#134 Food-Entwicklerin: Franzbrötchen und Instantkaffee
Unsere Miniserie „Arbeiten im Kaffeeparadies“ geht weiter – und diesmal wird’s besonders köstlich. Wir nehmen euch dorthin mit, wo bei Tchibo all das „Genussige“ entsteht. Zu Gast ist Susanne Tadeus, Head of Development Food & Instant. Seit 33 Jahren prägt sie die Tchibo Genusswelt jenseits von Röstkaffee – von Ready-to-Drink und Coffee-to-go über Kuchen, Franzbrötchen, Bowls und Snacks bis hin zu Tee und Instant-Kaffee. Kurz: Sie definiert, wie diese Produkte aussehen, schmecken und sich über den Tag in unseren Filialen verhalten – damit euer Genussmoment wirklich ein Genussmoment ist.
Hinter die Kulissen: Wie schmeckt ein „Probiertag“?
Bevor es in die Verkostung geht, startet Susanne ihren Tag mit Milchkaffee und einer halben Stunde Ruhe – eine kleine Auszeit nur für sie und ihren Kaffee. Und dann wird probiert, entschieden, verbessert. An „Probiertagen“ stehen schon mal 10 bis 30 Käsekuchen nebeneinander.
Professionell verkostet wird dann mit klaren Kriterien – denn am Ende muss das Produkt nicht nur heute gut schmecken, sondern auch noch nach Stunden in der Filiale appetitlich aussehen.
„Am Ende geht es ja auch darum, die Produkte für Konsumenten sicher zu machen, die Produkte haltbar anzubieten, in ihrer Qualität gleichbleibend anzubieten.“ – Susanne Tadeus
Susanne und ihr Team schmecken sich quer durchs Sortiment: Reklamationen, Instant-Kaffee-Chargen, Tee, Produktionsmuster – Qualität bedeutet hier Genuss und Verantwortung zugleich. Entwickelt wird eng mit unseren Herstellern, mit Standards und Tests, die sicherstellen, dass Produkte stabil und lecker bleiben – auch über den Tag hinweg.
Wie man dorthin kommt?
Susanne selbst ist Ökotrophologin und hat sich früh auf industrielle Produktentwicklung fokussiert. Das ist kein Muss, aber ein solides natur- oder lebensmittelwissenschaftliches Fundament hilft, die Brücke zwischen Genuss, Sicherheit und Prozess zu schlagen.
Was man braucht, um den Traumjob einer Food‑Entwicklerin zu verwirklichen, erzählt Susanne. Zusammengefasst braucht es vor allem Leidenschaft für das Produkt und echte Freude an dem, was man jeden Tag tut. Dazu kommt ein gutes Gespür für Sensorik – denn im Alltag wird professionell verkostet, nicht „gegessen“ – sowie Kreativität und Offenheit für neue Ideen. Und ganz praktisch: Wer keine Scheu vor Kühlräumen hat, ist klar im Vorteil.
Genauso wichtig ist ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl: Food‑Entwicklung bedeutet, Produkte sicher, haltbar und in gleichbleibender Qualität anzubieten – weit über schöne Bilder hinaus. Wer außerdem mit Spezifikationen, Dokumentation und der Arbeit am Computer zurechtkommt, bringt die nötige „Alltagsfitness“ für diesen Beruf mit. Mit diesem Mix aus Leidenschaft, Sensorik‑Kompetenz, Kreativität und Qualitätsbewusstsein ist man für den Einstieg bestens gewappnet.
„Das Allererste ist natürlich Freude an der Sache, die du machst, und Leidenschaft für das Produkt ist ganz, ganz wichtig.“ – Susanne Tadeus
Natürlich sprechen wir auch über Susannes aktuelle Lieblinge aus der Entwicklung: Kaffee + Lupine und die (international verfügbaren!) Tchibo Franzbrötchen. Und wir lernen Susannes persönliche Kaffeeroutine im Büro kennen: Cappuccino am Morgen, am Nachmittag gern ein Espresso Macchiato.
Lust bekommen, reinzuschmecken?
Dann hört rein – überall, wo es Podcasts gibt.
