#98 Neustart Second Hand: kaufen statt mieten
In dieser Folge von „5 Tassen täglich“ spricht Moderator Ralf Podszus mit Kristina Kölling über den Neustart des Secondhand-Modells bei Tchibo. Die Folge beleuchtet, warum das frühere Mietmodell „Tchibo Share“ scheiterte und wie sich das Unternehmen nun mit Sellpy neu aufstellt, um gebrauchte Produkte nachhaltig zu vermarkten. Kristina erklärt die Bedeutung von Kreislaufwirtschaft, aktuelle Trends im Secondhand-Markt und die Rolle von Tchibo im wachsenden Nachhaltigkeitssegment.
Es ist wieder da! Und wie: Das Thema Second Hand Kleidung bei Tchibo.
Die Mietplattform Tchibo Share ist Geschichte, nun geht es mit der Verkaufsplattform Sellpy für gebrauchte Kleidung weiter. Kristina Kölling, verantwortliche Expertin für Kreislaufmodelle, war in unserem Podcast „5 Tassen täglich“ zu Gast und berichtet über erste Erfahrungen und verrät, wie es nun weiter geht.
👕 Kristina sagt: "Wir haben das Mietmodell stark aufgearbeitet: Was haben wir gelernt, was würden wir anders machen, wie geht es weiter? Klar war, Mieten ist nicht die Zukunft für Tchibo, da das Modell auch in der Rückwärtslogistik zu teuer ist. Und Menschen wollen lieber besitzen, deshalb geht es nun in eine neue Richtung."
📦 Und was verkauft Tchibo bei Sellpy? Beispielsweise Retouren, die aufgrund kleiner Fehler oder einer mangelhaften Verpackung nicht mehr in den regulären Verkaufskreislauf kommen. Und nach wie vor Kinderkleidung von Tchibo Share, die keine Chance hatte in den Mietkreislauf zu gehen. Außerdem natürlich gebrauchte Tchibo Kleidung von Kundinnen und Kunden.
„Sellpy ist wachsend in Deutschland, haben die optimale Lösung für uns, unsere Ware von Tchibo in einem Shop einzustellen und an Kunden als Second Hand Lösung einzubringen“
Mittlerweile kaufen und verkaufen 71% aller Tchibo Kund*innen gebrauchte Ware. Vor 3 Jahren war der Anteil nur bei 39%. Second Hand ist im Trend und rückt immer mehr in die Mitte der Gesellschaft. Besonders Kinderkleidung wird gerne gebraucht gekauft.
Doch Second Hand ist nicht nur ein Trend und eine kostengünstige Option, sondern auch eine umweltfreundliche. Durch den Second Hand Verkauf wird die Lebensdauer eines Kleidungsstücks verlängert und es wird so wieder in den Kreislauf gebracht. Damit bietet sich für Tchibo Retouren die perfekte zirkuläre Lösung.
Du willst mehr darüber erfahren? Hör rein!
Transkript
Neustart Second Hand: kaufen statt mieten
Ralf Podszus [00:00:00] Schön, dass ihr Podcast Lust habt. Ich freue mich jetzt auf meine Podcast-Gäste, aber die möchte ich natürlich auch mit leckerem Kaffee versorgen. Deswegen muss ich hier mal ganz kurz den Kaffee holen. Und diese schwere Tür immer hier. Ich bin hier bei Tchibo nämlich in Hamburg. Und ich muss in C1 165. Hier ist es. So, da wartet Marie auf mich. Hallo.
Marie [00:00:19] Hi, na?
Ralf Podszus [00:00:19] Grüße dich! Ich habe von Indre die fröhliche Grußbotschaft erhalten, dass sie den Kaffee schon vorbereitet hat und der steht hier bei dir.
Marie [00:00:24] Ganz genau. Ich habe hier einen Espresso Macchiato und Flat White für dich.
Ralf Podszus [00:00:28] Super cool. Den nehme ich direkt mit, mit dem Tablett hier. Damit auch nichts kalt wird, steigen wir sofort ein in den Podcast. Danke dir, Marie.
Kristina Kölling [00:00:38] Wir haben ja das Mietmodell sehr stark für uns auch aufgearbeitet. Was haben wir gelernt aus der Zeit? Was würden wir anders machen und wie geht es weiter? Und auch damals schon haben wir gesagt, dass Mieten wahrscheinlich nicht die Zukunft sein wird für uns in diesem Fall, weil das Modell sehr teuer ist, auch in der Rückwärtslogistik und dass wir gesehen haben dort schon, dass das Thema Secondhand, also dass die Menschen das gerne besitzen wollen, das Stück, was sie dann erwerben, dass das wahrscheinlich der richtige Weg ist. Und deswegen sind wir jetzt auch in diese Richtung weitergegangen.
Station Voice [00:01:15] 5 Tassen täglich, der Tchibo-Podcast.
