsächlich mit einem R&D-Score kommen. Das liegt nicht daran, dass der Score schwach wäre, sondern das liegt einfach daran, dass wir jahrelang gearbeitet haben und jetzt endlich dann auch die Ergebnisse dessen sehen. Das ist natürlich für uns ein ganz tolles Ergebnis.
Ralf Podszus [00:12:42] Ja, herzlichen Glückwunsch. Und ich habe mir notiert, die kleinen SMEs. Ich versuche ja auch immer, diese ganzen Beiersdorf Abkürzungen und Fremdwörter hier zu übersetzen. Was sind kleine SMEs?
Dorle Bahr [00:12:50] Das sind die sogenannten Small and Medium Enterprises.
Ralf Podszus [00:12:53] Ja, genau.
Dorle Bahr [00:12:55] Das ist das, was man im Deutschen auch manchmal kleine und mittlere Unternehmen, die KMUs, das hört man ja häufiger auch in der Politik jetzt hier, das sind die SMEs im Englischen, da sprechen wir ja Small and Medium Enterprises, also es soll auch, das kleine Start-up soll genauso den Score nutzen können, ist natürlich dann auch von der Mitgliedsstafflung, von der Lizenzstaffelung so gehalten, dass die Großen halt mehr zahlen und die Kleinen halt weniger und für ein kleines Geld sozusagen am Ende eine Technologie bekommen, die sie sich sonst vermutlich nicht leisten können.
Anke Pilzner [00:13:20] Wir wollen hier wirklich inklusiv sein, also wir wollen es als Standard etablieren, dass der Konsument oder die Konsumentin wirklich im Markt alle Produkte nachher mit einem Score hat und nicht nur ein Beiersdorf mit Nivea und Eucerin oder ein L'Oreal oder ein Henkel mit Schauma, sondern dass er, wenn er das Regal sich anguckt, ob er es jetzt live im Laden oder online sich anguckt, dass er dann wirklich er oder sie eine bewusste Entscheidung treffen kann.
Ralf Podszus [00:13:48] Ihr beiden habt diesen Score entscheidend mitentwickelt, Dorle und Anke. Was macht ihr genau bei Beiersdorf? Was ist eure Aufgabe und welche unaussprechlichen Berufstitel habt ihr bestimmt dafür? Weil, hier bei Beiersdorf ist ja alles so mit richtig genial langen Anglizismen versehen.
Anke Pilzner [00:14:04] Ich kann ja mal anfangen, ich bin als Global Claim Advisor und Green Claims angestellt.
Ralf Podszus [00:14:10] Es sind nur zwei Zeilen, das geht noch.
Anke Pilzner [00:14:12] Es geht so, ich hab das selber gekürzt, weil mir das andere auch zu lang war.
Ralf Podszus [00:14:15] Wie war das andere?
Anke Pilzner [00:14:16] Da erinnere ich mich nicht mehr dran, aber es ist tatsächlich, was ich mache, das ist halt dieses Global Claim Advisor. Ich gebe quasi eine Beratung ab, wenn es um Claims geht. Und Claims ist alles, was wir auf einem Produkt draufschreiben, was quasi ein Konsument oder eine Konsumentin lesen soll, was sie damit implizit oder er sie implizit damit verbindet, was es für eine Wirkung hat, was wir zu Verpackungen sagen möchten.
Ralf Podszus [00:14:45] Und bei dir, Dorle?
Dorle Bahr [00:14:47] Ich bin in der Zentralfunktion für Nachhaltigkeit, bin da verantwortlich für Nachhaltigkeitsstrategie und für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung. Das heißt, ich habe die tolle Aufgabe, zu gucken, welche Strategie sich Beiersdorf eigentlich gibt zum Thema Nachhaltigkeit, zum Thema Klima, zum Thema Wasser, zum Thema Natur insgesamt und dann gemeinsam mit anderen Funktionen zu gucken, wie wir dann solche Strategien auch umsetzen können. Und dann auch, und das ist ja viel jetzt auch in der Presse, wenn man über Nachhaltigkeitsberichterstattung spricht, dass da immer mehr berichtet werden muss, das Thema Menschenrechte ist auch bei mir im Bereich, auch da muss immer viel berichtet und auch nachgehalten werden, die verantwortlichen Lieferketten, das ist alles bei mir im Bereich. Der Titel hört sich auch so englisch an, das ist dann Head of Sustainability Strategy & Reporting.