Transkript
5 Tassen täglich – Der Tchibo Podcast: “Food-Entwicklerin: Franzbrötchen und Instantkaffe - Job Special "
Ralf Podszus [00:00:00] Jetzt könnte man ja meinen, der Milchkaffee, das ist ein relativ langweiliger Kaffee. Einfach Kaffee mit Milch: fertig. Da gibt es ja viel kreativere Kaffees. Ich bin in der Kaffeeakademie bei Tchibo und vor mir steht Barista Indre. Hi!
Indre Berendes [00:00:14] Hallo, Ralf.
Ralf Podszus [00:00:14] Aber du bringst mal wieder ganz frischen Wind, was diesen Milchkaffee noch viel mehr aufwertet. Was hast du für Fakten zum profanen Milch-Kaffee?
Indre Berendes [00:00:24] Also profaner Milchkaffee. Schwierig. Also grundsätzlich ist es natürlich eigentlich eine deutsche Übersetzung des französischen Café au Lait. Alleine das klingt ja schon sehr viel schöner...
Ralf Podszus [00:00:33] Und wir Deutschen machen: (grimmig) Milchkaffee.
Indre Berendes [00:00:37] Café au lait. Und dann... Es ist ein französisches Getränk, kommt schon aus dem 17. Jahrhundert. Und wenn man dann so ein schönes, frisches, duftendes Croissant dort eintunkt, also besser geht es doch gar nicht.
Ralf Podszus [00:00:49] Du hast mir jetzt auch schon mal den Mund wässrig gemacht, auf jeden Fall, ja.
Indre Berendes [00:00:51] Nix profanes Getränk.
Ralf Podszus [00:00:52] Also mein Gast möchte gleich einen Milchkaffee, vollkommen zu Recht.
Susanne Tadeus [00:00:59] Und ja, wir haben viele Produkte entwickelt und das macht Tchibo einfach auch aus, so dieses... Jede Woche eine neue Welt findet sich auch in den Genussmitteln immer mal wieder, vielleicht nicht jede Woche, aber schon die Bereitschaft, immer mal wieder auszuprobieren. Wir haben Kaffee-Kaltgetränke entwickelt, wir haben Cold Brew als Kaffee-Basis für Getränke entwickelt. Das wundervolle Teesortiment haben wir schon zweimal, glaube ich, entwickelt und in einem Relaunch die Rezeptur nochmal wieder angepasst. Und natürlich auch Gebäckartikel, die wir mit Herstellern zusammen entwickelt haben. Es ist schon ein breites Feld.
Station Voice [00:01:39] 5 Tassen täglich, der Tchibo Podcast.
Ralf Podszus [00:01:48] Hier gibt es heißes Kaffeewissen, Genussmomente und interessante Job-Talks mit inspirierenden Menschen bei Tchibo. Ich bin Ralf Podszusund heute geht es weiter mit dem Tchibo Job Special. Hier hört ihr Menschen, die hinter den Produkten stecken, die ihr liebt. Ob jetzt im Shop, im Regal oder in den Coffeebars. Heute wird es schmackhaft. Wir hören zum Beispiel, wie Lebensmittel sich im Laden über den ganzen Tag so halten. Oder so hergestellt werden, dass sie nicht nach ein paar Stunden fürchterlich aussehen, ihr erfahrt, was eine Food-Entwicklerin macht und wie man neue Speiseprodukte schafft. Mein heutiger Gast ist seit 33 Jahren bei Tchibo, das ist mal eine Ansage, und das, obwohl sie erst 38 Jahre alt ist. Hi Susanne!
Susanne Tadeus [00:02:37] Hi Ralf!
Ralf Podszus [00:02:38] Susanne Tadeus ist Head of Development, Food and Instant, also du bist verantwortlich für all das Genussige, das nicht einfach nur Röst-Kaffee ist, yeah, du bist also meine Franzbrötchen-Dealerin.
Susanne Tadeus [00:02:52] Ja, kann man so sagen. Franzbrötchen und verschiedene Pulver könnte ich auch dealen für dich...
Ralf Podszus [00:02:58] ...Verschiedene Pulver? Okay... Das wird ja interessant. - Wir unterhalten uns nachher nochmal nach dieser Podcast-Folge. Was machst du sonst noch so alles? Nicht nur Franzbrötchen.
