#132 Traumjob: Kaffeeeinkäuferin
Unsere Miniserie „Arbeiten im Kaffeeparadies“ geht weiter – und wir starten ins neue Jahr mit einem Job, ohne den bei Tchibo schlicht kein Kaffee fließen würde. Denn bevor Espresso, Filterkaffee oder Caffè Crema bei uns in der Tasse landen, beginnt ihre Reise tausende Kilometer entfernt: auf Vulkanböden, in den Hochlagen der Anden, auf kleinen Farmen in Lateinamerika.
In unserer neuen Folge von „5 Tassen täglich“ ist Theda Behrens zu Gast. Sie ist Tchibo Kaffeeeinkäuferin für Lateinamerika und bei ihr läuft vieles zusammen.
Kaffee einkaufen heißt Verantwortung übernehmen
Theda ist Kaffeeeinkäuferin für Lateinamerika. Sie sorgt dafür, dass die richtigen Rohkaffees zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und zum richtigen Preis bei Tchibo ankommen. Dafür reist sie regelmäßig in Ursprungsländer wie Guatemala, Kolumbien, Honduras und Peru, spricht fließend Spanisch, kennt Farmerinnen und Farmer persönlich – und verhandelt mit Kooperativen, Exporteuren und Handelshäusern.
Kaffee ist dabei alles andere als ein simples Handelsprodukt. Er ist ein hoch sensibles Naturprodukt, abhängig von Klima, Wetter, politischen Rahmenbedingungen und globalen Märkten.
„Ich mag die Verantwortung. Ich treffe gerne Entscheidungen – aber man muss sich dafür sehr gut informieren und flexibel bleiben.“ Theda Behrens
Frost in Brasilien, Dürreperioden, zu viel Hitze, Währungsschwankungen oder politische Entwicklungen – all das beeinflusst Ernten, Preise und Verfügbarkeiten. Deshalb beobachtet Theda nicht nur Märkte, sondern auch Wetterentwicklungen (oft genauer als manche Meteorolog:innen).
60 bis 150 Tassen Kaffee – jeden Tag
Ein zentraler Teil von Thedas Arbeit findet nicht im Flugzeug oder im Meetingraum statt, sondern im Verkostungsraum. Beim sogenannten Cupping verkostet sie täglich zwischen 60 und 150 Tassen Kaffee, um Qualitäten zu bewerten, Mischungen abzustimmen und sicherzustellen, dass der Geschmack für Kundinnen und Kunden konstant bleibt.
Denn obwohl sich Ernten, Länder und Qualitäten verändern, soll der Kaffee in der Tasse immer gleich schmecken.
„Ich stehe morgens auf, ich gehe zur Arbeit, weiß aber oftmals nicht, was auf mich zukommt, weil immer irgendwas Unerwartetes passieren kann.“ Theda Behrens
In dieser Folge spricht Theda außerdem darüber,
- warum Lateinamerika eine Schlüsselrolle im Tchibo Kaffeeeinkauf spielt,
- wie Qualität, Preis, Verantwortung und Nachhaltigkeit zusammengebracht werden
- und wie es ist, als Frau in einer nach wie vor männlich geprägten Handelswelt zu verhandeln.
Jetzt reinhören und erfahren, wie Kaffee seinen Weg vom Hochland bis nach Hamburg findet.
Lust auf Arbeiten im Kaffeeparadies?
Dann schaut euch die aktuellen Jobmöglichkeiten auf der Tchibo Karriereseite an und für noch mehr Einblicke folgt @tchibo_karriere auf Instagram.
Psst … In der nächsten Folge unserer Miniserie „Arbeiten im Kaffeeparadies“ stellen wir schon den nächsten spannenden Job bei Tchibo vor. Dranbleiben lohnt sich!
Transkript
Theda [00:00:03] Also ich mag die Verantwortung. Ich treffe gerne Entscheidungen. Es ist aber natürlich auch so, dass man viel dafür arbeiten muss und sich viel informieren muss. Was passiert in den Ländern? Wie entwickelt sich auf der einen Seite eben die Kaffee-Produktion in den Ländern? Aber was für uns natürlich auch sehr entscheidend ist, wie entwickelt sich z.B. Die politische Situation. Kaffee wird auch in US-Dollar gehandelt und dementsprechend sind z. B. Die lokalen Währungen und die Umrechnungskurse zwischen beispielsweise dem kolumbianischen Peso und dem US-Dollar sehr wichtig für uns - und das einschätzen zu können, weil das auch wieder Einfluss auf die Preise hat, ist extrem wichtig für unser Tagesgeschäft. Und von daher, ich finde es einfach super spannend, dass es immer wechselnd ist. Also ich stehe morgens auf, ich gehe zur Arbeit. Ich weiß aber oftmals nicht, was jetzt heute auf mich zukommt, weil immer irgendwas Unerwartetes passieren kann.
Station Voice [00:00:58] Fünf Tassen täglich, der Tchibo Podcast.
Ralf [00:01:06] Ich bin in der Kaffeeakademie bei Tchibo, vor mir Barista Indre - und du hast schon die Kastanetten in der Hand und irgendwie kommt so ein bisschen spanisches Flair hier rein in den Raum. Woran liegt das wohl?
Indre [00:01:18] Vielleicht, weil ich einen Latin Grande zubereitet habe, der die lateinamerikanischen Vibes hier nochmal verstärkt.
Ralf [00:01:27] Und mit den Schuhen könntest du auch...
Indre [00:01:28] ...Mit den Schuhnen wirds wahrscheinlich nichts mit dem Klappern, aber...
Ralf [00:01:31] ...Barista-Treter, die sind dann doch eher standfest.
Indre [00:01:33] Wir sind da sehr gemütlich unterwegs.
Ralf [00:01:34] Ob Baustelle oder Kaffeeakademie, das kann man beides so anziehen... - Ja, aber jetzt haben wir trotzdem ein bisschen spanisches Flair. Und was ist das genau für ein Kaffee?
Indre [00:01:44] Das ist einer unserer Privatcafés, einer der beliebtesten Privatcafés, die wir haben. Kommt aus Lateinamerika...