Ralf Podszus [00:15:30] Cool, das dreimal nacheinander ganz schnell sagen, mach mal!
Dorle Bahr [00:15:34] Head of Sustainability Strategy and Reporting Head of Sustainability Strategy and Reporting Head of Sustainability Strategy and Reporting.
Ralf Podszus [00:15:37] Ja, wow.
Dorle Bahr [00:15:38] Mich darf man mit schnell sprechen nicht herausfordern.
Ralf Podszus [00:15:40] Wow, richtig gut. Ich bin schwer beeindruckt. Anke, ich weiß über dich, dass du Wasser liebst, gerne puzzelst und zwei Tassen Kaffee am Tag genießt. Und weil wir bei Beiersdorf sind, füge ich noch hinzu, du magst auch gerne Lemongrass und liebst Ölduschgel. Verwirrend daran finde ich nur, du puzzelst gerne? Was? Und 1000 Teile und warum überhaupt puzzeln?
Anke Pilzner [00:16:03] Also, zum einen mein Lieblingsprodukt ist Lemongrass and Oil. Ich liebe Wasser, weil, ich gehe unter Wasser, ich gehe gerne ins Wasser und ich segle gerne auf dem Wasser. Ich nehme das Puzzle nicht mit, aber ich liebe herausfordernde Puzzles, unter 1000 Teile fange ich nicht an. Und für mich ist Puzzeln tatsächlich eine meditative Aktion, die ich mache.
Ralf Podszus [00:16:24] Dorle, auch du magst das Wasser sehr gerne, segelst gerne, besuchst mit deiner Familie Escape Rooms, trinkst mindestens fünf Tassen täglich, yeah, du vertrittst den Podcasttitel hier sehr würdig und du hast Eucerin Gesichtscreme als liebstes Produkt.
Dorle Bahr [00:16:39] Genau, ich nutze da gerne die Ultra-Sensitive-Gesichtscreme von Eucerin, die auch gescored ist, die ist zum Glück auch mit dem B gescord, also zum Glück muss ich dann da kein schlechtes Gewissen über das Produkt haben, das ich benutze, sondern es ist auch ein sehr gut gescortes Produkt. Ja, da freue ich mich drüber. Ich bin wirklich gerne am Wasser nach wie vor, auch Segeln dann, wie gesagt, aber die Leidenschaft ist dabei, das wirklich gemeinsam mit der Familie zu machen, also das ist für mich ein ganz wichtiger Teil dabei.
Ralf Podszus [00:17:01] Wo kann man jetzt diesen Score überhaupt sehen?
Anke Pilzner [00:17:04] Also unsere Scores sind live gegangen auf unseren Internetseiten. Also wenn man auf Nivea.de die Gesichtscremes, dann ist das direkt neben dem Produkt. Bei Eucerin ist es auf der internationalen Seite momentan. Wir sind im Ausrollen auf die lokalen Seiten. Es braucht alles ein bisschen, aber bei Nivea ist es auf den Länderseiten schon zu sehen in drei Ländern, weil wir einfach nach und nach alles ausrollen.
Ralf Podszus [00:17:29] Das Internet ist immer ganz gut und schön, aber wenn ich jetzt im Laden bin, dann nehme ich das Produkt in die Hand, drehe es um, freue mich, dass es nicht in Schriftgröße 0,0142 irgendwie abgedruckt ist. Ich möchte ja gleich sehen, ist das gut oder ist das schlecht. Kann man das auch auf den Produkten direkt schon sehen?
Anke Pilzner [00:17:46] Nein, auf den Verpackungen können wir es und dürfen wir es auch noch nicht sehen. Wir waren Teil des Konsortiums, was jetzt quasi ein Verband ist. Wir hätten die Möglichkeit, das drauf zu drucken. Aber dadurch, dass wir ja das Tool, wovon Dorle vorhin gesprochen hat, erst seit kurzem live haben, auch für andere, müssen wir auch warten, bis andere damit kommen, um eben keinen Wettbewerbsvorteil zu haben. Das heißt, wir haben eine Übergangsfrist von mindestens sechs Monaten, von den ersten Scores, die jetzt live online sind, bis wir es überhaupt auf eine Verpackung drucken dürften. Was aber kommen wird, sind Aktivitäten direkt im Laden. Also, dass du in einem Aufsteller was siehst, dass du am Regal etwas sehen wirst, das kommt früher, aber auf die Verpackung dürfen wir es noch nicht drucken.