Ralf Podszus [00:01:23] Guten Tag, hier ist wieder der Podcast für ganz viel Kaffeeliebe und es geht um Nachhaltigkeit. Denn gut sein und die Welt retten, das ist gar nicht so leicht. In diesem Tchibo-Podcast, da spreche ich mit spannenden und motivierenden Gästen über einen nachhaltigen Lifestyle, die besten Kaffeerezepte, Ozeanplastik, politische Wendungen und Secondhand. Ich bin Ralf Podszus und das habe ich schon ein paar Mal gemacht bei 5 Tassen täglich über Secondhand gesprochen und ich... Ich wühle hier auch mal eben in der Kiste rum. Hier hab ich nämlich eine tolle Klamottenkiste gerade bekommen. Und diese Jacke hier, die muss ich nachher heimlich mitnehmen, muss ich sagen, die gefällt mir schon mal richtig gut. So, ich muss schon mal ein bisschen tiefer wühlen hier in der Kiste, in der Podcast-Kiste. Also, ihr könnt mal reinhören. Zum Beispiel in der Folge "Reichen 11 Kleidungsstücke im Schrank?", da haben wir schon über Secondhand gesprochen. Das ist Folge drei, also süß, total lange her. Jetzt machen wir demnächst die hundertste Folge voll. Trotzdem, Secondhand hält sich wacker und ist weiterhin top aktuell wie schon länger nicht mehr. Kristina Kölling buddelt das fast schon tot geglaubte Thema jetzt hier wieder aus. Secondhand-Kleidung bei Tchibo. Hallo liebe Kristina.
Kristina Kölling [00:02:38] Hallo.
Ralf Podszus [00:02:38] Vor vier Jahren habe ich mit Janine Steeger, liebe Grüße, und mit deinem Kollegen Marcel Richard Tchibo Share vorgestellt. Das war damals ein sehr gehypter Frontrunner, wie es so im Marketing-Sprech so schön heißt, und Mietservice für Kinderkleidung. Das war im Januar 2020. Lange, lange ists her. Und auch Tchibo Share ist her.
Kristina Kölling [00:02:59] Ja, tatsächlich. Leider mussten wir Tchibo Share ja einstellen bei Tchibo. Da kamen mehrere Sachen zusammen. Ganz viele Kunden haben gesagt, sie wollen das auf jeden Fall nutzen. Und die Resonanz war riesig, auch medial und auch die Kundenresonanz. Aber am Ende hat es dann doch nicht gereicht, dass genügend Kunden das genutzt haben. Und ich glaube, dass wir tatsächlich etwas früh waren. Und dann kam noch Corona. Und da weiß jeder, alles hat sich irgendwie gedreht.
Ralf Podszus [00:03:23] Ja, immer dieses dämliche Corona.
Kristina Kölling [00:03:26] Tatsächlich, wenn wir damals durchgehalten hätten, wären wir heute vielleicht schon einen Schritt weiter.
Ralf Podszus [00:03:30] Das habe ich ja früher in der Schule auch ganz oft gehört, supercool, Ralf, und so, aber es hat leider nicht gereicht. Ja, irgendwie ist es dann so. Ja, mitunter ist man eben einfach zu früh mit einer coolen Innovation, aber packen wir es einfach vier Jahre später wieder aus, Kristina.
Kristina Kölling [00:03:45] Genau, und tatsächlich, unser Neustart hat auch was mit Tchibo Share zu tun. Unsere Logistik hat uns immer wieder gefragt, was wollt ihr mit diesen Paletten noch anfangen? Wir haben hier doch noch ganz viele gebrauchte Kleidung, die ihr damals für Tchibo Share genutzt habt. Und wir haben immer gedacht, ach, wir brauchen die noch mal irgendwann. Und tatsächlich war es dann auch so, dass wir erst mal für den ersten Piloten, für Secondhand diese Ware genutzt haben, weil die ja schon gebraucht war, um sie mit Sellpy zusammen auf deren Plattform zu bringen und zu testen, Wie wird Tchibo Secondhand Ware gekauft, wie funktioniert dieser Prozess von Tchibo, die Ware dorthin zu bringen. Und damit sind wir letztes Jahr im Mai, Juni gestartet.
Ralf Podszus [00:04:25] Da sprechen wir gleich nochmal ganz genau darüber über Sellpy und ich habe mir ja eben hier aus der Kiste diese dunkelblaue Bomberjacke geschnappt hier, die sieht ja wirklich richtig spitze aus. Das ist auch Secondhand.
Kristina Kölling [00:04:35] Ja, tatsächlich habe ich so ein Label in Hamburg, was ich mir neu nicht leisten will. Und da gucke ich immer kontinuierlich nach Secondhand Mode von diesem Label und da habe ich die geschossen sozusagen und ist absolut mein Lieblingsstück.
Ralf Podszus [00:04:48] Ja, glaube ich dir, würde ich dir sofort klauen jetzt. In einem guten Moment muss ich das nachher abpassen. Größe passt auch ungefähr. Wir haben vor zwei Jahren in eurem Flagship-Shop am Hamburger Rathausmarkt uns schon mal getroffen und da auch ordentlich Action gemacht. Ich konnte da auch ganz viele Bohnen schütteln, alles kennenlernen. Da haben wir auch sehr viele Klamotten kennengelernt. Außerdem war da das Circular Solutions Lab von Tchibo noch ganz neu. Und da haben wir uns zirkuläre Produkte und Unverpackt-Lösungen angeschaut. Das war ein Event. Also könnt ihr gerne mal in die Podcastfolge noch reinhören und da war ich auch begeistert, wie einfach sehr umweltfreundlich da verpackt wurde von euch.
