Kaffeetasse mit Bohnen als Herzschlaglinie
Podcast
Kaffee Wissen to go

#70 Koffein und seine Mythen

In der Podcastfolge „5 Tassen täglich“ sprechen Moderator Ralf und Karina Schneider mit dem Wissenschaftler Dr. By über die Mythen und Wirkungen von Koffein. Die Episode behandelt Themen wie die wachmachende Wirkung, mögliche Abhängigkeit sowie den Unterschied zwischen Arabica- und Robusta-Kaffeebohnen. Zudem erfahrt ihr spannende Fakten, etwa dass Koffein bis 2004 als Dopingmittel galt und wie es auf die körperliche Ausdauer wirkt

Kaffee wegen des Koffeins. Koffein wegen des Kaffees. In der neuen Podcast Folge ist nicht nur das Thema unzertrennlich, sondern auch mein Gast und ich. Denn ich habe mal wieder unseren Lieblingskaffeewissenschaftler Dr. By vor das Mikrofon eingeladen. DIE Gelegenheit, ihn mit Fragen zu löchern. Heute im Fokus: Kaffee (na klar), Koffein und seine Mythen.

gestapelte Kaffeetassen und Text „Fünf Tassen täglich“

Koffein, in Form einer Tasse Kaffee ist für viele von uns wahrscheinlich essenziell. Und genauso heiß wird es auch immer wieder diskutiert. Was ist eigentlich Koffein? Wie wirkt Koffein? Und wirkt es sofort? Für die nächste Diskussion rund um Koffein und seine Mythen seid ihr nach dieser Folge bestens gewappnet. Adenosin, Alkoid.. es fallen einige Fachbegriffe, aber dafür haben wir unseren Wissenschaftler: Dr. By klärt uns auf.

Ob noch im Bett, beim Frühstück oder gar statt Frühstück: 41,6 Prozent der Deutschen geben an, erst vom Kaffee richtig wach zu werden (Kaffeereport). Stimmt es, dass uns Kaffee wirklich wach macht?

"Man kann sagen es macht wach, man müsste aber genauer sagen, es verhindert, dass man müde wird."
Dr. By
Cappuccino mit Herzschaum, Bohnen als Linie

Sportler aufgepasst: Denn für die hat Dr. By einen Tipp im Petto. Koffein erhöht die Ausdauer und galt deshalb sogar mal als Dopingmittel. Einen Espresso vor dem 5-km Lauf? Es gibt Schlimmeres. Macht Koffein denn nun süchtig? Muss ich mir Sorgen machen, dass ich süchtig bin, wenn ich nach einem Tag ohne meinen Kaffee Kopfschmerzen bekomme? Auch da hat Dr. By beruhigende Nachrichten für uns.

Hat Kaffee eigentlich immer gleich viel Koffein? Kleiner Spoiler: Nein. Arabica und Robusta, wer hat wohl mehr zu bieten? Hört rein in unsere neue Folge und findet es heraus.  

Transkript

Ralf:

Fünf Tassen täglich Kaffee wissen To go. Ein unzertrennliches Pärchen beim Kaffee Wissen Togo sind Karina Schneider und ich. Wir freuen uns immer auf unsere Gäste, die uns hier mit Kaffee-Wissen sehr viel Expertise geben können. Heute mit am Start Wissenschaftler Doktor By. Ja, wir reden über das andere unzertrennliche Pärchen: Kaffee und Koffein. Wie abhängig macht Koffein? Wie schnell wirkt Koffein? Alle diese Fragen können wir jetzt mal eben klären werden.

 

Dr. By:

Ja, gerne. Hallo Ralf.

 

Karina Schneider:

Hallo. Ja jetzt habe ich hier ein Extra-Pärchen rausgeholt, Gerhard, ohne das man eigentlich an einen Kaffee gar nicht vorbeikommt. Das Koffein steht heute bei uns im Fokus und ob sie so unzertrennlich sind, weiß ich gar nicht. Wenn wir nachher vielleicht noch mal kurz den entkoffeinierten Kaffee streifen. Aber wir fangen vorne an mit dem Koffein. Was ist denn aus Wissenschaft Sicht eigentlich Koffein?

 

Dr. By:

Koffein ist ein sekundärer Pflanzenstoff, es ist ein Alkaloid. Das kommt in vielen verschiedenen Pflanzen natürlicherweise vor, unter anderem in der Kaffeebohne. Es kommt nicht in allen Teilen der Kaffeepflanze vor und es ist eins der am meisten konsumierten Alkaloide auf der Welt.

 

Karina Schneider: Und wenn du es dir jetzt aus Wissenschaft Sicht anguckst und es für uns versuchst zu übersetzen, wie wirkt denn Koffein? Es wird ihm ja eine wach-machende Wirkung nachgesagt. Macht Koffein wirklich wach?

