Drei Personen beim Friseur, Podcast „5 Tassen täglich“
Podcast

#126 Haarige Mission: Klima Kristina beim Friseur

Hamburg schreibt Klima-Geschichte! Das könnte etwas mit 5 Tassen täglich und einem Friseur zu tun haben… Der „Hamburger Zukunftsentscheid“ jedenfalls hat den Volksentscheid am Sonntag gewonnen.

Damit müssen wir Hamburgerinnen und Hamburger unser Klimaziel von 2045 auf 2040 vorziehen – gesetzlich verpflichtend. 53,2 % der WählerInnen waren dafür - trotz Angst vor Einschränkungen im Alltag. 

Möglicherweise liegt dieses Wahlergebnis an Yusuf, Friseurmeister aus Hamburg. Ihn besuchten wir in seinem Layers Hairstudio vor kurzem, mit unserem Podcast-Equipment. Und ein wenig verzweifelt. Wie können wir unsere ehrgeizigen Tchibo Klimaziele kommunizieren, so fragten wir ihn, ohne dass die Kundinnen und Kunden gleich abschalten. Sondern lieber mitmachen? 

Ein Friseur hat sein Ohr bekanntlich nah am Menschen, so unsere Überlegung. Unsere Expertin Kristina, Head of Environment & Circularity, hat dafür on top eine schöne Urlaubfrisur mitgenommen! 


"Wir legen sehr großen Wert darauf, wenn sie hier sitzen und die Haare schön gemacht kriegen, dass sie auch guten Kaffee serviert bekommen“ Yusuf


Was wie entspannter Salon-Smalltalk beginnt, führt direkt zur großen Frage: Wie machen wir Klimaschutz so greifbar, dass niemand gleich abschaltet? Kristina holt die Diskussion aus der Zahlenwelt ins echte Leben.


"Das sind sehr komplizierte Zahlen und Informationen, mit denen ein normaler Mensch nichts wirklich anfangen kann." Kristina


Ihr Kernpunkt: Messen und Ziele setzen reicht nicht. Die Ziele müssen verständlich erklärt und an Alltagsbeispielen festgemacht werden und vor allem braucht es spürbare Maßnahmen, entlang der gesamten Lieferkette: vom Kaffeeursprung über Produktionsländer wie Bangladesch und natürlich bei uns selbst.

Von hier aus spannt sich der Bogen zu dem, was Tchibo konkret tut: Klimaschutz soll nicht abstrakt bleiben, sondern im Alltag Orientierung geben. Zum Beispiel durch klare Entsorgungshinweise auf Verpackungen und Projekte vor Ort, etwa effizienterer Ressourceneinsatz im Kaffeeanbau.

Damit aus Ideen Taten werden, setzt Tchibo auf gemeinsames Handeln: Mit der 1600‑Tage‑Mission Richtung 2030 laden wir Mitarbeitende und Kundinnen sowie Kunden ein Schritte zu gehen, die zusammen Großes bewegen. Der Salon zeigt, wie das gelingen kann: Im Gespräch, mit einem klaren Ton und einer guten Frisur.

Yusuf bringt die Sicht aus dem Alltag ein. Über Klimawandel zu sprechen, ohne die Stimmung kippen zu lassen, funktioniert am besten mit kurzen, einprägsamen Botschaften und einem Schuss Humor. Denn, auch die besten Friseurnamen kommen zur Sprache (Stichwort: „Hairberge“).

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Klimaschutz kein Elitenthema und kein Verzichtsprogramm ist, sondern ein Gemeinschaftsprojekt. Am besten mit guter Laune, einer verständlichen Ansage und einer Tasse Kaffee in der Hand.

Hört selbst,

  • ☕ warum beim Friseur guter Kaffee Pflicht ist
  • ✂️ welche Friseurnamen wirklich existieren
  • 🌍 warum Klimaziele oft zu abstrakt wirken
  • 💡 was Tchibo für Klimamaßnahmen umsetzen wird 

Auf YouTube und überall wo es Podcasts gibt.

Transkript

Haarige Mission: Klima Kristina beim Friseur

 

Kristina Kölling [00:00:05] Wenn ihr dann so über das Wetter eingestiegen seid ins Gespräch und es zum Beispiel total heiß war am Vortag oder es total stark geregnet hat am Morgen, kommt ihr dann darüber auch ins Gespräch oder wird es dem Klimawandel dann überhaupt zugeschrieben? Ist das überhaupt ein Thema bei deinen Kundinnen?

 

Yusuf Irkilata [00:00:20] Das ist ein Thema, tatsächlich, aber vielen ist nicht bewusst, woran das liegt. Also man kennt die Ursachen, aber niemand weiß so wirklich, wie er dem entgegenwirken soll, was sein Beitrag dazu sein könnte zum Beispiel, wie er das ändern könnte, was er machen könnte. Das ist häufig das Problem.

 

Station Voice [00:00:43] 5 Tassen täglich, der Tchibo-Podcast.

 

Ralf Podszus [00:00:51] Ich stehe hier gerade vorm Friseursalon Layers Studio und da gehe ich jetzt mal rein. Und in wenigen Sekunden gibt es die lustigsten Friseurnamen zu hören. Versprochen! So, jetzt muss ich mal hier kurz reingehen. Hallo!

 

Yusuf Irkilata [00:01:08] Hi!

 

Ralf Podszus [00:01:08] Bei mir ist Yusuf Irkilata, grüß dich!

 

Yusuf Irkilata [00:01:13] Moin!

 

Ralf Podszus [00:01:13] Du bist Hairstylist und bereit für das ultimative Friseurnamen-Battle, oder?

 

Yusuf Irkilata [00:01:18] Das bin ich, ja.

 

Ralf Podszus [00:01:20] Das ist schön. Warum auch immer Friseure sich so völlig bekloppte Namen für ihre Schere und Schnibbelbude geben? Keine Ahnung. Aber jetzt gehts los. Wer als erstes keinen verrückten Friseurnamen mehr weiß, der hat verloren. Bist du bereit, Yusuf?

 

Yusuf Irkilata [00:01:34] Das bin ich, ja.

 

Ralf Podszus [00:01:35] Und alle Namen, die ihr jetzt hört, die gibt es wirklich. Okay, dann starte ich mal mit Krehaartiv.