Susanne Tadeus [00:03:05] Nicht nur Franzbrötchen, wir kümmern uns um verschiedene Pulver, also ursprünglich auch mal Kaffee-Milch-Mischungen aus Pulver also Cappuccino-Pulver mit Zuckerm Milch und Aroma. Wir kümmer uns um die Produktentwicklung von verschiedenen Tee-Rezepturen, wir entwickeln mit Herstellern zusammen Tee. Was du bei uns auch noch genießen kannst sind Schokoladen, sind natürlich Kuchen und Kekse in aller Form, sind auch Croissants und Schokobrötchen. Alles, was du in einer Kaffeebar so essbares findest, geht durch unseren Kopf, durch unsere Zungen und darum kümmern wir uns.
Ralf Podszus [00:03:44] Ich notier´auch mal gerade hier: Mit Susanne sollte man unbedingt befreundet sein, die ist immer an einer heißen Quelle gutrer Snacks.
Susanne Tadeus [00:03:50] Als meine Kinder klein waren, haben sie gesagt: Mami, deinen Job möchte ich auch haben.
Ralf Podszus [00:03:56] Glaube ich. Dann bist du auch Ökotrophologin, das klingt großartig, und ich hatte davon noch nie etwas gehört. Das Internet sagt dazu, eine Ökotrophologen ist eine Expertin für Haushalts- und Ernährungswissenschaften, die sich mit den naturwissenschaftlichen, psychologischen und wirtschaftlichen Aspekten von Ernährung und Lebensmitteln beschäftigt. Was machst du da wie?
Susanne Tadeus [00:04:19] Ja, die Internetbeschreibung ist natürlich ganz umfänglich und beschreibt alles, was du in so einem Studium machen kannst. Du fokussierst dich irgendwann wie in all diesen Vielfaltstudiengängen natürlich auf dein Lieblingsgebiet oder auf das, was deiner Leidenschaft entspricht. Bei mir ist das Produktentwicklung Lebensmittel und Produktentwickelung für industriell hergestellte Lebensmittel von jeher gewesen. Und das ist so mein Kerngebiet, also eher Ernährungswissenschaften und Food, Lebensmittel. So, Haushaltswissenschaften haben mich nicht interessiert. Da geht es für viele auch natürlich um technische Aspekte im Haushalt. Das war aber nie mein Schwerpunkt. Mein Schwerpunkt war von Anfang an und dafür habe ich von Anfang auch gebrannt Produktentwicklung von Lebensmitteln, die industriell hergestellt werden.
Ralf Podszus [00:05:06] Industriell hergestellte Lebensmittel, das klingt jetzt irgendwie so ein bisschen so böse nach "Brust oder Keule", Louis de Funès, man stellt sich so vor, alles so künstlich und chemisch und so, das musst du mal erklären.
Susanne Tadeus [00:05:15] Also industriell hergestellt heißt ja eigentlich nur, dass es in großen Mengen hergestellt wird. Und es gibt inzwischen, und gab es schon immer, Herstellungsprozesse, die einfach nur in der Größenordnung industriell sind, die aber mit ganz natürlichen Zutaten und Produkt-Eigenschaften dann hergestellt werden. Also ein Kuchen hat nicht alles mögliche Chemische, bloß weil es industrieell hergestellt ist. Es hat auch sein Ei und es hat seine Butter. Milch und Quark und natürlich gibt es Zusatzstoffe, die ein solches natürliches Lebensmittel länger haltbar machen, gefrierstabil machen, so dass es dem Haushaltshergestellten sich ein bisschen unterscheidet, aber es ist nicht alles industriell und huuu, nur Zusatzstoffe und künstlich.
Ralf Podszus [00:06:03] Ich wäre in manch einem Winter auch gerne mal "gefrierstabil" - auf jeden Fall, kann ein Vorteil sein.
Susanne Tadeus [00:06:09] Würd´ uns helfen, ja (lacht).
Ralf Podszus [00:06:10] Du bist Produktentwicklerin und definierst auch, wie alle Produkte aussehen und schmecken sollen und wie sie sich den Tag über in den Tchibo-Filialen auch verhalten. - Da darf die Plunder nicht mit der anderen Plunder quatschen, die muss schön ruhig sein oder so im Regal. Wie verhält sich so ein Franzbrötchen zum Beispiel? Immer diese aufmüpfigen Plunder-Teigwaren!