Dorle Bahr [00:18:38] Das ist, glaube ich, ganz wichtig, das Thema Wettbewerbsvorteil, was jetzt besprochen wurde. Wir wollen ja da auch natürlich allen Wettbewerbsregularien entsprechen. Dazu ist es eben tatsächlich wichtig, dass wir uns an ganz strenge Timelines halten, dass wir sagen, wir müssen jedem die Chance geben, der möchte, auch mitzuspielen in diesem Spiel. Das heißt, der muss in der Lage sein, die Scores zu erheben und dann auch gleichzeitig mit anderen auf das Produkt zu bringen, wenn es denn gewollt ist. Natürlich wird man auch da beim Score aufs Produkt bringen auch dann da sehr nachhaltig sein. Solche Verpackungen werden ja nicht permanent neu auf dem Markt gebracht. Das heißt, das richtet sich dann auch nach Innovationszyklen für normale Produkte, dass man dann guckt, wann habe ich überhaupt das nächste Re-Design einer Verpackung geplant und erst dann bringt man das ja drauf. Wir wollen ja keine zusätzlichen Kosten verursachen und zusätzlichen Müll verursachen sozusagen, dadurch, dass wir jetzt plötzlich den Score aufbringen. Aber in der Tat, wie Anke sagte, wir werden am, was wir Point of Sale nennen, also am Regal, wird es Möglichkeiten geben und es wird auch, da sind wir zumindest ganz stark am Arbeiten, dass es in allen Bereichen mit dem E-Commerce zu tun und dass es auch da auf Produktseiten zu sehen ist. Das wird aber auch noch ein bisschen dauern, weil wir natürlich damit mit Retainern zusammenarbeiten müssen, also mit den Handelspartnern.
Ralf Podszus [00:19:43] Was macht jetzt diesen Score so besonders glaubwürdig? Also man kann ja auch jetzt kritisch sagen, ja noch wieder ein Siegel. Da stehen doch schon so viele ganz viele Reihen mit Siegeln drauf. Da habe ich auch schon mal gelesen, das eine ist gar nicht so gut wie das andere und es kommt noch dieser dazu. Und welche Umweltkriterien fließen überhaupt in den Score so insgesamt mit ein?
Dorle Bahr [00:20:03] Genau, ich glaube, das kann ich gerne erläutern. Das ist so, dass wir 16 verschiedene Umweltkriterien berücksichtigen. Die 16 verschiedenen Kriterien erstrecken sich aber über den gesamten, was wir Produktlebenszyklus nennen, das heißt vom Anbau der Materialien, die wir brauchen für unsere Rohstoffe und für die Verpackung. Also das ist zum Beispiel ein Palmöl, das ist das Holz fürs Papier. Das kann aber eben auch so was sein wie die Ingredienzen, die wir haben, wie Aloe Vera. Solche Themen, also vom Anbau an sich, von der Weiterverarbeitung, weil wir oft diese Materialien ja nicht direkt für nutzen, sondern die noch weiterverarbeitet werden bei unseren Zulieferern, bis hin zur Produktion bei uns und dann aber eben auch nach Nutzungsphase beim Konsumenten und am Ende auch, wie wird eigentlich das einem Kreislauf zurückgeführt oder eben auch nicht und dann einfach entsorgt. Dieser gesamte Produktlebenszyklus wird abgebildet anhand von 16 verschiedenen Umweltkriterien, die sich einerseits um Klimawirkung ranken, die sich aber auch um Toxizitätsthemen ranken, die sich um Naturthemen ranken. Die sich aber auch um Wasserverbrauch und solche Themen ranken. Das sind insgesamt 16 Kriterien, die in Anlehnung sind an das europäische Konzept, das Product Environmental Footprint nennt sich das, das ist genau ein Ökobilanzierungsstandard, den die Europäische Kommission entwickelt hat, an dem wir uns da orientieren und den im Prinzip zu 99 Prozent so übernommen haben, bis auf kleinere Anpassungen, und haben dann von da aus diesen vereinfachten Score dargestellt, aber haben deswegen eine holistische Betrachtung des Produktes über alle Umweltkriterien einerseits und auch über alle Lebenszyklusphasen andererseits.