 

Yusuf Irkilata [00:01:43] Thilos Hairberge.

 

Ralf Podszus [00:01:44] Okay, man kann auch zum Lokschuppen.

 

Yusuf Irkilata [00:01:48] Oder auch zu Liebhaarber.

 

Ralf Podszus [00:01:50] Okay, für alle Zauberlehrling-Fans ist vielleicht Harry Cutter die richtige Adresse.

 

Yusuf Irkilata [00:01:56] Ich glaube, Haarald klingt noch besser, oder?

 

Ralf Podszus [00:02:00] Kat-Haar-Strophe gibt es auch. Ich weiß nicht, ob ich da vielleicht meine Friese schnibbeln möchte.

 

Yusuf Irkilata [00:02:05] Ja, vielleicht gehst du einfach zu Living in Haarmony.

 

Ralf Podszus [00:02:10] Ich habs befürchtet. Noch einmal herzlich Willkommen zu 5 Tassen täglich. Das ist der Tchibo Podcast für Nachhaltigkeit, Kaffee und gute Gespräche. Heute heißt es Kaffee, föhnen, legen. Ich bin nicht im Podcaststudio, sondern bei Yusuf im Hamburger Hairstudio Layers. Das ist gar nicht so weit von der Tchibo Zentrale entfernt. Du riechst noch den Kaffee vom Überseering, oder? Wenn du morgens hier so reinkommst. Warum bin ich hier? Manchmal müssen neue Ideen genau dort entstehen, wo der Alltag passiert. Deswegen sprechen wir über ein Thema, das wichtiger ist denn je, aber leider oft untergeht zwischen Dauerkrise, Konsumlust und Urlaubsplänen. Es ist nicht die Rückkehr der Dauerwelle, zum Glück muss man sagen, dennoch ist es genauso katastrophal. Der Klimawandel. Darum reden wir jetzt über den wichtigen Klimaschutz und das beim Friseur, bei Yusuf. Und ihr werdet hören, warum meine Gäste heute, Kristina Kölling, fast schon ein Dauergast mittlerweile, noch ein paar Besuche mehr und du hast Hajo Schumacher überholt. Hallo, grüß dich Kristina.

 

Kristina Kölling [00:03:11] Moin Moin, guten Morgen.

 

Ralf Podszus [00:03:13] Du bist die Tchibo Expertin für Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz, also Umweltprofi mit klarer Haltung. Und du bist Surferin und eine schöne Frisur hast du auch noch. Trotzdem möchtest du das ein bisschen nachlegen lassen jetzt hier irgendwie.

 

Kristina Kölling [00:03:26] Genau, morgen geht es in den Urlaub und da muss man ja sein Bestes tun, damit die Haare immer liegen, auch wenn man aus dem Wasser kommt. Deswegen bin ich heute hier zum Friseur.

 

Ralf Podszus [00:03:34] Also, das Surfbrett ist schon eingepackt. Was Kristina und Yusuf verbindet, die Frage, wie wir Klimaschutz wieder greifbar machen. Sodass nicht so viele Leute abgeturnt sind, wenn sie den Begriff schon hören. Das geht leider einigen so. Also, los gehts jetzt. Es wird eine haarige Podcastfolge zum Klimaschutz. Yusuf, wo steht deine Kaffeemaschine? Da können wir mal hingehen.

 

Yusuf Irkilata [00:03:57] In der Küche, um die Ecke.

 

Ralf Podszus [00:03:58] Da gehen wir mal hin. Ohne Kaffee können wir jetzt hier nicht starten. So. Das ist der Bereich, den sonst die ganzen Kundinnen und Kunden gar nicht sehen. Und da ist die Kaffeemaschine. Ohne Kaffee geht beim Friseur nix, oder?

 

Yusuf Irkilata [00:04:14] Nein, natürlich nicht. Die Kunden, wir legen sehr großen Wert darauf, dass sie, wenn sie hier sitzen und die Haare schön gemacht kriegen, dass die auch guten Kaffee serviert bekommen.

 

Ralf Podszus [00:04:23] Wie viele Kaffees am Tag servierst du denn so? Du bist ja fast schon so ein Barista.

 

Yusuf Irkilata [00:04:27] Also wenn wir vollzählig hier sind mit allen Kollegen und drum und dran, dann sind es bestimmt 20 Tassen. Cappuccino, Kaffee,...

 

Ralf Podszus [00:04:34] Du selbst, du trinkst ja auch immer jeden Morgen Kaffee. Auf wie viele Kaffees kommst du am Tag so?

 

Yusuf Irkilata [00:04:39] Ich versuche bis zwölf maximal drei Kaffee zu trinken.

 

Ralf Podszus [00:04:42] Okay, ich hatte erst zwölf gedacht, das ist dann tatsächlich eine Nummer.

 

Yusuf Irkilata [00:04:45] Zum Glück nicht.

 

Ralf Podszus [00:04:46] So, dann gehts ab zum Becken.

 

Kristina Kölling [00:04:49] Das ist meine Lieblingsdisziplin, tatsächlich beim Friseur.

 

Ralf Podszus [00:04:52] Echt? Magst du das voll gerne?

 

Kristina Kölling [00:04:52] Dann mach ich mal die Augen zu, das ist wie kurz vorm Einschlafen.

 

Ralf Podszus [00:04:58] Yusuf, ich habe mal in deinem Instagram-Account gesurft, du hast da ja einige Follower und Followerinnen auf jeden Fall. Und da sehe ich, auch wenn du dich sehr für Nachhaltigkeit einsetzt, du sitzt da oft im Motorboot mitten im Mittelmeer. Geht das für dich klar als jemand, der eigentlich auch umweltbewusst lebt?

 

Yusuf Irkilata [00:05:13] Nein, tatsächlich nicht, das war eine zufällige Aktion, die da stattgefunden hat und zwar war das ein Geburtstagsgeschenk von Freunden von mir zu meinem Geburtstag. So kamen wir dazu, das konnte ich natürlich nicht abschlagen.

 

Ralf Podszus [00:05:32] Und man kann ja auch jetzt nicht immer in Askese leben, vielleicht.

 

Yusuf Irkilata [00:05:34] Ja, richtig. Deswegen, es war ein tolles Erlebnis, aber so würde ich es nicht noch mal machen.