Ralf [00:01:50] ...Lass´ mich raten, er kommt aus Lateinamerika...
Indre [00:01:52] ...Jetzt, wo du es sagst, ja: er kommt aus Lateinamerika und hat so eine schöne, nussige, schokoladige Note.
Ralf [00:01:59] Dann freut sich mein Gast gleich genau darauf, ist nämlich seine Bestellung. Und ich freu mich auf meinen Gast. Danke Indre.
Indre [00:02:04] Dann geh tanzend rüber.
Ralf [00:02:07] Genau, wir klackern mit den Kastanetten. [Kastanetten-Sound] Wir fangen direkt mal mit einem Quiz an. Theda, bist du bereit?
Theda [00:02:15] Ja, schiess los.
Ralf [00:02:16] Ich sag dir jetzt beeindruckende Fakten über ein Land, und du sagst mir, um welches Land es sich handelt, okay? Wo gibt es in beeindruckender Naturkulisse Kaffeeanbau auf vulkanischen Böden?
Theda [00:02:30] Das könnte auf jeden Fall Guatemala sein. Also die Vulkanlandschaft in Guatemala ist ein Traum. Wenn man durch die Landschaft fährt, durch die Gegend, man startet zum Beispiel in Guatemala City, fährt dann Richtung Antigua und dann fährt man eben an Vulkanen vorbei, wie Fuego beispielsweise. Und diese Landschaft ist einfach super beeindruckend und direkt daneben wächst dann Kaffee. Das ist schon sehr, sehr schön zu sehen.
Ralf [00:02:52] Ist richtig und sieht wunderschön aus, auf Fotos. Ich habe nur die Fotos gesehen, du warst ja direkt da vor Ort. Nächstes Land, hier gibt es komprimiert alle Klimazonen von 30 Grad an Stränden bis zu eisigen Gletschern und das nur wenige Fahrstunden auseinander.
Theda [00:03:10] Kolumbien.
Ralf [00:03:11] Richtig, genau. Was ist das Faszinierende an diesem Land?
Theda [00:03:16] In Kolumbien hat man einfach auch durch die Anden super viele verschiedene Klimazonen und es ist einfach eine Wahnsinnslandschaft, die sich dort vorfindet. Traumhaftes Land, super nette Menschen.
Ralf [00:03:27] Weiter geht's. Sag mir bitte, wo ist der schönste See der Welt? Der See liegt in beeindruckender Höhe von etwa 1560 Metern und wird von drei Vulkanen eingerahmt. Herrliche Ruhe drumherum und man kann beeindruckende Sonnen auf- und Untergänge genießen.
Theda [00:03:44] Das ist bestimmt der Attilansee in Guatemala.
Ralf [00:03:48] Richtig! Kann man da auch baden?
Theda [00:03:49] Ja.
Ralf [00:03:50] Bist du schon mal drin gewesen?
Theda [00:03:51] Nee, war ich noch nicht.
Ralf [00:03:53] Und wie sieht das aus? Also ich habe auch wieder Bilder gesehen, da würde ich einfach einmal gerne rumgehen durch die Natur und auch mal ins Wasser springen.
Theda [00:03:59] Also das kann ich dir nur empfehlen, es sieht auf jeden Fall traumhaft aus, wenn man diesen See hat zwischen den ganzen Vulkanen, landschaftlich spektakulär.
Ralf [00:04:07] Und sind die noch aktiv? Kann da auch mal irgendwas passieren? Also angenommen, du schwimmst da gerade raus und dann gehen da drei Vulkane hoch...
Theda [00:04:14] Ja, tatsächlich ist auf jeden Fall der Fuego, der Vulkan, der ist noch aktiv, der bricht auch relativ regelmäßig aus und das kann eben auch ein Thema für die Kaffeeregionen sein, die da in der Ecke sind.
Ralf [00:04:27] Also dann hast du da eine Kaffeeplantage gebaut und dann fließt da leider einfach mal Lava drüber, oder wie?
Theda [00:04:32] Wenn sie wirklich schlimm ist, ja, das kann passieren.
Ralf [00:04:34] Ein letztes Land hätte ich noch. Ich möchte von dir noch wissen, wo ist das beste kulinarische Reiseziel der Welt, was einige Experten sagen darüber. Und was schmeckt dir dort am besten?
Theda [00:04:46] Das muss Peru sein?
Ralf [00:04:47] Ja, tatsächlich.
Theda [00:04:48] Die Küche in Peru ist weltweit bekannt und mir persönlich schmeckt am besten Ceviche. Das ist glaube ich der Klassiker, aber es ist einfach wahnsinnig lecker.
Ralf [00:05:00] Und auch die Kombination aus Reis mit Kartoffeln und dann so Rinderwürfel dazu, finde ich beim Peruaner irgendwie sehr, sehr lecker, muss ich sagen, ja.
Theda [00:05:07] Und ich kann übrigens auch noch zum Trinken empfehlen Pisco Sour und Chilcano.
Ralf [00:05:11] Also auf jeden Fall mal ab nach Peru, von der Landschaft und vom Essen her ganz wichtig. Das sind alles Naturwunderländer, die ihr eben gehört habt und bei denen können unsere Augen sich gar nicht genug satt sehen. Hallo und herzlich willkommen zu "5 Tassen täglich" eurem Podcast zu heißem Kaffeewissen und einzigartigen Einblicken in die Tchibo-Welt. Heute geht es weiter mit unserem Job-Special. Hier stelle ich Menschen vor, ohne die bei Tchibo gar nichts laufen würde. Tatsächlich würde es ohne meinem heutigen Gast keinen Kaffees geben. Dann wäre Tchibo kein Röstkaffee-Marktführer in Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn. Herzlich willkommen, Theda Behrens, hi!
Theda [00:05:49] Hi. Vielen Dank.