Ralf Podszus [00:21:30] Dann sind doch alle damit zufrieden, die jetzt kritisch sagen, guck mal, das ist nur wieder ein Siegel und am Ende ist es gar nix. Es ist wirklich so, wie es auch die EU mal gefordert hat vor ein paar Jahren. Macht es mal richtig und gut.
Dorle Bahr [00:21:41] Genau, das ist, wie die EU eigentlich gesagt hat, es soll eine vernünftige Ökobilanz aufgestellt werden. Welche Aspekte müssen berücksichtigt werden, wenn ich eine Ökobilanz oder Umweltbilanz eines Produktes mache? Das berücksichtigten wir eben alles, komplett, und deswegen haben wir auch die ganze Komplexität mit reingebaut. Und es ist eben nicht so wie viele andere Umweltsiegel, dass es nur ein konkreter Aspekt draus ist, da steht nicht nur einfach vegan drauf, und es hat eben auch vor allen Dingen für das gesamte Sortiment. Wenn ich so ein klassisches Umweltlabel habe, dann habe ich da wirklich nur die Produkte, die ein Label tragen, die halt das Umweltlabel tragen, weil damit, sozusagen so ein Gütesiegel haben. Wir gucken aber, wollen das gesamte Sortiment bewerten, wollen eben auch die ganze Bandbreite haben, damit Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich auch eine bewusste Entscheidung treffen können, auch wenn sie vielleicht sagen, ich möchte nicht das supergrüne Produkt haben, aber ich möchte mindestens mal einen B-Score oder einen C-Score haben oder irgendwie sowas. Das wäre für den Verbraucher dann schon eine bessere Orientierung.
Anke Pilzner [00:22:29] Es ist ja so, dass du, wenn du diese Umweltsiegel hast, die nur für einzelne Produkte meistens zum Einsatz kommen, das sagt aber nicht, dass das Produkt, was daneben steht, besser oder schlechter ist. Das hat vielleicht einfach nur das Siegel nicht. Und durch den EcoBeautyScore sorgst du im Prinzip durch eine Demokratisierung eines Scores. Das heißt, die Produkte werden alle gleich behandelt, alle bekommen die gleiche Methode angewendet. Es wird nichts außen vorgelassen, du nimmst also nicht ein Kriterium raus, weil es dir nicht gefällt, wie es bisher bei Auslobungen ist. Das, was dir gefällt und so ist das Umweltsiegel auch, bei dem Produkt möchte ich es und bei anderen mache ich es nicht. Warum, weiß der Konsument oder die Konsumentin nicht. Aber beim EcoBeautyScore haben wir eben auch noch zusätzlich die Maßgabe, dass wir mindestens 75 Prozent des Scores veröffentlichen müssen, wenn wir ein Segment veröffentlichen. Und wir müssen auch relativ schnell bis auf 90 Prozent hochgehen. Dass du eben nicht dafür sorgst, ich zeige den Score nur bei meinen fünf besten Produkten und die restlichen lasse ich einfach unter den Tisch fallen. Sondern wir sorgen eben auch durch den Verband Qualitätskriterien, dass alles dem Konsumenten, der Konsumentin zur Verfügung gestellt wird. Dass sie wirklich eine Entscheidungshilfe bekommen und eine Vergleichbarkeit über Marken hinweg bekommen.
Ralf Podszus [00:23:57] Das finde ich wichtig, diese Vergleichbarkeit. Wenn ich jetzt so zwei Produkte habe, einmal A, einmal B, was heißt das für mich als Käufer oder Käuferin im Alltag? Also muss ich beim B-Produkt ein schlechtes Gewissen haben, es am besten liegen lassen? Beim Nutri-Score, da lasse ich Buchstaben jenseits von C immer liegen, obwohl da auch nicht alle mitmachen, und am Ende kaufe ich ein Produkt ohne Nutri-Score-Angabe, dabei hätte es, würde es mitmachen, vielleicht sogar D oder E und dann werden die belohnt, die sagen, ätsch, ich mach nicht mit. Das ist dann ganz schön frustrierend.