 

Ralf Podszus [00:05:43] So, Kristina ist jetzt schon eingeschlafen, das genießt sie total, mit dem Haare waschen oder die Massage dazu auf dem Kopf.

 

Kristina Kölling [00:05:50] Aber ihr habt ja einen ganz guten Punkt angesprochen, an dem auch wir, und wir sprechen ja gleich noch über die Ziele, aber auch, wie wir jeden mitnehmen. Und ich glaube, es ist falsch, einfach wirklich immer mit dem erhobenen Zeigefinger dazustehen und zu sagen, du machst ja noch das und du machst das. Was wäre denn eine Welt, wo wir es halt erreichen würden, wenn wir das voneinander entkoppeln, im Endeffekt. Also wenn wir trotzdem Spaß haben können und einfach auch unseren Bedürfnissen als Menschen, wir wollen halt Spaß haben, wir wollten uns selbst optimieren. Aber das auf einer Art und Weise, was mit unseren planetaren Grenzen im Endeffekt einhergeht. Und da ist zum Beispiel die Umstellung auf Grünstrom ein ganz wichtiger Punkt. Tchibo hat ja auch zum Beispiel schon mal E-Boote vermarktet. Tatsächlich, wenn das ein E-Boot ist und das aus grünen und erneuerbaren Quellen entstanden ist dieser Strom, dann wäre das ja auch gar nicht problematisch, wenn man am Wochenende mal schön mit Vollgas über die Alster heizt.

 

Ralf Podszus [00:06:46] Ja, auf dem E-Boot war ich auch schon, hört euch mal die Folge gerne an. Ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Auf der Dove-Elbe sind wir damals dann da gefahren. Yusuf, wir sind ja heute hier, weil wir nicht verstehen, warum das Thema Klima so wenige Leute bewegt. Zu wenig Leute, muss man sogar sagen. Auch in der Politik nimmt das Wort Klimaschutz kaum mehr jemand in den Mund. Zu groß ist einfach die Angst, dass die Menschen genervt sind. Es scheint ganz aus der öffentlichen Diskussion verschwunden zu sein. Und da dachten wir uns, hey, wer spricht immer mit Menschen? Friseure, ja. Und das unentwegt, den ganzen Tag. Und von dir haben wir nur das Allerbeste gehört. Guter Hairstylist, guter Redner. Was sind die Themen, welche du am Tag mit deinen Kunden und Kundinnen so besprechen musst?

 

Yusuf Irkilata [00:07:25] Das ist ein guter Punkt, das ist ganz unterschiedlich, da fängt es beim Wetter an, geht über Politik bis hin zu Essen, Trinken, Restaurant-Tipps, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, ist alles dabei und deswegen macht das das Gespräch auch ganz interessant. Meines Erachtens fehlt aber bei den Menschen so ein bisschen der Mut und das Wissen über Klimaschutz.

 

Ralf Podszus [00:07:50] Und fangen die auch immer an mit der ganz banalen Wetterfrage oder gibt es den ganz banalem Wetter-Smalltalk zum Start, zum Eisbrechen?

 

Yusuf Irkilata [00:07:58] Ja, das ist das Erste, was angesprochen wird, dass das Wetter heute nicht so schön ist.

 

Ralf Podszus [00:08:05] Aber ich meine, die Menschen leben hier in Hamburg, also das müssen sie mittlerweile kapiert haben.

 

Yusuf Irkilata [00:08:09] Eigentlich sollte das den Menschen bewusst sein. Trotzdem ärgern sich sehr viele Menschen über das Wetter. Das ist aber nicht nur das schlechte Wetter, es ist auch das gute Wetter, denn dann ist es zu heiß.

 

Ralf Podszus [00:08:17] Ja, ja.

 

Kristina Kölling [00:08:19] Ich glaube, es ist einfach immer ein gutes Thema, um ins Gespräch zu kommen. Und es ist ja eigentlich auch was Schönes, dass wir nicht irgendwie grummelig beim Friseur sitzen und irgendwie gar nichts sagen, sondern wenn dann sich dann auch gute Gespräche entwickeln, dann ist es einfach ein Einstieg, den wir vielleicht gerne in Hamburg wählen. Wenn ihr ihr dann so über das Wetter eingestiegen seid ins Gespräch und es zum Beispiel total heiß war am Vortag oder es total stark geregnet hat am Morgen. Kommt ihr dann darüber auch ins Gespräch, oder wird das dem Klimawandel dann überhaupt zugeschrieben? Ist das überhaupt ein Thema bei deinen Kundinnen?

 

Yusuf Irkilata [00:08:52] Das ist ein Thema, tatsächlich, aber vielen ist nicht bewusst, woran das liegt. Also man kennt die Ursachen, aber niemand weiß so wirklich, wie er dem entgegenwirken soll, was sein Beitrag dazu sein könnte zum Beispiel, wie er das ändern könnte, was er machen könnte. Und das ist häufig das Problem.

 

Kristina Kölling [00:09:14] Ja, die Frage beschäftigt mich natürlich auch total, weil unsere Kundinnen sind ja eigentlich auch die Personen, die bei dir zum Beispiel zum Haareschneiden kommen oder die wir halt auch alle im Alltag sehen. Wir sind halt ein Unternehmen, das mitten in der Gesellschaft steht. Interessiert die das Thema Klimaschutz überhaupt? Ja, da bin ich der vollen Meinung. Aber ist das ein relevantes Thema, wenn sie sich für oder gegen Produkte entscheiden? Ich glaube nicht. Im Endeffekt ist es nachher so, dass der Kunde oder die Kundin sich für Produkte von Unternehmen entscheidet, wo sie das Gefühl haben, die kümmern sich schon irgendwie darum. Da kann ich mit einem guten Gefühl einkaufen, denen vertraue ich. Die geben mir Sicherheit, dass das, wenn ich bei denen was kaufe, dass das schon seine Richtigkeit hat und dass nicht zum Beispiel, auch was soziale Themen anbetrifft, Menschenrechte verletzt werden, aber dass die sich auch um Klimaschutz kümmern.