Ralf [00:05:50] Theda, du bist die Kaffee-Einkäuferin für Lateinamerika. Wir sprechen heute über deine Verantwortung. Wenn du dich irrst, dann fehlt gleich mal ganz schön viel Umsatz. Und wir hören von dir auch, wie es sich als Frau in einer lateinamerikanischen und vor allem männerdominierten Wirtschaft anfühlt und wie du dich da so durchverhandeln musst. Schön, dass du da bist.
Theda [00:06:10] Vielen Dank, es ist schön hier zu sein.
Ralf [00:06:12] Bevor wir tief einsteigen: du trinkst im Alltag am liebsten Latin Grande. Warum? Und wie viele Tassen Kaffee pro Tag? Und von Indre schon schön zubereitet, steht die Tasse Kaffee vor dir.
Theda [00:06:23] Ja, genau, Latin Grande ist mein Lieblingskaffee. Ich bin etwas vorbelastet, weil ich den Kaffee für das Produkt auch einkaufe. Also da geht eben Kaffe rein, beispielsweise aus Guatemala, Kolumbien, Honduras. Ich mag den Kaffee total gerne, weil er so eine leichte Süße mit dabei hat, schokoladig ist, ein bisschen Körper hat, sehr ausbalanciert ist. Und davon kann ich einfach den ganzen Tag was trinken. Es gibt natürlich auch noch viele andere tolle Cafés, aber die sind dann manchmal ein bisschen spezieller, haben mehr Säure oder … eben sehr fruchtige Noten und davon genieße ich dann lieber mal eine Tasse, aber wenn ich wirklich über den Tag mehr trinke, dann ist es der Latin Grande.
Ralf [00:07:01] Theda, du kaufst Rohkaffee für Tchibo ein, und zwar vor allem gewaschene Arabicas aus Lateinamerika. Was genau machst du und warum ist dieser Job so entscheidend für unseren Kaffee?
Theda [00:07:12] Naja, so entscheidend für unseren Kaffee, wir kaufen die Rohware bei uns im Bereich ein. Das heißt, wir sind ein paar Einkäufer und Einkäufferinnen und wir kaufen eben aus ungefähr zehn bis zwölf Ländern weltweit, kaufen wir eben die Rohware ein für Tchibo. Und das bedeutet für uns, dass wir eben auch regelmäßig vor Ort sind, dass wir die Produzenten oder Kooperativen auswählen, die Exporteure auswählen, mit denen Gespräche führen und eben gucken, wie können wir... die besten Qualitäten zum bestmöglichen Preis pünktlich nach Hamburg geliefert bekommen. Das ist die Hauptaufgabe bei uns im Einkauf.
Ralf [00:07:50] Du kennst die Farmer in Guatemala, Honduras, Kolumbien und Peru und du verhandelst vor Ort auch Preise. Also, das heißt, du checkst Qualitäten, machst dir ein Bild von den Aufbereitungsmethoden und du beobachtest zum Beispiel auch das Wetter in Brasilien genauer als manche Metrologen. Warum musst du das Wetter so genau kennen?
Theda [00:08:08] Für uns ist das ganz entscheidend, weil Brasilien ist das größte Anbauland der Welt. Und um mal so eine Idee zu geben zur Einordnung, Brasilien produziert so ungefähr 65 Millionen Sack Rohkaffee, also 60 Kilo, also wir rechnen immer noch in Säcken. Und das zweitgrößte Produktionsland ist Vietnam und das produziert nur noch 30 Millionen Sack. Also deswegen ist es einfach so relevant zu sehen, wie entwickelt sich die Ernte in Brasilien und da Kaffee ein Naturprodukt ist gehört es natürlich auch dazu, eben das Wetter im Blick zu behalten und zum Beispiel Frost ist extrem kritisch für Kaffeepflanzen. Die können dann eben kaputt gehen und wir haben aber natürlich mittlerweile auch Themen wie eben Dürre, zu viel Hitze. Ein Kaffeedaum braucht Stress, der braucht auch eine gewisse Hitze, der er ausgesetzt ist, aber wenn es eben zu viel ist, auch dann kann natürlich die Produktion und die Pflanze darunter leiden.
Ralf [00:09:03] Ich stelle mir das jetzt so vor, Theda landet gerade in Brasilien, steigt mit ihren 1,63m, ihren dunklen kurzen Haaren aus, mit einer stylischen Sonnenbrille und dann zack, kurz mal eben den Finger in die Luft gestreckt und dann: "Ach so ist das Klima..." Und dann weiß sie gleich, zack zack das bedeutet das für die Kaffeeernte, das und das muss ich an Säcken jetzt hier bereithalten und kaufen. Wie muss ich mir das vorstellen, wie gehst du da vor?
Theda [00:09:25] Ja, schön wäre es, wenn es so einfach wäre. Also tatsächlich ist es manchmal dann doch eher etwas trockener, dass wir bombardiert werden mit verschiedensten Wetterberichten und Grafiken, wie sich eben die Temperaturen verändern in den unterschiedlichen Regionen, also weil die Kaffeeanbaugebiete sind natürlich auch sehr groß und sind übers Land verteilt und nur weil es möglicherweise in der einen Region zu trocken sein kann, bedeutet das nicht, dass die anderen Regionen auch davon betroffen sind. Und deswegen muss da eben differenziert werden. Wir hören uns dann eben auch ganz viele verschiedene Berichte an. Wir arbeiten zum Beispiel mit lokalen Exporteuren zusammen und Kooperativen, aber eben auch mit internationalen Handelshäusern. Und auch da die unterschiedlichen Blickwinkel und Kommentare zu hören, ist für uns einfach essentiell, um uns das perfekte Bild zu machen oder das bestmöglichste Bild von der Situation vor Ort zu machen. Und dann ist es eben so, wenn wirklich kritische Zeitpunkte sind, dann fährt in erster Linie mein Kollege Jan Wagenfeld, der im speziellen Brasierien betreut und den Kaffee dort einkauft, eben auch hin und guckt sich an, wie ist jetzt gerade das Wetter, aber eben auch, wie sehen die Pflanzen aus, in welchem Zustand sind die, wie es zum Beispiel auch die Entwicklung der Blüte, hat die verteilt stattgefunden, die Blüte - oder war die auf einmal und wie ist dann eben auch die Entwicklung der Kirsche in den Folgewochen und dafür ist er dann auch regelmäßig auch vor Ort in Brasilien.