 

Dr. By:

Man kann sagen, es macht wach. Man müsste genauer sagen es verhindert, dass man müde wird. Das Koffein hat zufälligerweise genau die gleiche oder eine ähnliche molekulare Struktur wie ein Botenstoff, den wir selbst produzieren, wenn der Körper meint, jetzt wirds Zeit in die Heia, dann produziert er den Botenstoff Adenosin. Und Koffein hat eine ähnliche Form und besetzt den Rezeptor und plötzlich kommt das Müde werden Signal nicht mehr an.

 

Karina Schneider:

Und das Ganze findet im Gehirn statt ist es richtig?

 

Dr. By:

Das findet hauptsächlich im Gehirn statt, ja.

 

Karina Schneider:

Und wenn ich jetzt sage: Ach Mensch, ich habe Lust auf eine Tasse Kaffee und ich möchte gerne vielleicht nicht müde werden oder wacher werden, wie man ja volkstümlich eigentlich sagt oder umgangssprachlich sagt, wirkt das Koffein sofort oder wie lange braucht es?

 

Dr. By:

Es wirkt tatsächlich ziemlich schnell, es wirkt erstmal unterschiedlich individuell. Also, jeder kennt jemand, der es nicht gut verträgt und so weiter. Aber es wirkt sehr schnell ganz einfach, Koffein hat eine besondere Struktur: Es ist sowohl gut wasserlöslich als auch gut fettlöslich, damit hat es also in unserem Körper keine Barriere. Und wenn ich reines Koffein zu mir nehmen würde, dann wäre ungefähr nach 15 Minuten überall in meine Körperflüssigkeit die gleiche Menge Koffein enthalten.

 

Karina Schneider:

Mir fällt gerade ein Gespräch mit unserer Barista Indre ein an die erinnerst du dich vielleicht auch noch, die uns mal den Tipp gegeben hat, dass Sportler glaube ich tatsächlich vor einem Spiel Espresso trinken, weißt du das noch?

 

Ralf:

Ja das haben wir in einer Folge mal besprochen: Es lohnt sich sowieso, immer mal in die anderen ganzen Folgen reinzuhören. Da können eben genau diese ganzen Themen einem vielleicht zur nächsten Goldmedaille verhelfen.

 

Karina Schneider:

Gerhard was sagst du zum Sport und dem Koffein?

 

Dr. By:

Da hat Indre vollkommen Recht. Die kennt sich ja auch aus als Trainerin und Sportlerin. Es war bis 2004 sogar als Dopingmittel verschrien, ist aber seit fast 20 Jahren nicht mehr als Dopingmittel auf der Liste. Es kann die Ausdauer erhöhen. Es kann insgesamt Leistungsfähigkeit erhöhen. Und das ist auch überprüft von der EFSA das ist ja die europäische Lebensmittel Behörde, die hat das untersucht und dazu eine Meinung abgegeben. Und gesagt, dass das hilft.

 

Karina Schneider:

Manchmal sehne ich mich am Nachmittag noch mal so richtig nach dem nächsten Espresso. Macht Kaffee und macht Koffein denn jetzt eigentlich aus deiner Sicht süchtig? Daran scheiden sich ja auch so ein bisschen die Geister.

 

Dr. By:

Ja, das liegt auch daran, dass süchtig sein, süchtig machen, nicht genau definiert ist. Man muss sagen, dass ein Teil der Bevölkerung, die Kaffee zu sich nehmen, tatsächlich wenn sie dann aufhören, Entzugserscheinungen bekommen, in Form von Kopfweh. Das betrifft bis zu 50 %, in anderen Untersuchungen sind es nur etwas über 20 % gewesen. Mich betrifft das überhaupt nicht. Ich trinke meine sieben Tassen am Tag und kann also ruck zuck auf den Punkt aufhören. Und ich habe kein Kopfweh und auch kein Zittern oder sonst was. Aber Entzugserscheinungen sind für sich allein noch kein Anzeichen für Abhängigkeit. Da müssen noch mehrere, andere Kriterien dazu kommen. Man spricht meist von sechs verschiedenen Kriterien. Dass man immer mehr braucht, um den gleichen Effekt zu haben, dass man immer unvernünftigere Dinge tut, um an den Stoff zu kommen. Das ist alles bei Kaffee nicht der Fall. Also nur diese Entzugserscheinungen und nur bei einem Teil der Bevölkerung das reicht nicht aus, um sagen zu können, das ist ein Suchtmittel.

 

Karina Schneider:

Das hast du auch sehr schön mal in einem Blogbeitrag formuliert. Den verlinken wir nochmal in den Shownotes. Jetzt möchte ich ja wissen, jetzt bin ich neugierig geworden, wenn du tatsächlich mal auf Kaffee und Koffein verzichtest steigst du dann um auf Teein und wie hängen die beiden miteinander zusammen?

 

Dr. By:

Also ich komme gerade aus Schottland, ich habe dort acht Tage Urlaub gemacht.  Früher wäre ich da immer auf Tee umgestiegen, inzwischen gibt es auch hervorragenden Kaffee in Schottland auch im Rest der UK. Ja, also ich könnte sagen ich steige um auf Teein. Das ist nämlich der gleiche Stoff (Trimethylxanthin). Und man darf den Stoff natürlich auch anders benennen, also selbst der Ausdruck Guaranin wäre möglich, weil Koffein auch in der Guaranapflanze vorkommt. Also es ist der gleiche Stoff.