 

Yusuf Irkilata [00:10:15] Ja, das ist ein sehr guter Punkt. Tatsächlich habe ich zum Beispiel schon öfters erlebt, dass ich mich mit Menschen über Klimaschutz unterhalten habe. Und zeitgleich habe ich gesehen, wie zum Beispiel kein Müll getrennt wurde. Das ist ja so ein kleiner Ansatz, mit dem man eigentlich zu Hause anfangen könnte beziehungsweise sollte. Deswegen finde ich, dass viele kein Bewusstsein dafür haben. Wie gehe ich Klimaschutz an? Was kann ich als erstes tun?

 

Kristina Kölling [00:10:44] Wenn du auch über, du hast gesagt, der Kunde ist eigentlich auch gar nicht, oder die Kundin ist gar nicht wirklich informiert und auch die Komplexität der Informationen sind so groß. Zum Beispiel würde weniger Fleischkonsum und zum Beispiel die Urlaubsreise per Zug viel mehr bringen, als dass ich jetzt das letzte Stück noch richtig in den richtigen Mülleimer sortiere. Also ganz viel Aufklärungsarbeit, und das sehe ich halt sehr, sehr positiv gerade, weil wir wollen ja auch positive Geschichten erzählen. Meine Kinder sind gerade beide durch die Grundschulzeit gegangen. Und das ganze Edukative, wie in der Grundschule mit Recycling und Umwelt und Nachhaltigkeitsthemen umgegangen wird, davon habe ich damals nichts gehört. Und die werden jetzt wirklich aufgeklärt und sind, glaube ich, heute viel besser informiert als viele Erwachsene eigentlich auch.

 

Yusuf Irkilata [00:11:30] Genau darum geht es, bei den Kindern anfangen, dass wir ein Bewusstsein dafür vermitteln. Meines Erachtens haben viele Kinder, auch Erwachsene schon, kein Bewusstsein für Umweltschutz. Das heißt, sie wissen gar nicht, wo das Fleisch, was sie gerade essen, herkommt. Sie wissen gar nicht, woraus das Plastik entsteht, womit ihre Schokolade verpackt ist. Und wenn wir mit diesen Kleinigkeiten anfangen, dass wir bei den Kinder das Bewusstsein schon setzen, sodass sie wissen, woher das alles kommt. Damit hätten wir schon einen ersten großen Schritt getan.

 

Ralf Podszus [00:12:00] Jetzt hat man das gerade gelernt, dass man nachhaltiger unterwegs sein sollte und auch ein bisschen mehr. Und dann wird man Papa. Du bist gerade auch recht frisch Papa, ne? Hast einen einjährigen Sohn. Dann hast du davor nachhaltig gelebt und auf einmal stellst du fest, wie viel Müll so ein Baby verursacht. Das ist einfach der Wahnsinn. Da möchte man ja auch kein Risiko eingehen und sagt sich dann, nee, das nehme ich nicht normal, das schmeiße ich lieber weg und nehm was Neues. Die Windeln und die ganzen Plastikverpackungen und das ganze Drumherum, das ist schon heftig.

 

Yusuf Irkilata [00:12:30] Ja, das stimmt, das ist ein guter Punkt. Bei den Windeln haben wir tatsächlich keine Lösung gefunden, aber bei allem anderen. Also wir kaufen für unser Kind nichts, was in Plastik verpackt ist, sondern alles, was er isst und trinkt. Das Wasser kommt aus der Leitung und alles, was er isst, wird von uns frisch zubereitet. Das heißt, es ist in der Regel Obst und Gemüse. Also da ist kein Plastik und damit könnte man zum Beispiel auch starten.

 

Kristina Kölling [00:12:55] Meistens eigentlich auch die günstigere Alternative, tatsächlich selber zu kochen und frisch zuzubereiten, als es verpackt und bereits vorbereitet zu kaufen.

 

Yusuf Irkilata [00:13:06] Tatsächlich ja. Wir versuchen da gerade, wie gesagt, unser Kind so zu erziehen, dass er ein Bewusstsein für die Umwelt entwickelt, schon im Kindesalter und nicht unbedingt sieht, dass seine Tomaten aus Plastik ausgepackt werden oder seine Bananen aus einer Tüte rausgeholt werden, sondern dass das alles auch so lose gekauft wird, ohne dass wir wirklich unnötig Müll produzieren. Das ist ein erster Schritt in Richtung Klimaschutz.

 

Ralf Podszus [00:13:35] So, die ersten Haare sind schon runtergegangen. Nach dem schönen Durchkneten und guten Abbürsten geht es jetzt wie weiter, Yusuf? Kristinas Kopf ist jetzt feucht und vorbereitet.

 

Yusuf Irkilata [00:13:45] Ja, wir haben jetzt die Haare gewaschen. Wir haben sie gepflegt und durchgekämmt, damit ich da auch mit arbeiten kann. Jetzt würden wir so ein bisschen Haare schneiden.

 

Kristina Kölling [00:13:53] Sehr schön. Jetzt im nassen Zustand sieht man meine grauen Haare auch viel mehr als im Trockenen.

 

Ralf Podszus [00:13:57] Ich finde eh auch Friseurspiegel sind immer ganz fies. Also das ist ganz ganz übel immer, wie man dann aussieht.

 

Kristina Kölling [00:14:02] Aber das Gute ist, ich muss meine Brille absetzen, dann sehe ich mich selber auch gar nicht so stark. Gerne noch ein bisschen kürzer, nicht zu doll und vor allem nicht so doll anstufen, weil dann liegen die immer bei mir so platt am Kopf an. Also das Maximale an Volumen rausholen, was du so durch den Schnitt kannst.

 

Yusuf Irkilata [00:14:18] Das mache ich. Ich würde dir so einen halben Zentimeter von der Länge wegnehmen. Ich schneide dir die Spitzen so ein bisschen softer, sodass sie eine Leichtigkeit kriegen. Dann wirst du das Problem nicht mehr haben, dass die platt runterhängen.

 

Ralf Podszus [00:14:31] Das bräuchten wir auch so eine Leichtigkeit bei der Klimawandel Diskussion, das wäre auf jeden Fall schön. Dieses Thema ist so schwer geworden.