Anke Pilzner [00:24:29] Also erstens glaube ich nicht, dass die Leute auf Chips verzichten oder auf Schokolade. Die haben nämlich ein E-Score. Es ist ja dann trotzdem eine bewusste Entscheidung. Und auch das, wir haben viel Konsumentenforschung gemacht in vielen Ländern mit vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern und haben eben genau das abgefragt. Was passiert, wenn dein Lieblingsprodukt jetzt einen niedrigeren Score hat? Wenn jetzt ein Produkt mit einem D plötzlich auf dem Markt ist? Da ist ganz klar die Rückmeldung der Konsumentinnen, in dem Fall Konsumentinnen, weil die bei Nachhaltigkeit etwas kritischer sind als die Männer, sorry. Es ist leider immer noch so, aber da war ganz klar die Rückmeldung, ja, also natürlich denke ich drüber nach, wenn mein Produkt jetzt einen D-Score hat, aber ob ich jetzt das sofort wechsle, wenn ich mit meinem Produkt zufrieden bin. Nein, dann muss erst ein anderes Produkt mit einem besseren Score zeigen, dass es mir die gleiche Leistung bringt. Und es ist ja auch so, ja, wir haben jetzt eingeführt, andere werden folgen und wir glauben eben fest daran, dass aufgrund des eingeführten EcoBeautyScores dann auch die Konsumentinnen und die Konsumenten zu einem nachhaltigeren Produkt greifen, wenn nämlich alles bekannt ist und die Effektivität auf einem gleichen Level ist, und das ist häufig jetzt schon so bei vielen Produkten, dass sie dann eben auch zu einem nachhaltigeren Konsum geführt werden. Weil, was ganz klar ist, wir stoppen hier ja nicht, wir feiern natürlich jetzt unsere guten Scores, dass wir das, was wir die letzten Jahre gemacht haben, jetzt auch sehen, dass das in die richtige Richtung geht, aber wir hören hier ja nicht auf. Sondern wir werden ja weitermachen, um genau das eben zu erreichen, dass die ganze Industrie auch weiter neue Produkte, die noch besser sind für die Umwelt, produziert und dem Konsumenten und der Konsumentin zur Verfügung stellt. Und damit wird der Konsument und die Konsumentin irgendwann in der Lage sein, tatsächlich auf einer breiten Ebene die Entscheidung zu treffen, ja, ich kann das nachhaltigere Produkt kaufen, weil von der Effektivität ist es das, was ich benötige.
Ralf Podszus [00:26:41] Ich notiere mir trotzdem mal eben, Anke findet Männer etwas unkritischer als Frauen, kriegt das 5000er Puzzle, wo zwei fehlen, zwei Teile. Was ich jetzt natürlich ungeheuer spannend finde, ist schon super, dass da jetzt so viele mitmachen und dass wir jetzt zukünftig dann auch irgendwann im Regal wirklich dann diese ganzen Produkte sehen und die Daten haben, A, B, C und eine super Entscheidung dafür und das Umweltbewusstsein kann man da unterstreichen. Schön wäre es natürlich, wenn das alle möglichen Produkte wären, also nicht nur die Gesichtscreme, sondern vielleicht auch die Schrankwand oder der Fernseher noch dazu. Also dass man alle Produkte mit so einem EcoBeautyScore versehen kann, aber wahrscheinlich ist es ein bisschen schwierig jetzt eine Gesichtscreme mit einer Schrankwand zu vergleichen.
Anke Pilzner [00:27:22] Ja, also es ist schwierig, eine Schrankwand mit einer Gesichtscreme zu vergleichen. Es ist schon schwierig, ein Duschgel mit einer Gesichtscreme zu vergleichen, weil, die Kriterien sind zwar alle gleich, aber die Auswirkungen sind unterschiedlich. Ich habe vorhin darüber gesprochen, dass du mit einem Duschgel duschst. Das heißt, du nutzt Wasser, du nutzt viel Energie. Das heißt per se ist dein Fußabdruck für dein Duschgel viel höher. Du kannst aber einer Konsumentin oder einem Konsumenten nicht sagen.
Ralf Podszus [00:27:51] Jetzt dusch doch mal einfach ohne Wasser!