Susanne Tadeus [00:06:30] Also aufmütige Plunderteigwaren sind tatsächlich gar nicht so kompliziert. Die werden tiefgefroren geliefert, sie werden bei uns frisch aufgebacken und wie zu Hause auch sind sie natürlich morgens am leckersten. Ein Franzbrötchen isst man zumindest hier im Norden am liebsten auch morgens. Das heißt, da ist es schön frisch und knusprig, aber stabil sind sie in all ihren Eigenschaften lecker, süß, weich, außen knusbrig den ganzen Tag über, wenn sie nicht im Kühlschrank liegen oder offen oben auf einer Theke. Also in einem geschlossenen Präsenter, wo nicht so viel Luft dran kommt, schon das macht ein Plunderteilchen haltbar für den ganzen Tag.
Ralf Podszus [00:07:11] Wenn man das jetzt vergisst, rechtzeitig aus dem Gefrierschrank zu holen, das Teil, wie lange muss das auftauen? Also kann man dann auch mal, wenn man diesen Fehler macht, in der Filiale in so ein Fettnäpfchen treten, weil man dann weiß, heute gibt es keine Franzbrötchen, sie brauchen halt vier Stunden.
Susanne Tadeus [00:07:25] Also das brauchen sie zum Glück auch nicht. Und auch das gehört zu unserem Job, solche Dinge zu optimieren und für unsere Filialmitarbeitenden so unkompliziert wie möglich zu machen. Und da haben wir zum Beispiel dieses Jahr ein Projekt gemacht, das letztendlich jetzt darauf hinausläuft, dass unsere Plunderteilchen aus dem Tiefkühler genommen werden, in den Backofen gebracht werden, auf dem Backblech ihre Backzeit von 20, 30 Minuten haben und überhaupt keine Auftauvorbereitung mehr brauchen. Also wird er. Überhaupt nicht mehr dran denken müssen und keine Verkaufszeit irgendwie verschwenden, sondern ganz praktisch backen und essen.
Ralf Podszus [00:08:03] Weil du auch verantwortlich für den Geschmack bist. Wie viele Franzbrötchen musst du so essen? So selbst essen. Überhaupt bist du nur am futtern und schlürfen und kommandierst dann alle so rum. Hier müssen acht Gramm weniger Zucker rein, Leute.
Susanne Tadeus [00:08:16] Richtig essen müssen gehört ja zu dem Job gar nicht, weil ich habe mir das mal ausgesucht, weil ich gerne esse. Und wir essen vieles auch gar nicht. Sondern das ist schon verkosten und so Sensorikstandards. Also, du isst nicht so ein ganzes Teil, sondern du isste ein kleines Stückchen davon, beurteilst, ist es süß genug, ist das knusprig genug, schmeckt es muffig, schmeckt das vielleicht nach preisgünstigen, billigen Fetten zum Beispiel...
Ralf Podszus [00:08:44] ...Das hört sich auch schon echt fies an...
Susanne Tadeus [00:08:45] Ja, kann auch fies sein, da kannst du auch mal sagen: das schmeckt jetzt nicht mehr lecker, weil es preisgünstige Fette drin hat, wenn du dich lange genug mit Genussmitteln beschäftigst und häufig genug verkostet, findet man das raus und ist so ein Thema, was als unsere Lebensmittel-Rohstoffe so teuer geworden sind, vor allem die milchbasierten Produkte, da ist das schon immer mal gewesen, dass dann die Fette ersetzt werden mussten und dann schmeckt es nicht mehr so lecker oder nicht mehr ganz so leckert.
Ralf Podszus [00:09:14] Das wäre doch mal mehr ehrlich, wenn so bei sämtlichen Bäckereien, gerade auch so beim Hauptbahnhof, so Schilder stehen, was da so eigentlich wie drinnen ist, dann würde man das nämlich nicht mehr so kaufen, wenn das da so steht mit den billigen Fetten.