 

Kristina Kölling [00:14:39] Total. Also auch gerade im Smalltalk, in dieser Situation beim Friseur, über dieses schwere Thema so zu sprechen. Man möchte immer so viel Wissen reingeben und so viel von allem erzählen. Aber ganz oft schaltet dann auch der Gegenüber schon oder die Gegenüber schon ab. Und ich bin dann immer ganz gerne, dass ich einfach darüber spreche, was wir bei Tchibo eigentlich machen. So ganz hands-on, was passiert bei Tchibo gerade zum Thema Klimaschutz. Dann kann man das eigentlich auch greifbarer machen, als wenn man diese globale Klimadiskussion startet mit den Freunden oder im Familienkreis.

 

Yusuf Irkilata [00:15:17] Das ist ein wichtiges Thema, was du da ansprichst. Da wäre direkt meine Frage, Tchibo produziert ja in Bangladesch?

 

Kristina Kölling [00:15:24] Unter anderem.

 

Yusuf Irkilata [00:15:25] Und auch der Kaffee kommt ja von weiter her. Wie könnt ihr denn gewährleisten, dass da auch alle Klimaziele eingehalten werden?

 

Kristina Kölling [00:15:32] Sehr, sehr gute Frage tatsächlich. Ich fange mal vielleicht ein bisschen von vorne an, auf welche Reise wir uns begeben haben. Tchibo misst seine Klimaemissionen schon seit 2018. Erstmal das Messen an sich ist ja erst mal wichtig, dass wir überhaupt wissen, wo entstehen eigentlich CO2-Emissionen in unseren Lieferketten. Und das ist tatsächlich hauptsächlich die Lieferketten, von denen du sprichst, Tchibo ist eigentlich auf der ganzen Welt unterwegs, hauptsächlich im globalen Süden eigentlich auch. Also Kaffeeanbauländer sind entlang des ganzen Kaffeegürtels eigentlich quasi angereiht am Äquator entlang, baut die Welt Kaffee an und dann die Produktionsländer für unsere Gebrauchsartikel im asiatischen Markt hauptsächlich, Bangladesch, China, um nur einige zu nennen. Und tatsächlich, unsere Emission, 98 Prozent unserer Emissionen entstehen nämlich genau da, also im Kaffeeanbau in anderen Ländern. Und dann liegt es ja wirklich nahe, wie könnt ihr das überhaupt kontrollieren? Mittlerweile gibt es halt sehr, sehr gute Annäherungsmethoden, wie wir diese Emissionen sehr exakt abschätzen können. Also wir sind heute so weit, dass wir wissen, wie groß ist eigentlich unser Fußabdruck, den wir bei Tchibo haben. Und jetzt ist natürlich, ja, das Messen an sich macht ja erst mal keine Veränderung. Und dafür mussten wir erst mal sagen, wo wollen wir eigentlich hin, also wo wollen wir eigentlich mit unserer CO2-Reduktion hin? Und da haben wir uns jetzt Ziele gesetzt als Organisation und die wurden auch extern von der Science-Based-Targets-Initiative, ein großes Wort, aber es gibt eine globale Organisation, die alle Unternehmen quasi validiert prüft, ob wir uns diese Ziele richtig setzen. Und das haben wir letztes Jahr bestätigt bekommen. Wir haben uns auf den Weg gemacht, bis 2045 netto Null zu sein, also unsere CO2-Emission um 90 Prozent, man hat da immer die Möglichkeit, dass 10 Prozent, sagt man, die sind Restemissionen. Und bis 2030, das ist für mich eigentlich ein viel wichtigeres Ziel, die Emissionen dort, wo wir sie direkt beeinflussen können, um 42 Prozent zu reduzieren. Und in unseren Kaffeeanbauländern, also im Kaffeeursprung um 30 Prozent und in unseren Produktionsländern für unsere Gebrauchsartikel um 25 Prozent. Ganz viele Zahlen, kann man sich so merken, zwischen 25 Prozent und 42 Prozent müssen wir unsere CO2-Emissionen bis 2030 senken.

 

Ralf Podszus [00:18:07] Genau, und das ist so ein Punkt, das ist alles total wichtig und auch total gut, dass es das Unternehmen macht. Ich kann ja auch mal aus dieser Pressemitteilung von Tchibo da zitieren, was du gerade gesagt hast. Bis 2030 will Tchibo seine direkten Treibhausgasemissionen um 42 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2022 senken. Für die landwirtschaftlichen Lieferketten wird eine Reduktion um 30 Prozent angestrebt. Für nicht-landwirtschaftliche Lieferketten, darunter Gebrauchsartikel und Verpackungen, sollen die Emissionen um 25 Prozent reduziert werden. Das langfristige Ziel bis 2045, netto null Emissionen, 90 Prozent, also in der gesamten Lieferkette, sollen erreicht werden. Das sind alles wichtige Informationen, aber da bin ich ja als Journalist fast schon raus. So viele Zahlen, Daten, Fakten, ich hab die Klammern gar nicht mitgelesen, die es dazu noch gab, das interessiert mich jetzt persönlich sehr. Ich denke jedoch, da müssen viele zweimal lesen. Oder lassen es dann schon nach ein, zwei Zeilen. Um viele Menschen damit zu erreichen, müsste die Klimakommunikation einfacher werden. Warum wird Klimawandel oft so kompliziert und was sagt der Friseur dazu?

 

Yusuf Irkilata [00:19:07] Ja, das sind sehr komplizierte Zahlen und Informationen, mit denen ein normaler Mensch nichts wirklich anfangen kann, weil er diese Begriffe meistens nicht kennt und deswegen kann er sich das auch schlecht vorstellen, was damit gemeint ist.

 

Ralf Podszus [00:19:23] Kristina, es ist wahrscheinlich so, ob es jetzt 30 oder 42 Prozent sind, das ist alles wichtig. Und das sind Schritte, die müssen auch gemacht werden und man muss um jedes Prozent ja kämpfen. Das ist ja auch als großes Unternehmen echt nicht so einfach. Da muss man auch für ein Prozent wahnsinnig viel umstellen. Aber das den Leuten so zu vermitteln, vielleicht braucht man da so zwei Ebenen, einmal die wirtschaftliche Argumentation und einmal für die Leute.