Anke Pilzner [00:27:52] Genau, dusch ohne Wasser oder nimm doch einfach die Gesichtscreme, die ein A hat und tausch deinen C-Duschgel gegen eine A-Gesichtscreme. Das geht nicht. Das heißt, du kannst nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, weil der Konsument oder die Konsumentin muss in der Lage sein, eine gleiche Leistung von dem Produkt zu bekommen. Das heißt Schrankwand und Gesichtscreme ist schwierig. Aber die Methode an sich, dieses Product Environmental Footprint, was Dorle vorhin erzählt hat, das ist sehr wohl auf alle Industrien anwendbar. Weil, eine Lebenszyklusanalyse kannst du für alle Produkte machen. Es wird nachher kein BeautyScore sein, aber es wird sehr wohl ein Score sein, den du finden kannst, wo du dann eine Schrankwand mit einem Einzelschrank oder mit einer Vitrine vergleichen kannst, und da wirst du dann die Auswirkungen auf die Umwelt sehen können. Aber über die Industrie hinweg ist kein Siegel möglich.
Dorle Bahr [00:28:47] Das ist vielleicht ganz wichtig, dass das diese Klassifizierung, wo es A, B, C, D oder E ist, das ist immer der Vergleich innerhalb eines Produktsegmentes. Das heißt, wir vergleichen Duschgele mit Duschgelen, wir vergleichen Gesichtscremes mit Gesichtscremes. Wir vergleichen Haarshampoo mit Haarshampoo, wir vergleichen aber nicht ein Haarshampoo mit einem Lippenstift oder irgendwie sowas, weil das hat keinen... Wir wollen ja dem Verbraucher, der Verbraucherin Orientierung geben am Regal, und zwar basierend auf dem eigentlichen Nutzen, den die Verbraucherin daraus hat. Deswegen vergleichen wir sehr wohl beispielsweise im Duschbereich, vergleichen natürlich trockene Formate und flüssige Formate, weil das am Ende der gleiche Verbraucherinnenanspruch ist, ich möchte meine Haut reinigen. Das ist sozusagen der Aspekt, unter dem wir dann die Segmentierung, die Vergleiche aufziehen, dass der Konsument dann auch eine reale Möglichkeit hat zu verändern innerhalb eines von ihr gewünschten Nutzens.
Ralf Podszus [00:29:38] Verstanden, und ich finde es gut, dass man eigentlich dieses Score-Denken auf alle möglichen Produkte anwenden kann, in dem Bereich, in dem die eben zu finden sind. Und ich hoffe sowieso insgeheim, dass niemand bitte mehr Schrankwände benutzt, aber jetzt vielleicht einzelne Möbelstücke oder so.
Dorle Bahr [00:29:53] Ich würde vielleicht einfach nur ein ganz kurz, der EcoBeautyScore als natürlich ein Tool, das wir eingeführt haben, eine Initiative, an die wir uns angeschlossen haben, weil sie hundertprozentig zu unserem Ansatz der Nachhaltigkeitsstrategie passt. Wir haben eine Strategie, die halt über verschiedene Aspekte geht, aber wo Klima auch eine ganz große Rolle spielt. Und da haben wir eben auch schon vieles erreicht. Und auch das spiegelt sich wider in den Produkten. Wir sind genauso wie Tchibo Net Zero verpflichtet, also wollen eine Netto-Null-Emission bis 2045 haben und sind auch anerkannt bei der Science Based Targets Initiative. Und das freut uns total, dass jetzt deswegen Tchibo uns auch jetzt hier in diesen Podcast miteinlädt, um dann auch zu zeigen, was wir zum Thema Nachhaltigkeit machen, weil, das ist tatsächlich ein Ziel, was uns verbindet. Und wir sind schon total stolz darauf, dass wir auch da schon über ein Viertel unsere Emissionen reduzieren konnten seit 2018. Das ist natürlich ein ganz tolles Achievement, das wir da haben.
Ralf Podszus [00:30:41] Vielleicht macht auch bald Tchibo mit dem EcoBeautyScore mit, man kann sich ja auch Kaffee ins Gesicht so packen. Ja, das ist vielleicht auch gut für die Haut. Machen einige.
Anke Pilzner [00:30:49] Das wäre dann ein Boost Produkt, da haben wir leider noch keine Methode für.
Ralf Podszus [00:30:53] Da hab ich wieder eine tolle Idee hier mit auf den Tisch gebracht.
Anke Pilzner [00:30:55] Die Idee ist super.