Kristina Kölling [00:05:25] Genau, ich erinnere mich auch noch gerne an diese Podcastfolge, weil das ganz am Anfang von der Gründung unseres Labs stand, unseres Solutions Lab. Und mittlerweile sind wir auch in den Projekten schon überall ziemlich weiter. Und auch für die Verpackung, von denen du gerade sprachst, die wird jetzt noch mal mehr reduziert. Also wer jetzt bald in unsere Filialen und unsere Shops guckt, noch weniger Verpackungsmüll für unsere Non-Food-Produkte.
Ralf Podszus [00:05:48] Du wühlst nicht nur gerne in Klamottenkisten rum oder schießt dir, wie du gesagt hast, coole Klamotten secondhand. Du bist außerdem auch noch begeisterte Surferin und verbrauchst mit deiner Familie nahezu null Plastik. Wie machst du das?
Kristina Kölling [00:06:03] Ja, da muss ich was beichten zu unserer letzten Podcastfolge. Da sind wir ein bisschen schlechter geworden bei uns in der Familie auch tatsächlich.
Ralf Podszus [00:06:09] Seid ihr größer geworden? Das ist automatisch so. Kaum kommt ein Baby, ist die Umweltbilanz wieder voll in der Tonne.
Kristina Kölling [00:06:14] Ja, bei größer geworden da sprichst du was an. Mein Mann und ich sind ja wirklich beide auch sehr groß und die Kinder tatsächlich auch und so essen sie auch zurzeit.
Ralf Podszus [00:06:23] Teenager, die einfach mal eine ganze Kuh verzehren.
Kristina Kölling [00:06:26] Genau, zwei Kilo Joghurt so über den Tag verteilt, das kann schon mal sein und tatsächlich muss ich noch sagen, dass unsere Tochter Gluten unverträglich jetzt ist und da gibt es sehr viele verpackte Lebensmittel. Also einen Karton schaffen wir nicht mehr, wir sind schlechter geworden, aber du erinnerst mich, dass ich da mal wieder das Ziel neu setzen muss.
Ralf Podszus [00:06:46] Wobei, bei einer Glutenunverträglichkeit muss man ja auch wirklich richtig krass aufpassen, was man da alles kocht und muss sich von links und rechts sehr viel zusammenkaufen. Das ist nicht so einfach, also eine Herausforderung für alle in der Familie und ja, da gibt es mehr Verpackungsmüll.
Kristina Kölling [00:07:01] Gehen würde das schon, aber dann müsste ich mehr backen, kochen, also sozusagen weniger arbeiten. Aber ich möchte ja hier auch meine Themen voranbringen. Also ist das so der Kompromiss, muss man sagen.
Ralf Podszus [00:07:10] Wir leben immer in einem Kompromiss, das heißt nicht immer komplett Verzicht, sondern einfach an das Gute denken und das möglich machen. Dann ist ja schon sehr viel getan. Kitesurfen geht trotzdem, weil das Brett, das hast du schon lange und ist dann ja auch sehr nachhaltig.
Kristina Kölling [00:07:24] Genau, Kitesurfen ist das überhaupt gar nicht, weil das ist sozusagen wie Rollerbladen und Skateboarden. Also ich windsurfe und mache das Windsurfen, aber ja, tatsächlich geht das jetzt wieder los. Die Wassertemperaturen steigen und es gibt nichts Schöneres als alleine auf dem Meer in den Wellen zu surfen.
Ralf Podszus [00:07:39] Dann kannst du hier auch in Hamburg das durchaus machen. Eine steife Brise gibts ja ab und zu.
Kristina Kölling [00:07:44] Ja, ich wollte das letztes Wochenende tatsächlich machen, das wurde eine Challenge mit meinem Mann, wie schnell die Polizei mich von der Alster holt, weil das gibt immer so eine Challenge. Und es dauert meistens so 20 Minuten, dann stehen sie am Ufer und dann sagen sie, man darf nicht surfen auf der Alster.
Ralf Podszus [00:07:56] Die sind schneller geworden jetzt. Ansonsten Oortkatener See, so als Tipp, kennst du wahrscheinlich auch.
Kristina Kölling [00:08:01] Da ich aus der Nähe von St. Peter-Ording komme, surfe ich ungern ohne Wellen.
Ralf Podszus [00:08:06] Meine Güte, jetzt werde ich aber richtig gedisst hier die ganze Zeit. Ja, da hatte ich mal meine zaghaften Surf-Versuche. Vielleicht hat es deswegen nicht geklappt, weil da einfach kein Wind war, siehste, aber da sind viele Surfer. Also ab und zu muss es da auch mal einen Hauch von Wind geben, tatsächlich. So, wir wollen jetzt nicht nur über deine Surf-Leidenschaft reden und über deinen Versuch, plastikfreier zu sein. Wir reden ja heute über Secondhand. Bevor wir richtig loslegen, erklär doch mal bitte ganz einfach, was zirkuläre Lösungen, also Kreislaufmodelle, genau sind in der Praxis und was können wir uns darunter vorstellen.