 

Kristina Kölling [00:19:46] Absolut. Und da sind wir jetzt auch genau an dem Punkt. Ich glaube, es war für uns als Prozess total wichtig, unsere Emissionen zu kennen und uns auch Ziele zu setzen, weil ohne Ziele ist jeder Weg richtig so. Aber das bringt uns noch keinen Schritt weiter. Das ist alles für mich Arbeit auf dem Papier. Wir haben dadurch kein CO2 eingespart. Und jetzt geht es darum, alle mitzunehmen. Und da geht es einmal um meine Kolleginnen bei Tchibo und es geht aber auch um die Kundinnen. Und da brauchen wir eine ganz andere Art von Kommunikation. Was wir jetzt als ersten Schritt gemacht haben, ist eine Kommunikation an die Mitarbeiterinnen und das haben wir jetzt gesagt, wir haben die 1600-Tage-Mission. Es sind nämlich noch genau 1600 Tage bis zu unserem 2030-Ziel. Und wie können wir zusammen mit 1600 Köpfen, wir haben das mal ein bisschen gerundet, sind vielleicht ein bisschen mehr in der Tchibo-Zentrale, aber die, die mitmachen wollen, sind vielleicht 1600. Wie machen wir aus dieser 1600-Tage-Mission mit 1600 Köpfen gemeinsam, wie starten wir eine Bewegung? Um es gemeinsam zu schaffen, weil wir werden das nicht alleine in unserem Nachhaltigkeitsteam schaffen.

 

Ralf Podszus [00:20:53] Und das ist ja schon wieder einfach. Das verstehe ich ja auch sofort. Das ist schon mal gut. Also da habt ihr auch kapiert, man muss da auf eine andere Ebene auf die Leute zugehen.

 

Kristina Kölling [00:21:01] Ja, und jetzt geht es halt darum, wie kann jeder Einzelne seinen Beitrag leisten. Und was ich total toll finde, wir hatten vor drei Wochen unsere Green Days, wo wir auch über unsere Klimaziele erzählt haben. Und wir haben einfach mal gefragt, wer hat Lust, mitzumachen? Und wir hatten so viele Kolleginnen, die sich sofort gemeldet haben, die ihren Namen dagelassen haben, die auch schon gleich uns Ideen genannt haben, die sie gerne umsetzen möchten. Wir haben da eine große Bereitschaft gesehen, gemeinsam an dieser 1600-Tage-Mission mitarbeiten zu wollen. Aber der nächste Schritt ist natürlich, wie kriegen wir auch unsere Kundinnen, also die Gesellschaft, mit auf diesen Weg? Hast du da irgendwelche Tipps, wenn du jetzt so an deine Kundinnen denkst, hier im Friseursalon?

 

Yusuf Irkilata [00:21:45] Ja, das könnte man zum Beispiel machen, indem man darüber spricht. Öfters. Und man auch überlegt, was könnte ich dafür tun? Worauf könnte ich verzichten? Was könnte ich in meinem Leben ändern? Das sind, wie ich vorhin schon erwähnte, ganz simple Dinge, indem man schon mal zu Hause anfängt, Müll zu trennen, indem man weniger Plastik einkauft und auf solche Dinge achtet. Aber wie gesagt, allen voran sich einfach darüber unterhält.

 

Ralf Podszus [00:22:17] Du könntest hier bei deinem Friseursalon ja auch die Leute dann gleich fragen, hallo, guten Tag, Kaffee, was darf ich schneiden? Beschäftigen Sie sich mit Umweltschutz? So, dann haben wir diese drei Dinge abgehakt.

 

Yusuf Irkilata [00:22:28] Also was ich immer ganz oft höre, ist, dass die Kunden sagen, was könnte ich denn tun als einzelner Mensch? Das, was ich mache, würde doch gar nichts bringen und nichts helfen. Da müsste schon die Politik was machen. Aber wir könnten ja die Politik dazu bewegen und denen einen Anstoß dafür geben, dass da was gemacht werden muss.

 

Kristina Kölling [00:22:50] Das auf jeden Fall. Tatsächlich hat jeder ja die Möglichkeit, wählen zu gehen und sich für die politische Richtung zu entscheiden, wo man am meisten glaubt, dass sie sich für Umweltschutz zum Beispiel einsetzen, aber man darf halt auch nicht unterschätzen, was der Konsument für eine Macht hat, indem er seine Einkaufsentscheidungen im Endeffekt trifft. Und ich glaube, da ist auch so ein Ansatzpunkt für Tchibo, wenn immer mehr Kundinnen das Gefühl haben, wir machen hier unseren Job und wir übernehmen Verantwortung für unser Handeln, dass dadurch immer mehr, und Tchibo hat ja schon ein großes Vertrauen in seine Marke, dass wir das dadurch immer mehr stützen und man sich dann auch dafür entscheidet oder bei Tchibo entscheidet, Produkte zu kaufen im Vergleich zu anderen Unternehmen, die vermeintlich erstmal weniger tun. Und deswegen glaube ich, dass jeder mit seinen Kaufentscheidungen, du hast ja wahrscheinlich dir auch Gedanken gemacht, von welcher Firma kaufst du hier deine Shampoos, die ich hier so in schönen Farben rumstehen sehe? Auch du hast ja eine Wahl. Und das ist, glaube ich, ein entscheidender Punkt. Wenn ich hier schon so sitze, vielleicht kannst du mir noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wenn ich jetzt gleich in den Überseering gehe. Was müssten wir denn als Tchibo besser machen? Und was müssten wir als Tchibo machen, um dich zum Beispiel oder auch deine Kundinnen mitzunehmen und besser zu kommunizieren, zum Beispiel auf unseren Verpackungen?

 

Yusuf Irkilata [00:24:13] Das wäre ein guter Ansatz, wenn man auf den Verpackungen die Käufer darüber informiert, was man alles für den Klimaschutz tut und was man weiterhin verbessern bzw. tun könnte und was der Käufer tun könnte, indem er zum Beispiel gesagt bekommt, wie er seine Verpackung am besten entsorgt.

 

Kristina Kölling [00:24:33] Das, was die Kundinnen interessiert, ist meistens das, was wirklich zu Hause passiert, was einen direkten Einfluss auf die eigene Lebensqualität hat. Aber wenn man natürlich jetzt unsere CO2-Emissionen anschaut, dann sind das natürlich ganz andere Themen auch. Da frage ich mich, wie kriege ich dort auch genug Information rübergebracht, wenn wir, ich hatte ja erzählt, dass 98 Prozent unserer Emissionen eigentlich in den Ursprungsländern und in den Produktionsländern entstehen. Und da machen wir großartige Programme, wir unterstützen Fabriken dabei, zum Beispiel energieeffizienter zu sein, so wie in jedem Haushalt auch, wie hier in deinem Salon auch oder wie sie umstellen können auf Grünstrom, also Strom aus erneuerbaren Quellen. Das ist so komplex, kommt sowas überhaupt beim Kunden an? Was meinst du?