Ralf [00:10:51] Liebe Grüße an Jan, war ja auch schon hier bei "5 Tassen täglich", hat auch mal bei einer Podcast-Verkostung mitgemacht, könnt ihr euch gerne mal anhören. - Musst du auch so ein bisschen Metrologiekenntnisse haben, also wenn du die ganzen Wetterkarten da vor der Nase hast, das sieht teilweise ja ziemlich wild aus, mit ganz vielen Kreisen und Strichen, Farben... Also, ich kapier's nicht.
Theda [00:11:09] Also glücklicherweise wird uns das immer sehr gut erklärt. Bei uns wird zum Beispiel auch viel über El Niño, La Niña gesprochen, also was dann eben weltweite Auswirkungen haben kann auf das Klima. Das eine ist, dass es dann eben in gewissen Regionen zu nass ist, das andere, dass das eben zu trocken sein kann. Aber wenn es dann wirklich um die Details geht, da kriegen wir natürlich auch sehr, sehr gute Erklärungen mit dazu geliefert - sollte es mal nicht eindeutig lesbar und erkennbar sein, was wir da an Unterlagen zugeschickt bekommen. Und eben das persönliche Gespräch mit den Leuten vor Ort ist dabei dann auch ganz wichtig.
Ralf [00:11:42] Wenn du siehst, dass das Wetter oder auch Naturkatastrophen den Kaffee bedrohen, musst du dann ganz schnell handeln und auch andere Partnerinnen und Partner ins Boot holen. Und was passiert mit den Farmern und Farmerinnen, die auf ihren Kaffee sitzen bleiben? Heißt das für sie dann: komplett Pech gehabt, wir nehmen den nächsten?!
Theda [00:11:59] In der Regel werden nicht so schnell Entscheidungen getroffen. Also nur weil es jetzt heißt, dass es beispielsweise ein bisschen zu trocken sein könnte oder zu viel regnet, heißt es nicht, dass wir direkt die Implikationen dessen auch sehen. Also weil eine Kaffeekirsche braucht etwa neun Monate, bis sie sozusagen herangewachsen ist und sich am Baum entwickelt hat. Und von daher gibt es oftmals gar nicht den einen entscheidenden Moment. Der Einfluss hat, sondern es ist oftmals eine Verkettung von Umständen, die auch die Ernte beeinflussen kann. Weil es kann natürlich sein, dass heute dann Frost auftritt, ja, das wird Einflüss haben, aber es kann ja sein, das zwei Wochen später oder zwei Monate später dann noch ein Ereignis eintritt. Und deswegen ist es für uns so wichtig, das ganze Jahr über die Ernte zu verfolgen und eben die Entwicklung der Pflanze und der Kirschen am Baum eben auch mit zu begleiten. Weil es immer Veränderungen geben kann. Und von daher ist es auch eher eine mittel- bis langfristige Planung, von wem wir kaufen und wie wir eben dann damit umgehen, ob wir auf andere Länder switchen müssen oder ähnliches.
Ralf [00:13:11] Also auch die Farmer und Farmerinnen können sich dann darauf einstellen, dass nicht von heute auf morgen stopp ist?
Theda [00:13:16] Es ist eher so, der Farmer verkauft, wenn er verkaufen möchte und an wen er verkaufen möchte. Nur weil Tchibo heute nicht im Markt ist, heißt es nicht, dass er die Ware zum Beispiel nicht verkaufen kann. Also das sind ja auch oft wechselnde Farmer, von denen wir die Ware beziehen. Kaffeeanbau ist ein extrem kleinteiliges Geschäft und deswegen sind es eben auch nicht die gleichen Farmer von denen wir jährlich den Kaffees beziehen.
Ralf [00:13:41] Dein Job klingt so ein bisschen wie ein Abenteuerfilm. Ursprungsländer, Farmerbesuche, Cuppings, Ernten, Preisverhandlungen, Qualitätssicherung. Wie bist du in diese Welt hineingerutscht und hast du so einen Indiana Jones Hut auf?
Theda [00:13:54] [lacht] Ich bin in diese Welt hineingerutscht, weil ich schon immer gerne was mit Lebensmitteln machen wollte. Und tatsächlich am liebsten auch mit Rohstoffen. Und dadurch, dass ich in der Schulzeit eine Zeit lang in Argentinien gelebt habe, fand ich Lateinamerika auch ganz spannend. Und so kam dann eins zum anderen und ich habe nach dem Abitur dann erst eine Ausbildung gemacht zur Großen Außenhandelskauffrau bei einem anderen Röster. Also die Ausbildung war auch richtig auf Rohkaffeehandel ausgerichtet. Und ich habe dann noch studiert, BWL und Wirtschaftspsychologie, aber Kaffee ist mir halt ans Herz gewachsen. Und deswegen bin ich dann auch Kaffee treu geblieben und bin jetzt mittlerweile gut 14 Jahre im Kaffegeschäft.
Ralf [00:14:37] Warum hast du in Argentinien gelebt?
Theda [00:14:39] Weil ich gerne Spanisch lernen wollte. Und Spanien als Land war mir ein bisschen zu nah dran. Und da dachte ich auch, warum nicht Argentinien? Und bei mir in der Schule hatten welche Kontakte nach Argentinien. Und dann haben wir da eben den Kontakt zu einer Schule aufgebaut. Und wir haben uns private Gastfamilien gesucht. Und dann hatten wir eben so einen Austausch aufgebaut.
Ralf [00:14:58] Klingt ganz interessant. Und was nimmst du aus der Kultur, aus der argentinischen Kultur mit? Wie prägt die dich auch bis heute?