Kristina Kölling [00:08:42] Tatsächlich ist es ein Riesenfeld und das ist auch das Tolle an der Aufgabe eigentlich und vor allem bei Tchibo, weil es geht von Materialien, die man optimiert, damit sie zum Beispiel recycelt werden können. Es geht aber auch darum, Materialien zu reduzieren, also weniger, so wie in dem Beispiel von Verpackungen, wo wir immer weniger Material für unsere Verpackung einsetzen. Es geht auch, wie in diesem Fall, wo wir heute drüber sprechen, um zirkuläre Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel das Mieten und Secondhand oder auch das Reparieren von Produkten. Und es wird uns da nie langweilig, tatsächlich im Team. Und das umfasst das Thema Kreislaufwirtschaft und Lösungen dafür, also damit wir weniger Material in der Zukunft verwenden und verbrauchen und nachhaltiger leben.
Ralf Podszus [00:09:25] Nach Tchibo Share steigt ihr wieder in den Ring und verkauft jetzt gebrauchte Tchibo-Kleidung bei Sellpy. Ich kenne jetzt nur den Kleiderkreisel und auch der heißt schon mittlerweile wieder anders, nämlich Vinted. Und dann gibt es noch eBay Kleinanzeigen und Momox und noch so ein paar andere. Was ist nun genau Sellpy?
Kristina Kölling [00:09:42] Sellpy ist eigentlich einer von denen, die du auch genannt hast, nicht so groß wie Vinted zum Beispiel, aber sehr, sehr wachsend auch in Deutschland, kommt aus Schweden, ist auch eine Tochter von H&M und die haben für uns die optimale Lösung, auch unsere Ware, die wir hier bei Tchibo zur Verfügung haben, optimal in einem Shop einzustellen und an Kunden als Secondhand-Lösung sozusagen weiter zu verkaufen.
Ralf Podszus [00:10:08] Dann schauen wir uns jetzt mal an, wie der Secondhand-Markt insgesamt aussieht. Kristina, ihr habt gerade eine repräsentative Studie deutschlandweit durchgeführt. Demnach hat knapp jeder zweite Deutsche bereits gebrauchte Kleidung gekauft. Und unter den Tchibo-Kundinnen ist der Anteil sogar noch größer. Was sagt das jetzt aus, diese Trend-Beobachtung? Und auch gerade nochmal mein Blick auf Tchibo. Was sagt das über die Käuferinnen und Käufer da noch genau aus?
Kristina Kölling [00:10:34] Genau, wir haben in vielen externen Studien gesehen, dass dieser Markt sehr schnell wächst gerade und dann haben wir selber nochmal unsere Kunden und aber auch nicht-Tchibo-Kunden gefragt oder Kundinnen. Und da ist uns aufgefallen oder da waren wir sehr überrascht, dass dieser Anteil so stark gewachsen ist, und zwar haben wir das schon mal 2021 gefragt und da war der Anteil an Tchibo Secondhand-Käuferinnen 39 Prozent und jetzt schon 71 Prozent aller Tchibo Kunden kaufen regelmäßig Secondhand-Ware.
Ralf Podszus [00:11:04] Woran liegt das? Was kann der Grund sein?
Kristina Kölling [00:11:07] Genau, das haben wir auch gefragt. Der Grund ist einmal der Preis tatsächlich. Wir wissen alle, in Zeiten von Inflation, der Druck auf die Geldbörse wird sozusagen größer. Das ist der eine genannte Grund und der zweite war die Nachhaltigkeit. Also es ist wirklich tatsächlich diese beiden Gründe, die dort dominieren.
Ralf Podszus [00:11:24] Und ist das mit der Nachhaltigkeit jetzt so, weil immer mehr Menschen eben nachhaltiger sein wollen?
Kristina Kölling [00:11:31] Ich glaube, da kommen so zwei Trends, wie gesagt, die sich da so ein bisschen überlagern. Ich denke, dass der Preistrend diesen großen Anstieg tatsächlich ausgemacht hat und auch da wächst eine Generation heran, die sich quasi neu ausstattet, diejenigen, die so zwischen 20 und 30 sind, dann sehen wir auch, dass auch der Anteil noch viel größer ist, die die Secondhand kaufen, die einfach anders konsumieren wollen. Und diese beiden Trends in der Summe sehen wir dann auch unter den Tchibo-Kundinnen.
Ralf Podszus [00:12:04] Deshalb wollt ihr es jetzt noch mal versuchen mit Secondhand oder gibt es da auch noch einen anderen Grund? Das ist einfach noch mal durchboxen. Damals zu früh mit Tchibo Share und jetzt vier Jahre danach einfach noch einmal kommen, lass mal machen, das Lager ist ja noch voll.