 

Yusuf Irkilata [00:25:29] Ich denke nicht, weil, wie gesagt, ich finde, dass das Bewusstsein dafür fehlt. Man hat schnell das Gefühl, dass Strom wie Obst am Baum wächst und man weiß nicht, woher es kommt. Man weiß nicht was man genau dagegen tun kann. Viele wissen zum Beispiel nicht, dass es auch Ökostrom gibt und wie Ökostrom überhaupt produziert wird. Was ist der Unterschied zwischen Ökostrom und klassischem Strom, was man bezieht? Und wenn man ein Bewusstsein dafür entwickeln würde, dann würde man sich auch für den umweltschonenderen Weg entscheiden. Da fehlt die Information, das Wissen bei vielen meiner Kundinnen. Und da könnte die Politik zum Beispiel etwas bewusster mit umgehen, indem er seine Bürger etwas mehr darüber informiert, was der Unterschied ist.

 

Kristina Kölling [00:26:18] Und wir als Tchibo kommunizieren dann halt mehr über die Dinge, die den Kunden auch wirklich interessiert. Und das andere schwingt mit. Und wenn es Kundinnen gibt, die sich dann mehr informieren wollen, denen auch die Möglichkeit gibt, sich detaillierter zu informieren. Weil alles auf die Verpackung kann ich ja nicht schreiben. Ich kann einen Entsorgungshinweis, also in welche Tonne sollen Sie diese Verpackungen schmeißen, vielleicht auch über unser Kaffee-Programm ein bisschen was erzählen auf unseren Kaffeeverpackungen. Aber darüber hinaus wird es dann ja doch sehr detailliert. Würdest du dich zum Beispiel dann auf unserer Nachhaltigkeitsseite dann noch weiter informieren, wenn du mehr wissen wollen würdest?

 

Yusuf Irkilata [00:26:55] Das würde ich machen, wenn ich wüsste, dass es da Information gibt. Und wir leben in einer Zeit, wo wir ja sehr viel rauskriegen können im Internet. Das heißt, die Möglichkeiten sind da, die Menschen zu informieren. Und wenn es da Möglichkeiten gibt, dann würde ich das natürlich nutzen.

 

Ralf Podszus [00:27:16] Aber ehrlich, es ist schon so, wenn du dir irgendwo schnell was zu essen holst, am Bahnhof oder ins Restaurant gehst, dann weißt du nicht so, ist das Glutamat oder was ist da alles drin? Dann steht ja immer 2, 4, 9, 18, 105. Und frag doch vorne an unserem Tresen, da gibt es dann den Katalog, wo du nachgucken kannst, was ist das alles beim Essen? Aber wer geht da wirklich bewusst hin und schaut sich das an, was da inb seinem Essen drin ist? Vielleicht die, die echt ein Problem haben und wissen, wenn dieser Nährstoffinhalt drin ist, dann falle ich eben um. Aber die meisten, die das Problem nicht haben, die nehmen doch einfach hin, dass da diese ganzen vielen verschiedenen Ziffern unter meinem Essen stehen und man weiß gar nicht, was man damit alles so isst. Also muss man vielleicht nicht doch irgendwie offener kommunizieren, als nur zu sagen, guck mal, im Internet steht, dass wir gut sind.

 

Kristina Kölling [00:28:04] Jetzt auch für mich so, als wenn ich unser Gespräch hier beim Friseur ein bisschen Revue passieren lasse, ich glaube, das ist wirklich tatsächlich so, dass wir dort kommunizieren müssen, wo die Kundinnen interessiert. Zum Beispiel, wenn wir jetzt refurbished Kaffeevollautomaten verkaufen, die sind erst mal auch günstiger als die, wenn man sie neu kauft. Und das ist halt auch das, was zum Beispiel interessiert, oder zum Beispiel, werden wir die Kundinnen dabei unterstützen, die richtige Tonne zu finden. Also Entsorgungshinweise. Das sind so die Themen, die wirklich spannend sind. Die anderen müssen wir einfach machen, weil wir Verantwortung als Unternehmen für unser Handeln übernehmen wollen. Und wenn man dann zum Beispiel Journalisten, aber auch sehr informierten Konsumentinnen die Möglichkeit gibt, ein bisschen tiefer in Themen einzusteigen, muss man auch diese Informationen zur Verfügung stellen. Aber wir dürfen nicht an der Realität, am Alltag, vorbeigehen und denken, jeder liest jetzt 1000 Informationen von uns, sondern wir müssen es aus einem Selbstverständnis machen als Unternehmen. Und da bin ich sehr, sehr optimistisch und auch sehr, sehr stolz darauf, dass wir das im Kern unserer Unternehmenswerte verankert haben.

 

Yusuf Irkilata [00:29:17] Kristina, möchtest du noch einen Kaffee?

 

Kristina Kölling [00:29:18] Super gerne. Der ist echt lecker, dein Kaffee. Wo holst du den immer? Und achtest du da auch auf den Preis?

 

Yusuf Irkilata [00:29:27] Ja, unser Kaffee ist tatsächlich von Tchibo und mir ist aber aufgefallen, dass der Kaffee immer teurer wird. Macht ihr eigentlich was dagegen?

 

Kristina Kölling [00:29:35] Ja, ich habe auch tatsächlich gestern im Hamburger Abendblatt gelesen, dass jetzt auch Kaffee teilweise in so Vitrinen so wie alkoholische Getränke auch weggeschlossen wird, weil der so viel geklaut wird tatsächlich. Und man muss echt sagen, Kaffee ist wirklich teurer geworden und das liegt nicht nur, aber das liegt auch am Klimawandel tatsächlich. Unsere Kaffeepflanzen im Ursprung sind massiv unter Stress. Aufgrund von Dürreperioden, zu starken Regenfällen, ganz unterschiedlich, genauso wie wir es ja auch hier kennen. Das Wetter wird immer extrem.. Oh, das mag ein Friseur gar nicht, wenn ein Werkzeug...