 

 

Karina Schneider:

Meine letzte Frage: Hat denn Kaffee immer gleich viel Koffein? Stichwort Arabica und Robusta Bohnen. Was sagt da der Wissenschaftler?

 

Dr. By: Tatsächlich hat die Robusta Bohne mehr Koffein als die Arabica-Bohne. Die hat ungefähr verdoppelt so viel. Das liegt ja auch ein bisschen daran, das hatten wir auch mal im Podcast besprochen, dass die Arabica-Bohne zufällig aus verschiedenen anderen Wild-Kaffees entstanden ist. Und da war nämlich die Robusta-Bohne auch schon beteiligt. Und der andere Partner das wäre dann coffea eugenioides gewesen, hat eben kein Koffein und dann hat sich praktisch beim Arabia dadurch der Koffeingehalt genetisch halbiert.

 

Karina Schneider:

Jetzt hast du zum Ende noch mal richtig mit Fachwörtern um dich geschmissen. Ich freue mich auf den nächsten Espresso und danke dir ganz herzlich für die Aufklärung in Sachen unzertrennliche Pärchen.

 

Dr. By:

Immer gerne.

 

Ralf:

Wir sind am Ende angelangt und haben wie immer viel erfahren. Ich hoffe jede und jeder konnte auch gute Infos für sich mitnehmen. Mehr Infos zu Koffein und überhaupt zum Kaffee findet ihr auch in der fünf Tassen täglich Folge mit Doktor By „Geniale Wissenschaft für die Bohne“ ruhig noch mal reinhören. Freut euch auf die nächste Folge. Und wenn euch dieser Podcast gefällt, dann lasst gerne ein Like da, zum Beispiel bei Apple Podcast oder Spotify. Danke an Karina Schneider und Doktor By. Fünf Tassen täglich Kaffee wissen to go.

Q&A

1. Was ist Koffein aus wissenschaftlicher Sicht?
Koffein ist ein sekundärer Pflanzenstoff und ein Alkaloid, das natürlicherweise in vielen Pflanzen vorkommt, insbesondere in der Kaffeebohne. Es zählt zu den meistkonsumierten Alkaloiden weltweit und hat eine einzigartige Wirkung auf den menschlichen Körper, indem es unter anderem das Müdigkeitsgefühl reduziert.

2. Macht Koffein tatsächlich süchtig?
Die Frage ist komplex, da „süchtig machen“ nicht klar definiert ist. Zwar können einige Menschen bei einem plötzlichen Koffeinentzug Symptome wie Kopfschmerzen erleben, dies allein reicht jedoch nicht aus, um Koffein als Suchtmittel zu klassifizieren. Es fehlen weitere Kriterien wie etwa ein gesteigerter Konsum für den gleichen Effekt oder unvernünftige Handlungen zur Beschaffung des Stoffes.

3. Wie schnell wirkt Koffein?
Koffein hat eine besondere Struktur, die es sowohl wasser- als auch fettlöslich macht. Durch diese Eigenschaft wirkt es schnell, oftmals bereits innerhalb von 15 Minuten nach der Aufnahme. Seine wachmachende Wirkung basiert darauf, dass es den Botenstoff Adenosin blockiert, der dem Körper signalisiert, müde zu werden.

4. Haben Arabica- und Robusta-Bohnen denselben Koffeingehalt?
Nein, Robusta-Bohnen enthalten etwa doppelt so viel Koffein wie Arabica-Bohnen. Dies liegt an der genetischen Herkunft der Arabica-Bohnen, die aus einer Kreuzung mit einer koffeinarmen Wildkaffeeart namens Coffea eugenioides entstanden sind. Dadurch wurde der Koffeingehalt bei Arabica-Pflanzen reduziert.

5. Kann Koffein die körperliche Leistungsfähigkeit steigern?
Ja, Koffein kann die Ausdauer und die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Bis 2004 stand es sogar auf der Liste der Dopingmittel, ist jedoch seit fast 20 Jahren nicht mehr als solches klassifiziert. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat Koffein diesbezüglich untersucht und bestätigt, dass es positive Effekte auf die Leistungsfähigkeit haben kann.

6. Was ist Teein und wie hängt es mit Koffein zusammen?
Teein und Koffein sind chemisch identisch. Beide Stoffe sind Varianten desselben Moleküls, bekannt als Trimethylxanthin. Dies bedeutet, dass Koffein in Tee genauso wirkt wie in Kaffee, auch wenn es manchmal anders bezeichnet wird.

7. Wie verhindert Koffein Müdigkeit?
Koffein blockiert die Wirkung des Botenstoffs Adenosin, der normalerweise dem Körper signalisiert, dass es Zeit ist, müde zu werden. Da Koffein eine ähnliche molekulare Struktur wie Adenosin hat, besetzt es die Rezeptoren für diesen Botenstoff und verhindert so das Eintreten des Müdigkeitsgefühls. Dieser Prozess findet hauptsächlich im Gehirn statt.