Kristina Kölling [00:12:16] Ja, tatsächlich ist das auch schon die Erkenntnis gewesen. Wir haben ja das Mietmodell sehr stark für uns auch aufgearbeitet. Was haben wir gelernt aus der Zeit? Was würden wir anders machen und wie geht es weiter? Und auch damals schon haben wir gesagt, dass Mieten wahrscheinlich nicht die Zukunft sein wird für uns in diesem Fall, weil das Modell sehr teuer ist, auch in der Rückwärtslogistik. Und dass wir gesehen haben, dort schon, dass das Thema Secondhand, also dass die Menschen das gerne besitzen wollen, das Stück, was sie dann Erwerben, dass das wahrscheinlich der richtige Weg ist und deswegen sind wir jetzt auch in diese Richtung weitergegangen.
Ralf Podszus [00:12:52] Sämtliche Mietmodelle sind ja so in den letzten Jahren so ein bisschen unsanft gelandet tatsächlich. Also besitzen ist auf jeden Fall ein richtig wichtiger Punkt.
Kristina Kölling [00:13:00] Das haben wir zumindest gelernt, und auch gerade in den Segmenten, in denen wir unterwegs sind, in den Textilien zum Beispiel. Bisschen anders sieht das aus, auch ein ganz toller Anbieter, Grover zum Beispiel, die machen gerade wirklich einen richtig guten Job, was das Thema Elektronikartikel anbetrifft. Da sehe ich auch weiterhin Zukunft, aber wenn wir jetzt über Textilien sprechen, ist das Besitzen und dann vielleicht irgendwann später wieder weitergeben und wieder verkaufen, ist glaube ich eher das Modell, was sich durchsetzen wird.
Ralf Podszus [00:13:26] Andererseits gibt es ja auch noch Mietmodelle, Abos, die auch immer noch funktionieren. Man abonniert die Musik, man streamt Filme, Serien, man hat sein Microsoft-Konto, man hat Texte, Dateien, eine Cloud wo man Fotos drinnen ablegt und so weiter. Also wir werden ja eigentlich auch wieder zugemietet ohne Ende mit anderen Dingen. Wieso unterscheiden die Menschen dann bei Klamotten da so deutlich auf einmal?
Kristina Kölling [00:13:50] Das kann ich gar nicht so genau sagen. Übrigens Mobilität ist auch ein riesiges Feld für Mieten.
Ralf Podszus [00:13:55] Ja, absolut.
Kristina Kölling [00:13:57] Wir haben ja ein physisches Teil, was sozusagen den Besitzer wechselt und der Preis ist nicht sehr, sehr hoch.
Ralf Podszus [00:14:02] Ich schiele noch mal kurz zu dieser Bomberjacke, kann ich gut einschätzen.
Kristina Kölling [00:14:06] Ich muss es auch eingrenzen. Tatsächlich habe ich eine ganz tolle Gründerin aus Hamburg kennengelernt, die in dem Bereich Fashion und anlassbezogene Mode vermietet. Also ich werde jetzt zum Podcast-Event von Spotify eingeladen und ich brauche dafür eine schöne Abendgarderobe. Die möchte ich mir aber nicht leisten, weil ich gehe nur alle drei Jahre auf so ein Event. Da wiederum ist es ein Nischenmarkt. Da ist es wieder interessant und ich glaube, da wird es das Mieten auch weiterhin geben. Aber wenn wir jetzt wirklich in einer breiten Masse und im Mainstream darüber sprechen, ist Secondhand das, was sich heute 2024 einfach mehr durchgesetzt hat als das Mieten.
Ralf Podszus [00:14:40] Sind es eigentlich mehr Frauen oder mehr Männer, die dann Klamotten mieten? Ich denke da spontan immer an mehr Frauen.
Kristina Kölling [00:14:48] Ja, definitiv. Also insgesamt auch im Secondhand-Markt und im Mietmarkt sind es mehr Frauen, die das nutzen.
Ralf Podszus [00:14:53] Ich war jetzt kürzlich in einem Vintage-Laden in Würzburg, auffällig da, die Gen Z kauft dort ein. Also, da waren eigentlich nur sehr junge Menschen, 17, 18, 19 Jahre, das Geschäft mit Secondhand, das boomt da richtig, ist mittlerweile so ein riesiger Markt, dass da eben auch ganz viele junge Menschen zugreifen, offenbar treibt das die da richtig hin.
Kristina Kölling [00:15:15] Ja, Secondhand ist einfach hip. Leider haben wir aber ja auch die Gegenbewegung in der gleichen Generation von Superfast-Fashion. Von daher kann man gar nicht sagen, dass die eine Generation besser oder schlechter ist, sondern sie ist super hybrid. Ich glaube sogar, dass in einer Person beides vorkommt, also hip in einen Secondhand Laden, Vintage Laden zu gehen oder im Endeffekt dann auch gleichzeitig bei Superfast-Fashion Herstellern zu bestellen. Deswegen ist das so ein bisschen beide Seiten der Medaille.
Ralf Podszus [00:15:44] Wir fahren mit den neuen, aufgemotzten Supersportwagen mal kurz in den Vintage-Laden und kaufen ein.
