Mensch & Verantwortung
Tchibo Dialogveranstaltung KLARTEXT in Berlin

Gibt es morgen noch Kaffee?

Wenn bei einer Veranstaltung die Stühle für die geplante Anzahl an Gästen nicht ausreichen, ist das meist ein ziemlich gutes Zeichen – nämlich, dass sie ein voller Erfolg ist. Genau so war es bei der Tchibo Dialogveranstaltung KLARTEXT vergangenen Dienstag, den 14. April 2026: Schon vor dem offiziellen Start lag eine spürbare Erwartung in der Luft. Kein Wunder, denn es ging um die Zukunft unseres Lieblingsgetränkes. Unter dem Titel „Gibt es morgen noch Kaffee?“ kamen Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Verbraucherschutz und Medien zusammen, um sich genau über diese Frage auszutauschen. So wie der Kaffee ist auch der Kakao von Einflussfaktoren wie dem Klimawandel und steigenden Rohstoffpreisen bedroht: Daher hatten unsere Kolleginnen auch den CEO von Ritter Sport, Andreas Ronken, eingeladen. 

Wir Praktikant:innen, Luisa, Konrad und Marta, durften die Kolleg:innen der Bereiche Unternehmensverantwortung und Unternehmenskommunikation beim Event unterstützen. Auch weil uns das Thema am Herzen liegt: Was wären wir nur ohne Schokolade, geschweige denn Kaffee?!

Professioneller gehts kaum: Luisa, Marta und Konrad

Pünktlich um 14:15 Uhr öffneten die Türen von Data Space, einer Berliner Veranstaltungslocation, für die insgesamt rund 100 Gäste. Bei Kaffeespezialitäten und Macarons entstanden schon zu Beginn angeregte Gespräche. Nachdem ein Gong den offiziellen Beginn der Veranstaltung einläutete und die Sitzplätze bis auf den letzten Stuhl gefüllt waren, ging es los. 

Pablo von Waldenfels, Direktor Unternehmensverantwortung bei Tchibo, begrüßte die Gäste, gab einen ersten Einblick in das Programm des Nachmittags und leitete dann zum Innovations- und Transformationsexperte Karel J. Golta über. In seiner Keynote „Die Kraft des Unvorhergesehen“ machte dieser deutlich, dass Innovation selten gradlinig verläuft. Fortschritt brauche Offenheit, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, auch unter unsicheren Bedingungen handlungsfähig zu bleiben. Lösungen würden nicht für Menschen, sondern mit ihnen entstehen. Und um etwas zu verändern, müsse Gewohntes infrage gestellt werden – das gelte für alle Unternehmen, Bereiche und Produkte. Auch für Kaffee und Kakao. 

Um die Existenz genau dieser beiden Produkte langfristig sicher zu stellen, sollte sich die Podiumsdiskussion im Anschluss drehen. Denn: Dass es Kaffee und Kakao in 20 Jahren noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Darum muss gehandelt werden!  

Im Gespräch waren, neben Pablo von Waldenfels und Andreas Ronken, CEO von Alfred Ritter, auch Dr. Olaf Deutschbein, Leiter des Berlin Büros UNIDO, Melanie Rutten-Sülz von Solidaridad Deutschland e.V. und Markus Kamrad, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin. Die Moderatorin Katja Weber sorgte dafür, dass alle Akteurinnen und Akteure ihre Perspektiven einbringen konnten. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass die Herausforderungen entlang der Lieferketten für Kaffee sowie Kakao vielschichtig sind. Klimawandel, volatile Weltmärkte, soziale Ungleichheiten in den Ursprungsländern und steigende Rohstoffpreise setzen den Sektor zunehmend unter Druck. 

(© Melanie Dreysse) v.l.n.r.: Dr. Olaf Deutschbein, Melanie Rutten-Sülz, Pablo von Waldenfels, Andreas Ronken, Vern Long, Karel J. Golta, Markus Kamrad, Katja Weber (Moderation)

Das zentrale Thema ist die Situation der Farmerinnen und Farmer in den Ursprungsländern. Mehrfach wurde betont, dass Investitionen in Wissen, Produktivität, Finanzierung und resilientere Anbaumethoden notwendig sind. Ebenso klar war aber auch: Entscheidend ist eine wirtschaftliche Grundlage, die ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht. Nur wenn die Kaffeefarmer von ihrer Arbeit leben können, entstehen Freiräume für Bildung, Gesundheit und langfristige Entwicklung. 