Theda [00:15:06] Oh, gute Frage. Ich glaube, da habe ich einfach die lateinamerikanische Luft geschnuppert und so ein bisschen auch dieses Temperament, diese Lebensfreude kennengelernt. Das, was uns manchmal in Deutschland im Alltag vielleicht abhanden kommt oder nicht immer so sichtbar ist. Die leben da einfach ganz anders. Und was mir dort auch nochmal bewusst geworden ist, ist einfach, welchen Wert Familie hat. Weil wir haben da... Mehrmals in der Woche waren wir mit der Familie unterwegs, mit Oma, Tante, Onkel, Cousine, Cuisine. Das wird einfach noch mal ganz anders zelebriert als hier oftmals.
Ralf [00:15:42] Hört sich sehr schön an. Du reist zwei Mal im Jahr in die Ursprungsländer, sprichst fließend Spanisch, das ist ja schon klar, weil du da eben auch schon gelebt hast, und verhandelst dann in Ländern, in denen Machismo noch total präsent ist. Wie ist es für dich als junge Frau, in diesen Traditionen zu verhandeln, und wie reagieren die Partner dort auf dich, wenn diese zierliche Kaffeexpertin vor ihnen steht?
Theda [00:16:06] Also der Umgang ist super respektvoll, das ist immer sehr, sehr nett. Das ist natürlich auch so, die Verhandlungen, die wir führen, die führen wir beispielsweise mit den Exporteuren. Die führen wir nicht mit den individuellen Farmern, weil die in der Regel gar nicht so viel produzieren, dass wir mit denen direkte Verträge abschließen können, sondern das wird dann eben gesammelt und über Exporteure verkauft und mit denen verhandeln wir dann. Und es ist eben auch so, es herrscht dann natürlich der Machismo vor. Mir gegenüber wird das nicht immer so verdeutlicht, bzw. Ich bekomme dann eher die positiven Aspekte davon zu sehen, weil es eben so, ich bin dann ein Gast dort vor Ort und die sind einfach super gastfreundlich und hier würde man sagen, dass die Männer dann sich sehr wie ein Gentleman verhalten beispielsweise, also sie sind immer sehr zuvorkommend. Dass Frauen dort manchmal eine andere Rolle innehaben, krieg ich eher am Rande mit. Weil ich aber natürlich auch auf der Einkäuferseite stehe. Also am Ende des Tages wollen mir die Leute natürlich auch ihren Kaffee verkaufen, was ein großer Vorteil für mich so ist. Man muss eben auch aufpassen, was ist, ich sag jetzt mal, ernst gemeint und wo wollen sie dir halt wirklich nur was verkaufen. Und wenn ich das zum Beispiel vergleiche, es gibt natürlich auch einige Frauen mittlerweile im Handel, also auf der Verkaufsseite von Rohkaffee. Und für die ist es mit Sicherheit deutlich schwieriger an der einen oder anderen Stelle, weil die einfach noch eine andere Position innehaben.
Ralf [00:17:36] Wie fühlt es sich an, diese Verantwortung für so große Volumen zu tragen? Also wenn du dich irrst, dann kann es finanzielle Millionenverluste geben, oder? Und wahrscheinlich hast du dich noch nicht geirrt, weil du hier vor mir sitzt.
Theda [00:17:49] [lacht] Zumindest kann der Fehler da nicht so groß gewesen sein. - Nein, das ist natürlich... Also ich mag die Verantwortung. Ich treffe gerne Entscheidungen. Es ist aber natürlich auch so, dass man viel dafür arbeiten muss und sich viel informieren muss: was passiert in den Ländern? Wie entwickelt sich auf der einen Seite eben die Kaffeeproduktion in den Ländern? Aber was für uns natürlich auch sehr entscheidend ist, wie entwickelt sich zum Beispiel die politische Situation? Also Kaffee wird auch in US-Dollar gehandelt. Und dementsprechend sind zum Beispiel die lokalen Währungen und die Umrechnungskurse zwischen beispielsweise dem kolumbianischen Peso und dem US-Dollar sehr, sehr wichtig für uns. Und das einschätzen zu können, weil das auch wieder Einfluss auf die Preise hat, ist extrem wichtig für unser Tagesgeschäft. Und von daher, ich finde es einfach super spannend, dass es immer wechselnd ist. Also ich stehe morgens auf, ich gehe zur Arbeit. Ich weiß aber oftmals nicht, was jetzt heute auf mich zukommt, weil immer irgendwas unerwartetes passieren kann.
Ralf [00:18:47] Jetzt kommen wir zu unserem traditionellen kleinen Ritual. Die "5 Tassen täglich" Speed Round. 6 schnelle Entscheidungen und du antwortest ohne nachzudenken sofort. Wir legen los! Arabica oder Robusta?
Theda [00:18:59] Arabica.
Ralf [00:19:00] Ursprungsland? Kolumbien oder Honduras?
Theda [00:19:03] Kolumbian.
Ralf [00:19:04] Ja... Da haste schon kurz eine Sekunde überlegt. - Cupping? Einmal sicher oder lieber zweimal probieren?
Theda [00:19:09] Einmal sicher.
Ralf [00:19:10] Farmer-Besuch mit dem Jeep oder Pferd, Esel oder Hubschrauber.
Theda [00:19:15] Jeep.
Ralf [00:19:17] Lieber beste Qualität oder bester Preis.
Theda [00:19:20] Beste Qualität.
Ralf [00:19:21] Was ist schlimmer: zu viel Regen oder zu viel Hitze?
Theda [00:19:24] Zu viel Hitze.
Ralf [00:19:25] Oder zu viel Lava.
Theda [00:19:26] [lacht].
Ralf [00:19:26] Du schaust auf Erntezyklen, Qualitäten, Preise, Verfügbarkeiten, Wetterentwicklungen und Nachhaltigkeitsprojekte. Was macht deinen Job so dynamisch und warum gibt es bei dir keinen typischen Tag?