Ralf Podszus [00:30:56] Anke und Dorle, danke, dass ihr dafür so gekämpft habt. Ja, und ich stelle mir das auch vor, 70 verschiedene Firmen, allein wie groß muss dieser Raum gewesen sein, wo ihr dann alle wart und was so die Belange von allen sind, bis es überhaupt mal so richtig losging. Ich stelle mir das auch so vor wie bei der EU. Dann ist da so eine Firma dabei, so ein Orban, der das alles verwässern möchte. Da muss man da erst mal so gegen ankämpfen. Und das war bestimmt nicht einfach, jahrelang so eine Schlacht an einem riesengroßen, runden Schreibtisch zu kämpfen, oder?
Dorle Bahr [00:31:25] Genau, der war zum Glück virtuell, der Schreibtisch. Gott sei Dank, dass wir in Teams Meetings gewesen sind.
Ralf Podszus [00:31:29] Aber es müssen auch wahnsinnig viele Leute drin gewesen sein, viele, viele Firmenverantwortliche.
Dorle Bahr [00:31:33] Ja, viele Firmenverantwortliche, viele gegenläufige Interessen, vor allen Dingen, wenn es dann von der Idee, die erstmal alle natürlich teilen, dann in die konkrete Umsetzung kommt, dann kann man im Detail sich verlieren, da auch einen gewissen Pragmatismus walten zu lassen, dass nicht jeder seine Firmeninteressen durchbringen kann. Das war glaube ich ein Lerneffekt, den wir alle hatten, wo man auch dann sagen muss, wir haben die Hüte gewechselt immer. Wir haben immer gesagt, jetzt habe ich den Hut jetzt, ich bin Teil des Management Boards beim EcoBeautyScore, dass ich mal für den EcoBeautyScore spreche, mal spreche ich für Beiersdorf. Und das können nicht alle gleichzeitig, dass man dann sagt, wie kann ich den besten Kompromiss finden, weil, auch das bei einer Kooperation mit so vielen Leuten geht es am Ende nur über Kompromisse. Nicht Kompromisse in der Methodik, aber Kompromisse, beispielsweise wie ich Segmente zuschneide oder Kompromisse, welche Priorität setze ich? Also wir haben jetzt Gesichtspflege und Dusche und Haarpflege draußen. Was passiert eigentlich... Andere hätten vielleicht eine andere Kategorie gerne gehabt. Andere hatten vielleicht gerne Make-up gehabt oder hätten andere dekorative Kosmetik gehabt. Und das festzulegen, das ist nicht so ganz einfach und das ist in der Tat, braucht viel Pragmatismus, viel Weitsicht.
Ralf Podszus [00:32:36] Und auch Ellbogen.
Dorle Bahr [00:32:37] Und Ellbogen, ja.
Ralf Podszus [00:32:39] Der EcoBeautyScore zeigt, wieviel in Sachen Nachhaltigkeit möglich ist, wenn Unternehmen nicht nur allein, sondern gemeinsam handeln und er gibt uns als Käufer und auch Käuferinnen ein einfaches Tool an die Hand, bewusster zu entscheiden. Und ich finde das ja klasse, wenn ich transparent auf einem Produkt auch in einer angenehmen Schriftgröße einfach und klar lesen kann. Kannste kaufen! Ist voll okay. Ja. Das hat mir wieder gefallen hier bei euch. Lieber Beiersdorf in Hamburg-Eimsbüttel. Danke, dass ich wieder dabei sein durfte.
Dorle Bahr [00:33:07] Immer gerne.
Ralf Podszus [00:33:08] Vielen Dank an Dorle Bahr und Anke Pilzner für die interessanten Einblicke, danke euch fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann teilt sie gerne, abonniert am besten 5 Tassen täglich und gebt uns Feedback, schreibt gerne eine E-Mail an podcast@tchibo.de. Dieser Podcast läuft überall, wo es Podcasts gibt, zum Beispiel auch bei Audible, Spotify oder YouTube. Denkt dran, Nachhaltigkeit beginnt bei kleinen Entscheidungen, vielleicht ja bei der nächsten Pulle Duschgel. Ich achte mal drauf, bis zum nächsten Mal.
Station Voice [00:33:41] 5 Tassen täglich, der Tchibo-Podcast. Ihr habt Fragen oder Anregungen zu dieser Podcastfolge? Wir freuen uns auf eure E-Mail an podcast@tchibo.de