Kristina Kölling [00:15:50] Ja, und was ich beeindruckend finde, wer mal in Paris war in der letzten Zeit, Paris so als eine der Modestädte Europas und es, an jeder Straßenecke sind Secondhand-Läden. Das hat sich so verändert einfach und man sieht, wie dieses Thema einfach in die Mitte der Gesellschaft einfach rückt und auch fernab von den Flohmärkten, sondern tatsächlich online als Stores, als Pop-up-Stores, gerade auch aktuell in der Hamburger Innenstadt ein riesen Secondhand-Laden. Der wächst und da passiert eine ganze Menge und da wollen wir als Tchibo dran teilhaben.
Ralf Podszus [00:16:23] Ich war vor einem Jahr in Paris, da sind mir auch viele Dinge aufgefallen. Es heißt ja auch, es ist mittlerweile autofreier, nun ist es eine riesengroße Stadt und ich war mittendrin im Zentrum und da ist es noch nicht so autofreier gewesen. Aber dann fällt dir auf, wenn du ein bisschen rumschlenderst, da gibt es auch immer ganze Straßen, das siehst du, die sind erst relativ neu eine Fußgängerzone geworden und immer mehr sieht man das und mir sind auch aufgefallen, ja, da gibt es auch andere Läden, links und rechts, Secondhand ist mir auch aufgefallen auf jeden Fall. Man merkt, das Stadtbild verändert sich so ein bisschen in Richtung, wir müssen hier irgendwas machen, weil hier raucht irgendwie der Bürgersteig.
Kristina Kölling [00:16:55] Ja, wenn wir uns da wieder drüber unterhalten, das sind immer so meine Gedanken, wie toll ist das eigentlich in dieser Zeit eigentlich auch zu leben und nicht nur die negativen Dinge zu sehen, sondern es passiert gerade überall total viel. Und wir haben ja eben über das Lab schon mal gesprochen, da ein Teil an diesem Wandel zu sein und sozusagen, den voranzutreiben, das ist eigentlich eine Riesenmotivation.
Ralf Podszus [00:17:13] Dann linsen wir jetzt mal rein in den Sellpy-Shop. Seit wann läuft jetzt der Test damit? Man muss ja immer noch von einem Test sprechen. Und was genau verkauft ihr da alles?
Kristina Kölling [00:17:23] Genau, wir hatten zwei, oder haben zwei Testphasen. In der ersten Testphase haben wir die gebrauchte Ware von Tchibo Share genutzt. Die hatten wir immer aufbewahrt, genau für solche Gelegenheiten des Tests, weil sonst haben wir auch keinen Zugang zu gebrauchten Textilien. Es waren 700 Teile, die wir an Sellpy gegeben haben, um zu lernen, wie der Kunde auf gebrauche Tchibo Ware reagiert, was er dafür bereit ist, noch zu zahlen und auch wie der Prozess funktioniert mit Sellpy.
Ralf Podszus [00:17:52] Und was ging dann am besten? Unnerbüchsen gabs nicht.
Kristina Kölling [00:17:55] Was nicht überraschend war, dass die Kategorien, die sonst auch bei Tchibo sehr, sehr beliebt sind, sehr gut gelaufen sind. Und das ist bei uns das ganze Thema Kids und Active, also die Sportklamotte, über die habt ihr ja letztens auch berichtet.
Ralf Podszus [00:18:08] Die gute norddeutsche Funktionsjacke in Neongelb ist dabei.
Kristina Kölling [00:18:12] Genau, da haben wir als Tchibo halt einfach ein gutes Image, dass die Ware qualitativ gut ist, dass sie gut passt, dass sie sich gut sitzt, dass sie einfach für den Sport gut geeignet ist. Und Kinderware geht natürlich immer gut, weil die Kinder wachsen sehr schnell da raus. Und da wird Tchibo-Ware auch sehr, sehr gerne gebraucht gekauft.
Ralf Podszus [00:18:29] Ja, wir haben uns auch letztens im Keller voll gefreut, weil wir dann auch immer die ganzen Klamotten der Kids so aufbewahren und dachten, wir hätten jetzt so eine Größe irgendwie nicht und dann purzelte mir tatsächlich so eine Kiste entgegen, da stand genau die richtige Größe drauf und dann, ja, das Schuhthema ist nämlich auch so ein Ding, weil Kinderschuhe kosten eben jetzt auch völlig normal bis 100 Euro irgendwie und dann hast du Pech, dass sie nach ein paar Wochen eben auch schon wieder erledigt sind. Das wäre doch auch ein großer Secondhand-Markt, wie ist eure Erfahrung mit Schuhen?
Kristina Kölling [00:18:55] Mit Schuhen haben wir nicht viel Erfahrung, weil wir tatsächlich bei Tchibo sehr wenig Schuhe verkaufen, außer Kindergummistiefel.
Ralf Podszus [00:19:01] Und die braucht man ja auch, wenn es auch wieder mal ein bisschen Schmuddelwetter gibt. Dann hat man die guten Gummistiefel an. Jetzt fließen dann auch zum ersten Mal die Retouren in den Sellpy-Verkauf. Erzählt doch mal, das kam aufgrund eines Kaffee-Gesprächs in eurer Cafeteria zustande.