Theda [00:19:40] Also zum einen habe ich natürlich das Glück, dass ich mit vielen verschiedenen Ländern zusammenarbeite und eben auch vielen verschiedenen Unternehmen und Personen in den Ländern. Dadurch, dass wir eben sowohl von Kooperativen als auch von Exporteuren und internationalen Handelshäusern kaufen, habe ich schon mal verschiedene Ansprechpartner, die mir eben auch verschiedene Informationen mitgeben können. Und dann ist es eben ganz spannend zu sehen, wie entwickelt sich die Nachfrage auch. Also weil das eine ist natürlich: wie entwickeln sich die Produktionsmengen in den Ländern? Und das andere aber auch, wie entwickelt sich die Nachfrage? Und wir haben jetzt momentan zum Beispiel die Situation, wir haben seit einigen Monaten die Diskussion seitens der USA, was Zölle betrifft. Und davon sind die Anbauländer eben auch betroffen. Also beispielsweise wird es ein 40% Zoll auf brasilianische Rohkaffees geben oder 10% Zölle auf kolumbianische Rohkaffees. Und das kann natürlich auch sehr schnell Einfluss haben auf Warenströme. Weil sich dann vielleicht Märkte wie die USA umentscheiden und sagen, Mensch, wenn ich jetzt so viel Zoll bezahlen muss, dann gehe ich jetzt vielleicht eher nach Honduras statt nach Kolumbien. Und wir sehen einfach, dass der Markt immer erratischer geworden ist, also weltweit gesehen. Und deswegen kann auch immer was passieren, womit wir gerade nicht gerechnet haben. Ein anderes Beispiel wäre, was die Lieferketten angeht. Also, wer hat damit gerechnet, dass mal irgendwann ein Containerschiff im Suezkanal stecken bleibt? Und all diese Themen betreffen uns halt im Tagesgeschäft und da müssen wir dann eben kurzfristig darauf reagieren und müssen Entscheidungen treffen, wie gehen wir damit um, wenn eben eine neue Situation eintritt und wie können wir sicherstellen, dass der Warenstrom nach Deutschland eben gesichert ist und wir natürlich auch immer die Qualitäten zur Verfügung haben, die wir für unsere Produkte benötigen.
Ralf [00:21:31] Ein wichtiger Teil deiner Arbeit ist das Thema Nachhaltigkeit in den Ursprungsländern. Projekte mit kooperativen Exporteuren, Farmern, alles verzahnt mit den Mengen, die wir kaufen... Wie schafft man es gleichzeitig Qualität, Klimaeinflüsse, Preise und dann auch nachhaltige Wirkung zusammenzubringen?
Theda [00:21:48] Das ist ein hochkomplexes Thema.
Ralf [00:21:51] Das hört sich auch nicht einfach an, Theda.
Theda [00:21:52] Also, wie wir natürlich an das Thema rangehen, ist, wir haben ein Kaffeeprogramm aufgesetzt. Das heißt, wir gucken uns an, aus welchen Ländern und aus welcher Region wir die Rohkaffees beziehen und mit welchem Partnern wir eben vor Ort arbeiten. Und dann analysieren wir die Situation innerhalb der Lieferketten. Und die Situationen sind komplett unterschiedlich. Also, in einigen Ländern haben wir eben Themen wie beispielsweise... hohen Einsatz von Pestiziden und unzureichenden Düngemitteln. In anderen Ländern haben wir eher soziale Aspekte. Also zum Beispiel in Guatemala gibt es sehr viele indigene Völker, die eben auch Kaffee anbauen. Wir haben sehr, sehr viele Kaffeesplantagen, die weit weg sind von Städten. Das heißt, die Frage ist immer, wie ist die Infrastruktur dort vor Ort? Gibt es beispielsweise Schulen vor Ort, wie kann man solche Themen angehen? Reicht der Ertrag einer kleinen Kaffeeplantage als Lebensunterhalt oder muss man zum Beispiel weitere Einkommensmöglichkeiten anbieten und das führt eben dazu, dass wir in den verschiedenen Ländern und in den verschieden Lieferketten, in denen wir arbeiten, auch ganz unterschiedliche Projekte aufbauen. Mal geht es eben um Wasserreduktion und auf der anderen Seite geht es darum zusätzliche Einkommen für die Kaffee-Farmer und Farmerinnen aufzubauen.
Ralf [00:23:12] Du arbeitest eng mit Produktentwicklung und Qualitätslaboren zusammen, checkst auch neue Chargen, Mischungen und deren Kosten. Wie entscheidest du, welchen Kaffee wir wann einsetzen und wie flexibel müssen unsere ganzen Mischung auch sein? Die sollen ja auch immer gleich schmecken.
Theda [00:23:27] Also der wichtigste Aspekt ist natürlich, wann hat welches Land Ernte? Und die meisten Kaffeeanbauländer haben eben nur einmal im Jahr eine Ernte. Und unser Ziel ist es, dass wir halt nur frische Kaffees einsetzen. Das heißt, wir kaufen zum Beispiel in der einen Jahreshälfte, kaufen wir viel Kaffee aus Peru und in der anderen Jahreshäfte würden wir dann eher Kaffee aus Honduras kaufen und diesen einsetzen und je nachdem, wie die Qualitäten pro Jahr ausfallen, entscheiden wir eben, welche Menge wir von welcher Qualität einsetzen und wie wir die Mischungen gestalten können. Und da spielen dann eben diese Aspekte wie Verfügbarkeit, Preis, Qualität, da spielt da alles eine Rolle und deswegen ist es für uns aber eben auch so wichtig, dass wir wirklich mit dem Rohstoff arbeiten. Das heißt, bei uns im Büro, auf der einen Seite haben wir natürlich das Einkaufsbüro, auf der anderen Seite haben aber eben das Musterzimmer, das heißt, da gehen alle Rohkaffees, die wir kaufen oder potenziell kaufen wollen über einen Tisch. Das sind dann eben Angebotsmuster, Ankünfte und wir verkosten tagtäglich. Und mal sind es eben 60 Tassen am Tag und mal sind es 150 Tassen im Tag, je nachdem, wie viel gerade ankommt, wie viele Muster wir bekommen. Und dann eben auch die ganze Produktpalette, also von verschiedensten Robuster-Qualitäten, die wir einkaufen, über eben brasilianische Arabica-Kaffees bis hin dann zu guatemala oder Kenia, Arabika, was wir aus den Ländern beziehen.