Susanne Tadeus [00:09:26] Also ja, kann passieren, haben wir zum Glück nicht, weil wir halt große Mengen haben und da Wert drauflegen, immer noch Wert drauf legen, dass unsere Produkte hochwertig sind und Genuss.
Ralf Podszus [00:09:39] Jetzt steht dir schon die ganze Zeit ein gewünschtes Kaffee rum. Dein Tag beginnt immer mit einem Milchkaffee und einer halben Stunde Ruhe und keinem Papierkram. Genussmomente sind dir sehr wichtig. Was machst du in dieser halben Stunden ohne Papierkram nur mit einem Kaffee zusammen? Ihr zwei beide ganz alleine.
Susanne Tadeus [00:09:57] Wir zwei beide genießen dann wirklich erst mal noch die Ruhe am Morgen, wenn noch gar nichts ist. Die Ruhe zu Hause tatsächlich auch. Und hat für mich schon immer geheißen, halbe Stunde früher aufstehen, um genau das zu haben. Natürlich dattelt man am Handy vielleicht, guckt noch mal die WhatsApp-Nachrichten oder auch die neuesten Nachrichten aus der Welt. Aber das ist schon eine ziemlich ruhige Zeit, wo Kaffee und ich da alleine rum sitzen.
Ralf Podszus [00:10:28] Welchen Kaffee trinkst du im Büro und wie viel am Tag?
Susanne Tadeus [00:10:32] Ich trinke im Büro das, was wir dort so haben, häufig auch noch mal ein Cappuccino, einen am Morgen, wenn ich im Büro angekommen bin und häufig nachmittags dann noch mal abwechselnd auch gerne mal ein Espresso Macchiato, also ein Espresso mit ein bisschen Milch drauf, die Milch brauche ich schon irgendwie zu dem Kaffee fast immer, ab und zu auch mal ein Filterkaffee. Im Moment unser super neues Produkt Kaffee und Lupine auch mal, aber ganz unterschiedlich.
Ralf Podszus [00:11:02] Damit du jetzt mal Zeit für einen Schluck Kaffee hast, kommt eine kurze sogenannte Trennermusik. Und da kannst du dann mal am Kaffeenippen und gleich erfahren wir dann alles zu deinem interessanten Job noch weiter. Susanne, du bist jetzt seit 33 Jahren bei Tchibo. Wurdest du hier geboren oder hattest du auch ein Leben vor Tchibo? Ich weiß nicht, was da unten im Tchibo-Schwimmbad alles so passiert. Das gibt's ja wirklich.
Susanne Tadeus [00:11:31] (lacht laut) Ach, schön wär's. Nein, ich wurde hier nicht geboren. Ich hatte schon noch ein Leben davor. Beruflich zumindest ein relativ kurzes, vier Jahre. Ich habe ja Ernährungswissenschaften studiert, habe dann vier Jahre in der Produktentwicklung, in der Feinkostindustrie gearbeitet.
Ralf Podszus [00:11:45] Aber es ist immer irgendwie Industrie mit dabei.
Susanne Tadeus [00:11:46] Ja, das wollte ich und das habe ich direkt nach dem Studium auch umgesetzt, also wirklich einen Job gesucht, der in der Industrie war und habe das zum Glück auch gefunden, aber eben Feinkostindustrie, was auch super spannend ist. Wir haben Fischsalate, Gurkensalate, Kartoffelsalate entwickelt und das hab ich vier Jahre lang gemacht und habe mich dann auf die Suche nach was anderem begeben. So abends nach Hause kommen und die Jacke aufhängen und es riecht wirklich nach saurer Gurke oder Fisch, war dann irgendwann genug und dann begann mein Leben bei Tchibo. Tatsächlich auch damals noch mit einer Stellenausschreibung, die noch in einer Zeitung stand, ist schon echt alt. (lacht)
Ralf Podszus [00:12:32] Cool, ja. Was stand da so drinnen? Weißt du das noch?