Kristina Kölling [00:19:17] Ja, tatsächlich will ich mich hier auch gar nicht so mit fremden Federn schmücken. Ich bin eigentlich nur quasi Abgesandte für das Thema hier, weil es ein ganz, ganz tolles Team bei Tchibo im Haus gibt, die sich tatsächlich bei einem Kaffee getroffen haben und gesagt haben.
Ralf Podszus [00:19:29] Zufällig bei einem Kaffee bei Tchibo.
Kristina Kölling [00:19:31] Ja, die haben, glaube ich, telefoniert, dann haben sie gesagt, ach Mensch, das kann doch nicht sein, wir müssen noch aus unseren Retouren, ich erzähle gleich, welche Retouren, das ist natürlich wirklich ein ganz kleiner Teil, wir müssen da noch irgendwie noch was draus machen können. Und dann hat genau die eine Person erzählt, wir haben diesen Test so erfolgreich gemacht und Tchibo-Ware lässt sich wirklich sehr gut secondhand verkaufen. Können wir nicht einen Teil der Retouren für diesen Zweck einsetzen? Und dann war sechs Wochen später war das Problem gelöst, die Prozesse aufgesetzt und der Verkauf gestartet.
Ralf Podszus [00:20:01] Aber sechs Wochen ist ja wirklich ein ganz kurzer Zeitraum.
Kristina Kölling [00:20:04] Ja, wenn sich drei oder vier zusammentun, die alle was zu sagen haben und ihre Prozesse kennen, dann kann das auch mal so schnell gehen.
Ralf Podszus [00:20:10] Klasse. Und wie ging es dann weiter?
Kristina Kölling [00:20:12] Wichtig ist mir, zu sagen, um welche Retouren es eigentlich geht. Weil es gibt halt, Retouren ist die ist die Ware, die vom Kunden zurückkommt, also wieder umgetauscht wird oder nicht gewollt wird und die kleinere Fehler hat. Also zum Beispiel haben einige Kundinnen das vielleicht schon mal getragen und es ist ein kleiner Fleck drauf oder vielleicht doch ein Loch entstanden. Und diese Retouren, die zu retten und die dann für den Secondhand-Markt noch verfügbar zu machen, um die Retouren geht es. Und das war natürlich eine Herausforderung, so jemanden zu finden, der
Ralf Podszus [00:20:40] Alle Löcher näht.
Kristina Kölling [00:20:41] Ja, genau. Oder sie halt sortiert. Also welche Ware ist jetzt tauglich für den Secondhand-Markt und welche nicht? Und da arbeiten wir mit einer integrativen Werkstatt zusammen und die von uns eine Sortieranweisung bekommen haben und dann die Ware entsprechend nach der Sortieranweisung in die Wege leitet und dann für Sellpy bereitstellt.
Ralf Podszus [00:21:02] Und was passiert da mit dem Rest, weil man ja nicht alles retten kann und reparieren kann und nochmal wieder verchecken kann?
Kristina Kölling [00:21:09] Genau. Erstmal muss ich sagen, dass da, wo wir jetzt sortieren, ganz, ganz wenig nur noch davon ankommt. Wir sind extrem gut. Und da muss ich auch wirklich uns mal als Tchibo wirklich loben, weil ich auch mit vielen anderen Firmen dort auch zusammenarbeite, dass wir es wirklich schaffen, unsere Vertriebsmannschaften die Ware immer noch wieder zu verkaufen, in unsere Kanäle zurückzugeben, in Phasen zu integrieren, also unsere Wochenwelten, in Tchibo Prozente zu bringen, dass wir ganz, ganz wenige Ware nur nicht mehr verkaufen. Und um diese Ware handelt es sich. Also diese Ware mit zum Beispiel kleinen Fehlern. Und da können wir einen wirklich relevanten Anteil jetzt für den Secondhand-Markt aussortieren. Also kurz nochmal, so gut wie alles kommt wieder ins System und die kleine Menge, die wir nicht mehr unterbringen können, die geht dann jetzt zu einem relevanten Teil zu Sellpy.
Ralf Podszus [00:22:01] Secondhand ist wieder da, auch bei Tchibo. Aus Tchibo Share gibt es eben jetzt die Rettung, Sellpy. Noch läuft der Test, mal gucken, wie sich das dann alles insgesamt entwickelt. Aber momentan, wenn man da so hinluschern zu den Ergebnissen, sieht es ja schon mal ganz fabelhaft aus.
Kristina Kölling [00:22:18] Ja, der Test läuft jetzt noch circa zwei Monate und dann ziehen wir einmal so Bilanz für uns. Aber im Moment sieht es wirklich so aus, dass wir genau mit der Ware auch in Zukunft weitermachen. Und dann wollen wir natürlich auch noch einen Schritt weiter gehen und uns anschauen, weil die relevante Menge ist ja die, die bei den Kund:innen zu Hause im Kleiderschrank steckt, so wie meine Jacke, die du gerade so bewundert hast.
Ralf Podszus [00:22:40] Die kaufen dir mal secondhand ab.