Ralf [00:24:57] Du hast eine kleine Tochter und arbeitest gleichzeitig mit Lateinamerika in verschiedenen Zeitzonen. Du musst also da auch unterschiedlich wach sein, dann bist du auch in den Ländern vor Ort auch mal eine Zeit. Wie organisierst du deinen Alltag zwischen Kita, Kolumbien und Kaffeepreisen?
Theda [00:25:13] Das ist eine kleine Herausforderung. Ich habe das Glück auf der einen Seite natürlich, dass mein Mann und ich das beide zusammen machen. Aber man muss auch ganz klar sagen, wir haben eben Familie in der Nähe. Also ohne unsere Eltern würde das Ganze nicht funktionieren.
Ralf [00:25:27] Du hast ja auch in Argentinien die Familienkultur kennengelernt und dann ist dann auch ein größerer Familienhalt vielleicht in deiner Familie entstanden.
Theda [00:25:35] Definitiv, also wir sind beides Familienmenschen und zelebrieren das auch sehr und uns ist es super wichtig. Also deswegen wohnen wir auch mittlerweile wieder etwas näher an unseren Familien dran. Dafür ist der Arbeitsweg dann ein bisschen weiter, aber das ist es auf jeden Fall wert.
Ralf [00:25:49] Lass uns noch über die Schönheit der Länder sprechen, auf denen du regelmäßig deine Füße setzt. Kolumbiens Kaffeekultur im Kaffee-Dreieck zum Beispiel. Dort wird mit Leidenschaft Kaffees gelebt, muss man schon sagen. Die Menschen vor Ort, die haben quasi eine Kaffeedentität. Da wird jede einzelne Kaffeekirsche per Hand gepflückt, weil die Hänge so steil sind. Maschinen kapitulieren dann da auch schon vor Ort. Was kannst du zu den Menschen da sagen und was ist das Kaffee-Dreieck überhaupt?
Theda [00:26:16] Also ich bin immer wieder beeindruckt, wie passioniert die Kaffeefarmer und Kaffefarmerinnen sind. Die lieben alle ihr Produkt und das ist eben auch das Spannende, dass sich diese Leidenschaft durch die gesamte Lieferkette zieht. Eben vom Anbau bis hin zum Export und dann eben wenn der Kaffee bei uns in Hamburg ankommt und wir ihn dann rösten und den Konsumenten anbieten können und dann eben der Kaffee aufgebrüht wird und an der Stelle dann wiederum zelebriert wird. Also das ist sehr, sehr spannend und in Kolumbien gibt es verschiedenste Regionen, wo Kaffee angebaut wird. Das geht von ganz im Norden, der Sierra Nevada, über die Region, wir nennen sie Ejecafetero, das ist im Zentrum Kolumbiens, also beispielsweise Antioquia gehört als Department dazu und dann geht es eben weiter in Süden Richtung Huila oder Cauca und das ist eben ganz spannend, weil dadurch, dass der Kaffeenanbau über die verschiedenen Regionen in Kolumbien verteilt ist. Haben wir auch ganz unterschiedliche Geschmacksprofile beispielsweise und eben auch unterschiedliche geografische Gegebenheiten, in denen Kaffee angebaut wird. Es ist extrem viel Arbeit, auch da: es gibt sehr sehr viele Kleinfarmer, aber sie lieben das Produkt. Es sehr spannend zu sehen.
Ralf [00:27:34] In Peru, da gibt es jetzt auch viel Bio, viele Kooperativen, viel gemeinschaftliche Arbeit. Die Bohnen, die wachsen da ein bisschen langsam in den Anden und genauso wirken sie dann auch, sortiert, klar, kein Drama. Was reizt dich an dem Land und dort an seine Kultur?
Theda [00:27:49] Peru ist ganz anders. Also, wie du gerade schon sagst, kulturell sind die Menschen anders, sie sind ruhiger. Man hat immer so ein bisschen das Gefühl, wenn man in Kolumbien ist, alle sind etwas aufgeregt, wenn das so sagen darf. Also voller Lebensfreude, die zeigen die Lebensfreunde manchmal noch ein bisschen anders, während die Peruaner teilweise eher etwas zurückhaltender sind, was nicht heißt, dass sie nicht viel Lebensfreude haben. Ganz im Gegenteil, es sind auch wunderbare Menschen. Aber es ist interessant, weil man sich darauf einstellen muss, dass die Kolumbianer vielleicht beim ersten Kennenlernen manchmal ein bisschen offener sind und bei den Peruanen, da muss man sich ein bisschen langsamer herantasten und ein bisschen mit denen warm werden.
Ralf [00:28:32] Dann noch Guatemala, dort kommt Hochland-Kaffee, der Spitzenklasse ist, her. - Ich musste auch jetzt erstmal googeln, wie ich die Menschen da jetzt richtig ausspreche: Guatemaltekischer Kaffee gehört zu den besten der Welt, besonders aus Regionen wie Antigua. Und diesen Ort kann ich jetzt wirklich nicht aussprechen: Huehu Teanago.
Theda [00:28:50] Wir würden die Region Uehwetenango bezeichnen.
Ralf [00:28:53] Das klingt natürlich auch viel besser... Was kannst du dazu sagen.
Theda [00:28:57] In Huehuetenango ist eine der bekanntesten Regionen in Guatemala, wo Kaffee angebaut wird. Wir arbeiten seit vielen vielen Jahren dort vor Ort, einfach weil die Kaffees dort ein sehr spezielles, eher fruchtiges Aroma mitbringen und der Kaffe wird dort von ganz kleinen Farmern angebaut, die teilweise nur ein Viertel oder einen halben Hektar haben und das macht eben teilweise dann auch das Geschmacksprofil aus, weil die Aufbereitung eine andere ist als in anderen Regionen, wenn Kaffee dann beispielsweise auch von größeren Farmen aufbereitet wird, weil einfach die Infrastruktur eine andere ist. Genau. Und in Wawet Nango haben wir auch seit vielen Jahren verschiedene Projekte mit unserem Partner vor Ort aufgebaut. Und das Besondere da ist, wir haben da eben auch indigene Völker und zum Beispiel In den Projekten, die wir haben, da haben wir Menschen, die ... nicht nur Spanisch sprechen, sondern die beispielsweise auch Mammen sprechen. Also, weil viele der Kaffee-Farmer, die sprechen kein spanisch, sondern sie sprechen eben ihre lokale Sprache, was dann beispielsweise Mammen ist. Von daher, wenn wir dann dort vor Ort sind, haben wir auch immer Leute dabei, die dann zwischen uns, auch wenn wir spanisch sprechen, und den Produzenten eben nochmal übersetzen können, weil mit Spanisch alleine kommen wir da auch nicht immer weiter.