Susanne Tadeus [00:12:36] Ich weiß nur, das weiß ich wie heute, dass ich diese gelesen habe und gesagt habe, die suchen mich, ich muss mich da bewerben, das ist mein Profil. Es war wirklich das Gefühl, die suchen jemanden, der Produktentwicklung macht, der Produktentwicklungen nicht für Kaffee macht, hätte ich auch gern getan, aber dies war näher für mich auch, dass es eine andere Lebensmittelgruppe war und mit Berufserfahrung und ich hab mich darauf beworben und hab tatsächlich diese Stelle bekommen und hab dann … mein Leben bei Tchibo gestartet und bin da nicht mehr rausgekommen.
Ralf Podszus [00:13:06] Sehr treu geblieben, also von beiden Seiten, sehr schön, ja.
Susanne Tadeus [00:13:09] Ja, von beiden Seiten, das stimmt.
Ralf Podszus [00:13:10] Und auch offenbar gut Produkte entwickelt.
Susanne Tadeus [00:13:13] Also ich finde auf jeden Fall immer wieder Produkte, wo ich beteiligt war oder wo mein Team beteilig war, inzwischen darf ich ja ein ganzes Team Produktentwickler führen und wir arbeiten zusammen. Und ja, wir haben viele Produkte entwickelt und das macht Tchibo einfach auch aus, so dieses jede Woche eine neue Welt findet sich auch in den Genussmitteln immer mal wieder, vielleicht nicht jede Woche, aber schon die Bereitschaft immer mal wieder auszuprobieren. Wir haben Kaffeekaltgetränke entwickelt, wir haben Cold Brew als Kaffeebasis für Getränke entwickelt. Das wundervolle Teesortiment haben wir schon zweimal, glaube ich, entwickelt und in einem Relaunch die Rezeptur nochmal wieder angepasst. Und natürlich auch Gebäckartikel, die wir mit Herstellern zusammen entwickelt haben. Also es ist schon ein breites Feld.
Ralf Podszus [00:14:05] Und die ganze Zeit ist im Hintergrund immer noch dieser Kartoffelsalat, der mich nicht mehr loslässt, weil du das ja davor gemacht hast. Wie muss ich mir das vorstellen, eine Kartoffelsalat-Entwicklerin oder ein Entwickler, sagt da so eine geheime Stimme: Wir müssen noch mal drei Kilogramm mehr Mayonnaise reinmachen, dann finden das alle toll. - Wie ist das zustande gekommen?
Susanne Tadeus [00:14:23] Das ist genauso spannend wie bei Kaffeegetränken und auch bei Gebäck, dass es regionale Unterschiede gibt für Kartoffelsalat, weiß jeder von uns wahrscheinlich. Gibt es einen bayerischen, da gibt es einen Holsteiner Kartoffel-Salat, ich weiß nicht, die verschiedensten Rezepturen, die natürlich so ein Feinkost-Anbieter dann auch in seinem Portfolio hat. Jetzt habe ich meinen Faden verloren... (lacht)
Ralf Podszus [00:14:48] ...Eigentlich kann man bei Kartoffelsalat mit sehr viel Mayonnaise auch nur den Faden verlieren - finde ich persönlich. Und ich bevorzuge den norddeutschen, da ist eigentlich gar keine Mayonnaise drin. Ja.
Susanne Tadeus [00:14:57] Ja, genau. Wie bei Gebäck und übrigen Produkten eben auch total regionale Unterschiede. Und das haben wir in unserem Tchibo-Portfolio auch, dass wir Kaffeegedränke haben, die im Norden viel beliebter sind oder in Tschechien beliebte als in Polen. Und insofern, das macht Produktentwicklung aus, dass du auf der Basis eines Produktes verschiedenste Rezepturen entwickeln kannst.
Ralf Podszus [00:15:20] Reden wir über Instant-Spezialitäten, neue Rezepturen und Pulvermischungen. Wie hat sich die Produktentwicklung bei Tchibo in über 30 Jahren verändert? Also du bist da ja schon eine Zeit dabei. Manches, was früher total hip und cool und lecker war, ist es dann irgendwie nicht mehr. Was hast du da so für Entwicklungen mitgemacht und wann kam wie welches Produkt auf einmal voll krass nach oben, weil es dann auf einmal das Geschmackserlebnis war?