Kristina Kölling [00:22:42] Ja, ich glaube, die kriegst du nie. Und wie können wir dem nähern? Und jetzt, diese Tests machen wir, und das ist ja eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das ist ja nicht unendlich viel Ware, die wir jetzt gerade verkaufen, sondern wir lernen jetzt gerade sehr, sehr viel darüber, was wollen unsere Kund:innen, wie weit sind und reif sind Tchibo-Kund:innen eigentlich für das Thema Secondhand? Welche Preise lassen sich Secondhand erzielen? Wie funktionieren die Prozesse? Das ist eigentlich auch das, was wir im Circular Solutions Lab immer machen. Und dann daraus wirklich auch Business-Cases, Business-Modelle zu entwickeln, die zukünftig auch ein wichtiges Standbein für Tchibo mal sein können.
Ralf Podszus [00:23:21] Danke dir, Kristina, für deine Einblicke ins Thema Secondhand. Jetzt gönnen wir uns nochmal, finde ich, einen Hafer-Cappuccino, wenn du magst.
Kristina Kölling [00:23:29] Ich bin da noch bei Kuh.
Ralf Podszus [00:23:30] Haben wir ja vorhin schon darüber geredet, das sind die Kompromisse, die man noch eingehen muss, wenn man die Welt verbessern möchte. Ein paar Dinge bleiben halt einfach auch.
Kristina Kölling [00:23:39] Genau, ich trinke halt kein Cappuccino mit Hafermilch, sondern bleib noch bei Kuh.
Ralf Podszus [00:23:44] Während jetzt die Kuh für dich noch in der Mache ist und wir uns gleich dann noch was gönnen, verabschiede ich mich heute. Ich bin Ralf Podszus und hoffe, dass ihr auch eine gute Zeit mit uns hattet. Wenn euch dieser Podcast gefällt, dann lasst gerne mal ein Like da oder abonniert ihn am besten, gibt es überall, wo es Podcasts gibt. So, Kristina, vielen Dank für die weitere schöne Podcastfolge mit dir.
Kristina Kölling [00:24:04] Ralf, es war mir wieder eine Riesenfreude und ich freue mich schon aufs nächste Mal, wenn wir wieder was zu berichten haben aus dem Lab.
Ralf Podszus [00:24:11] Jetzt schön rüber schlendern zur Kaffeebar.
Station Voice [00:24:18] 5 Tassen täglich, der Tchibo-Podcast. Ihr habt Fragen oder Anregungen zu dieser Podcastfolge? Wir freuen uns auf eure E-Mail an podcast@tchibo.de
Q&A
1. Warum hat Tchibo sein Mietmodell „Tchibo Share“ eingestellt?
„Tchibo Share“ wurde aufgrund hoher Kosten, Schwierigkeiten in der Rückwärtslogistik und mangelnder Kundenbindung beendet. Außerdem war das Konzept für seine Zeit zu innovativ, und die Pandemie (COVID-19) verschärfte die Umstände.
2. Welche Strategie verfolgt Tchibo mit dem Secondhand-Neustart?
Tchibo setzt auf Sellpy, einen Secondhand-Anbieter aus Schweden (eine Tochter von H&M). Das Unternehmen testet derzeit erfolgreich die Vermarktung gebrauchter Waren und will damit Nachhaltigkeit fördern und neue Business-Modelle etablieren.
3. Warum bevorzugen Kunden heute eher den Besitz von Produkten statt Mietmodelle?
Laut Kristina Kölling liegt der Trend darin, dass Menschen nachhaltiger und wirtschaftlicher konsumieren möchten. Der Besitz von Secondhand-Produkten bietet ihnen eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zu Mietkonzepten, die oft mit höheren laufenden Kosten verbunden sind.
4. Welche Produktkategorien eignen sich am besten für den Secondhand-Markt bei Tchibo?
Besonders beliebt sind Kinderbekleidung und Sport-/Activewear, da diese Produkte für ihre gute Qualität und Funktionalität geschätzt werden. Kinderkleidung wird häufig gebraucht gekauft, da Kinder schnell aus ihren Sachen herauswachsen.
5. Welchen Einfluss haben aktuelle Trends auf das Konsumverhalten, speziell im Secondhand-Markt?
Kristina Kölling betont, dass zwei überlagernde Trends den Markt prägen: Preisbewusstsein infolge wirtschaftlicher Unsicherheiten und ein wachsendes Interesse an Nachhaltigkeit. Insbesondere jüngere Generationen treiben diesen Wandel voran.
6. Welche Rolle spielt Sellpy in Tchibos nachhaltiger Ausrichtung?
Sellpy ist ein zentraler Partner für Tchibo, da es die Plattform bietet, um gebrauchte Kleidung effizient zu verkaufen. Die Zusammenarbeit ermöglicht es Tchibo, Retouren sinnvoll zu verwerten und Erkenntnisse über Secondhand-Kund:innen, Preisgestaltung und Marktreaktionen zu gewinnen.
7. Was sind die nächsten Schritte für Tchibo im Secondhand-Segment?
Tchibo plant, die Erkenntnisse aus Tests mit Sellpy für die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle im Circular Solutions Lab zu nutzen. Zudem soll die erfolgreiche Integration von Secondhand-Waren in die Verkaufsprozesse ausgeweitet werden.