 

Ralf Podszus [00:30:16] Da ist der Kamm runtergefallen.

 

Yusuf Irkilata [00:30:19] Ich sollte Feierabend machen.

 

Ralf Podszus [00:30:19] Wie der Barkeeper, wenn er sich beim Shaken irgendwie doch ein bisschen verschüttet oder so.

 

Kristina Kölling [00:30:25] Ja, und da sind wir tatsächlich auch unterwegs natürlich, um in unserem Tchibo-Kaffee-Programm auch genau hier anzusetzen und auch unsere CO2-Emissionen im Kaffeeursprung zu senken. Zum Beispiel gemeinsam mit den Farmerinnen und Farmern bauen wir Programme auf, dass weniger Düngemittel eingesetzt wird, weil das zum Beispiel ein hoher Emissionstreiber ist. Also die Produktion von Düngemittel ist sehr, sehr energieintensiv. Aber auch andere Maßnahmen, z.B. in Vietnam, wo auch ein Teil unseres Kaffees herkommt, wird sehr, sehr viel Wasser verbraucht und dazu werden Pumpen benötigt, die auch wiederum sehr viel Energie verbrauchen. Also hier auch sind wir in allen Ursprungsländern für einen Kaffeeanbau unterwegs und reduzieren die Emissionen. Dadurch wird der Kaffee aber erst mal nicht günstiger. Ich glaube, wir müssen Kaffee einfach wieder mehr wertschätzen. Das ist ein ganz, ganz tolles Produkt, wo sehr viel Liebe und Arbeit drinsteckt. Und wir als Tchibo kümmern uns darum, dass dann auch in den Kaffeeprogrammen in den Ursprungsländern entsprechend die Maßnahmen umgesetzt werden. Und das ist wirklich wichtig, weil wir leben ja jeden Tag, wir sehen das ja auch hier, ihr trinkt fünf bis zwölf Tassen Kaffee vielleicht am Tag hier im Salon. Es geht darum, dass wir überhaupt noch in ein paar Jahren Kaffee trinken können, dass es die Pflanze eigentlich überlebt quasi den Klimawandel und sich auch entsprechend anpasst.

 

Yusuf Irkilata [00:31:57] Das ist krass, das hätte ich nicht gedacht und dann sollten wir den ein oder anderen Kaffee, den wir so trinken, noch mehr genießen.

 

Ralf Podszus [00:32:08] Ist wie immer der Schlüssel, Kommunikation, man muss drüber reden, dann verstehen es immer mehr und dann denkt man immer mehr drüber nach und dann lebt man damit auch bewusster. Jetzt weiß ich das, Kaffee wird schon weggeschlossen, um Himmels willen, ohne Kaffee komm ich nicht aus, ich gehe damit ein bisschen sorgsamer um. Kristina, so kannst du perfekt in den Urlaub gehen, deine Friese sieht wieder sehr gut aus. Wenn du dann auf dem Surfboard stehst, ist nachher sowieso alles nass und klatscht so runter am Gesicht, aber beim abends essen gehen glänzt du in der untergehenden Abendsonne.

 

Kristina Kölling [00:32:40] Ich bin auch total happy, muss ich sagen.

 

Yusuf Irkilata [00:32:42] Das freut mich sehr. Ich starte dann mal mit dem Föhn.

 

Ralf Podszus [00:32:47] Ja, starte mal mit dem Föhn, dann sind wir am Ende. Man kann natürlich noch ewig darüber weiterreden. Allerdings haben wir auch gemerkt, zu viel drüber reden und zu ganz genau drüber reden, das schreckt vielleicht die Leute ab. Insofern müssen wir den Punkt machen. So schnell bekommt man hier eine neue Friese. Wenn ihr Bock habt, zu Yusuf in den Friseursalon zu kommen, dann hab ich noch eine schlechte Nachricht für euch. Er ist über Monate ausgebucht. Thema Verknappung also auch hier. Mann, Mann, Mann. Überall. Danke Kristina und danke Yusuf für diese angenehme frühe Klimastunde im Hairstudio. Wir haben diese Podcastfolge, wie sagt man so schön, vorm Aufstehen aufgenommen, damit du gleich die Heerscharen und Frauenscharen, die hierherkommen, noch gut beschnippeln kannst, Yusuf. Es hat mir sehr viel Freude bereitet hier bei dir. Vielen Dank.

 

Yusuf Irkilata [00:33:34] Ja, mir auch. Ich hab auch zu danken.

 

Ralf Podszus [00:33:37] Danke Kristina und erhol dich gut im Urlaub und dann tapferes weiteres gutes Klima kämpfen.

 

Kristina Kölling [00:33:43] Danke, das werden wir auf jeden Fall machen.

 

Ralf Podszus [00:33:45] Was nehmen wir mit? Klimaschutz ist wirklich kein Elitenthema, auch kein Verzichtsprogramm. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Platz für gute Gespräche, Alltagshelden und Heldinnen und ambitionierten Unternehmen. Und man muss auf jeden Fall darüber reden, ganz klar und natürlich auch verständlich, sodass es alle kapieren. Auch wenn die Politik zu diesem Thema leiser wird, der Föhn ist immerhin noch lauter. Der Klimawandel, der ist sowas von brachial doll da, und Klimalösungen gehören auf den Tisch. Oder hier bei Yusuf auf den Stuhl. Also da auch gerne weiterhin drüber reden und mit den Menschen in den Dialog gehen. Wenn ihr mögt, dann empfehlt diese Folge weiter oder sprecht einfach beim nächsten Friseurbesuch darüber. Dann haben wir alles richtig gemacht. Streitet auch gerne dazu. Einfach drüber reden. Ich bin Ralf Podszus und ich freue mich auf euch und die nächste Tasse Kaffee. Wenn euch dieser Podcast gefällt, dann lasst gerne mal ein Like da oder abonniert ihn überall dort, wo es Podcasts gibt, z.B. bei Amazon Music, RTL Plus oder Spotify. Bis zum nächsten Mal und ein gutes Föhnen.

 

Station Voice [00:34:55] 5 Tassen täglich, der Tchibo-Podcast. Ihr habt Fragen oder Anregungen zu dieser Podcastfolge? Wir freuen uns auf eure E-Mail an podcast@tchibo.de