Ralf [00:30:17] Was in die Erde malen oder mit Händen und Füßen sich verständigen...
Theda [00:30:21] Also mit Händen und Füßen arbeiten wir glaube ich kontinuierlich. Das haben wir überall und hilft immer.
Ralf [00:30:29] Und zu Ende ist unser heutiges Job-Special. Danke, liebe Theda, dass du uns einen Blick in diese weite Welt gewährt hast, in der Kaffee entsteht und verhandelt wird. Du probierst dich dort rum und am Ende haben wir hier in Deutschland zum Beispiel einen Kaffeecrema, Espresso oder einen Latin Grande. Du siehst in den Ländern, in denen du unterwegs bist, jeden Tag ganz viel Hingabe, Geduld und auch echtes Handwerk und das merkt man dann und fühlt und schmeckt das vor allem dann auch, wenn es in unserer Tasse ist. Ja, und ohne dich und dein Team gäbe es unseren Podcasttitel "5 Tassen täglich" wahrscheinlich gar nicht. Ist ja auch mal schön, dass ich dann jetzt nach 6 Jahren Podcast mal Danke sagen kann. Danke, Theda!
Theda [00:31:11] Sehr gerne.
Ralf [00:31:13] Ich bin Ralf Podszus und ich hoffe, dass euch diese Folge gefallen hat. Wenn ihr gerne Kaffee trinkt, dann denkt beim nächsten Schluck mal daran, dass irgendwo zwischen Hamburg, Honduras und Kolumbien Theda dafür sorgt, dass eure Tasse gefüllt ist. Lasst gerne ein Like da und abonniert diesen Podcast, der läuft überall, wo es Podcasts gibt. Zum Beispiel bei Castbox, RTL+ oder Spotify. Bis zum nächsten Schluck. - Und Theda, vielleicht kannst du am Ende nochmal sagen, auf Spanisch: hört euch doch auch noch all die anderen interessanten "5 Tassen täglich" Podcast-Folgen an.
Theda [00:31:44] Y si te gusta el podcast, también puedes escuchar los demás episodios. [Und wenn euch der Podcast gefällt, können Sie auch die anderen Episoden hören.]
Ralf [00:31:50] Jetzt ärgere ich mich, dass wir nicht die ganze Podcast-Folge so aufgenommen haben.
Station Voice [00:31:57] "5 Tassen täglich", der Tchibo Podcast. Ihr habt Fragen oder Anregungen zu dieser Podcast-Folge? Wir freuen uns auf eure E-Mail an: podcast@tchibo.de
Q&A
1. Welche Aufgaben hat Theda Behrens als Kaffee-Einkäuferin?
Theda Behrens ist verantwortlich für den Einkauf von Rohkaffee aus etwa zehn bis zwölf Ländern, insbesondere Lateinamerika. Ihre Hauptaufgaben umfassen die Auswahl von Produzenten und Exporteuren, Verhandlungen über Preise, die Qualitätskontrolle des Kaffees sowie die Sicherstellung pünktlicher Lieferungen nach Hamburg.
2. Warum spielt das Wetter für den Kaffee-Einkauf eine so entscheidende Rolle?
Da Kaffee ein Naturprodukt ist, hat das Wetter in den Anbauländern erhebliche Auswirkungen auf die Qualität und Menge der jährlichen Ernte. Kritische Wetterereignisse wie Frost oder Dürre können die Pflanzen schädigen, und daher ist eine genaue Beobachtung der Wetterbedingungen unerlässlich.
3. Wie unterstützt Theda bei Tchibo nachhaltige Projekte in den Ursprungsländern?
Theda arbeitet mit lokalen Kooperativen und Exporteuren zusammen, um nachhaltige Lieferketten aufzubauen. Sie setzt sich beispielsweise für die Reduktion von Wasserverbrauch und Pestiziden ein sowie für die Verbesserung der Lebensverhältnisse von Kaffeefarmern durch soziale Projekte.
4. Was macht ihre Arbeit besonders dynamisch?
Theda beschreibt ihren Job als abwechslungsreich, da sie mit verschiedenen Ländern, Unternehmen und Lieferketten arbeitet. Unerwartete Ereignisse, wie Zolländerungen oder Naturkatastrophen, verlangen schnelle Entscheidungen und flexible Anpassungen.
5. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Kaffeehandel?
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt des Kaffeehandels bei Tchibo. Es geht darum, Qualität, klimatische Herausforderungen, Preise und soziale Verantwortung in den Ursprungsländern miteinander zu verbinden. Jedes Land hat dabei eigene Herausforderungen, die Tchibo durch spezielle Programme adressiert.
6. Wie ist es für Theda, in Lateinamerika zu verhandeln, wo Machismo häufig präsent ist?
Theda beschreibt die Verhandlungen als respektvoll und gastfreundlich. Männer zeigen dabei oft eine Gentleman-Seite, da sie als Einkäuferin ein geschätzter Gast ist. Sie räumt jedoch ein, dass Frauen im Rohkaffee-Handel mitunter schwierigere Arbeitsbedingungen haben können.
7. Welcher Kaffee ist Thedas Lieblingsgetränk?
Theda bevorzugt den Latin Grande, eine Mischung aus Guatemala, Kolumbien und Honduras. Sie schätzt die leichte Süße, die schokoladige Note und die Ausgewogenheit des Kaffees.