Dabei wurde auch die Verantwortung der Unternehmen klar benannt. Unternehmen müssten in die Zukunftsfähigkeit ihrer Lieferketten investieren und ihrer Verantwortung gerecht werden. Zugleich wurde hervorgehoben, dass sie strukturelle Defizite in den Ursprungsländern nicht allein ausgleichen können. Verlässliche politische Rahmenbedingungen und staatliche Verantwortung vor Ort bleiben unverzichtbar. 

An dieser Stelle knüpft auch die aktuelle Entwicklung bei Tchibo an. Zwei Jahre nach dem Start des Kaffeeprogramms „Coffee2Stay“  arbeitet Tchibo inzwischen mit rund 22.000 Kaffeefarmer:innen in neun Ursprungsländern zusammen. Im Zentrum stehen dabei messbare Verbesserungen vor Ort – von Einkommenssicherung über klimaresiliente Anbaumethoden bis hin zur Stärkung wirtschaftlicher Stabilität auf den Farmen. Aktuell stammen rund 27 Prozent des Rohkaffees aus verantwortungsvollem Einkauf, bis Ende 2026 sollen es 40 Prozent, bis 2027 dann 100 Prozent sein. Denn unser erklärtes Ziel ist, es, dass Ende nächsten Jahres ALLE Tchibo Kaffees nachhaltig eingekauft werden. 

Intensiv diskutiert wurde zudem die Rolle von Siegeln, Standards und Transparenz. Einerseits leisten anerkannte und unabhängig kontrollierte Nachhaltigkeitsstandards einen wichtigen Beitrag zur Orientierung. Andererseits wurde klar, dass Zertifizierungen vor Ort in den Ursprungsländern nicht ausreichen, um alle Farmen wirtschaftlicher und nachhaltiger zu machen.  

Aus Sicht des Verbraucherschutzes wurde zudem diskutiert, wie sich „Verantwortung“ glaubhaft vermitteln lässt. Verbraucherinnen und Verbraucher verstehen oft nicht, warum sie mehr bezahlen sollen – denn nicht jedes teure Produkt ist auch nachhaltig. Zwischen dem Wunsch nach bezahlbaren Produkten und der Notwendigkeit, stärker in die Ursprungsländer zu investieren, bleibt ein Spannungsfeld, das sich nicht einfach auflösen lässt. 

Pablo von Waldenfels betonte, dass Verantwortung nicht auf die Farmerinnen und Farme abgeschoben werden dürfe. Vielmehr gehe es darum, in die Wirtschaftlichkeit der Farmen zu investieren und damit Perspektiven zu schaffen. Zugleich wurde angesprochen, dass Nachhaltigkeit für Konsumentinnen und Konsumenten zwar nicht immer das entscheidende Kaufargument ist, für Vertrauen und Markenwahrnehmung jedoch eine wichtige Rolle spielt.

Zum Abschluss richtete Vern Long, CEO von World Coffee Research (WCR), den Blick auf die langfristigen Entwicklungen im Kaffeesektor. WCR ist eine gemeinnützige Forschungsorganisation, die sich auf die Zukunft von Kaffeepflanzen konzentriert. Long warb dafür, trotz der wachsenden Herausforderungen optimistisch zu bleiben, Innovationen stärker voranzutreiben und die Farmerinnen und Farmer konsequent ins Zentrum aller Bemühungen zu stellen. Gerade angesichts der Klimakrise und anhaltender Unsicherheiten brauche es mehr Zusammenarbeit, mehr Investitionen und den Willen, Entwicklungen langfristig zu begleiten.

Vern Long, World Coffee Service (WCR)

Ja und, gibt es denn morgen nun noch Kaffee? Die Veranstaltung machte deutlich: So einfach lässt sich die Frage nicht mit Ja oder Nein beantworten. Sicher ist aber, dass die Zukunft von Kaffee und Kakao gemeinsames Handeln erfordert – von Unternehmen, Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Verbraucherinnen und Verbrauchern. KLARTEXT hat dafür spannende Perspektiven zusammengebracht und gezeigt, wie wichtig es ist, den Dialog weiterzuführen. Danke für die Möglichkeit, daran teilhaben zu können.