Susanne Tadeus [00:15:44] Also da habe ich tatsächlich so diesen Beginn dieser Produktkategorie zumindest für Tchibo miterlebt und das war super spannend. Also ich bin ja eingestellt worden, um genau solche, diese Produktkatergorie mitzuentwickeln mit Herstellern zusammen und auch auf Basis eigener Rezepturen. Wir haben Cappuccino-Mischspezialitäten entwickelt, die 20% Kaffeeanteil hatten und ansonsten noch trocken Milch und eine Zuckerbasis, die zu leckeren... schnellen Getränken geführt haben. Es hat sich dann ein riesiger Trend entwickelt, diese Produkte zu aromatisieren. Ein Amaretto-Flavor war, glaube ich, total innen, aber auch so Standards, wie wir sie heute immer noch haben, Karamell, Vanille, Haselnuss und das war ein riesige Hype, gerade diese aromatisierten Produkte. Es hat sich weiterentwickelt in noch einfachere und preisgünstige Sachen. 3 in 1 und 2 in 1 nennt sich das. Es ist eigentlich auch nicht viel anders, es ist aber noch mal preisgünstiger. Und heute, glaube ich, gibt es diese Getränkekategorie ja auf jeden Fall auch noch. Wir spielen da nicht mehr so mit zur Zeit, wir verkaufen bei uns reine Instant-Kaffee-Mischung ohne übrige Zutaten. Und das ist zu einem ziemlich mainstreamigen Bereich geworden. Also der hat sich verändert, ist ein riesengroßer Markt, aber hat sich qualitativ auch deutlich geändert, also würde ich schon da sagen. Und was wir damals als aromatisierte Flavor in diesen Instant-Produkten hatten, finden wir heute massiv in Coffeebar-Getränken. Also Latte Macchiato, Nougat, natürlich auch Matcha, White Chocolate, Strawberry. Das ist alles so die Fortsetzung dessen, was wir noch damals bei Instant- Produkten gemacht haben.
Ralf Podszus [00:17:33] Werden die auch immer verrückter jetzt die ganzen Geschmacksrichtungen? Also gerade ein letztes Beispiel, da kann man ja endlos weitermachen. Also das ist ja schon die ganze Palette fast an Geschmackrichtungen, die da reinkommen.
Susanne Tadeus [00:17:43] Das ist wirklich total spannend. Das wird immer verrückter und immer schnelllebiger, immer kurzfristiger. Also letztes Jahr haben wir diesen Dubai-Chocolate-Trend erlebt.
Ralf Podszus [00:17:54] Jetzt schon wieder völlig Banane, egal.
Susanne Tadeus [00:17:56] Der ist vorbei, wir haben ihn bei Tchibo aber ganz schnell aufgenommen und ganz schnell entsprechende Rezepturen für unsere Coffeebars entwickelt und den Trend mitgemacht. In einigen Ländern dadurch auch für höhere Fluktuation tatsächlich in den Shops gesorgt, weil auch wir Dubai Latte angeboten haben. Ja und es geht unfassbar schnell inzwischen, dass es immer verrückter und immer unterschiedlichere Trends gibt. Also Matscha ist das eine. Es gibt eine lilafarbene Wurzel quasi, die zum Färben von Milchschaum im Moment eingesetzt wird. Also alles, was Farbe bringt, ist in Coffeebar-Getränken gerade total aktuell und da findet man jede Woche was Neues.
Ralf Podszus [00:18:36] Finde ich spannend auf jeden Fall. Lila ist auch eine schöne Farbe, wie ich persönlich finde. Und bleiben wir beim Matcha nochmal. Das ist ja auch so ein Instagram-Ding, dass irgendwie überall Matcha reingeballert wird. Ob jetzt Müsli, Porridge, Kaffee. Deswegen gibt es schon eine Matchakrise gerade aktuell.
Susanne Tadeus [00:18:53] Ja, es ist unglaublich, finde ich. Matcha ist ein Grüntee und teilweise ein sehr exquisiter, der auch sehr speziell zubereitet wird. Ich weiß nicht, hast du vielleicht auch schon mal gesehen, dass es in einer Schale mit einem Bambusbesen aufgeschlagen wird und das ist ein reiner purer Matcha, so wie ihn die Japaner trinken und dieser Matcha wird heute eingesetzt für Strawberry-Latte-White-Chocolate-Matcha-Mischung. (lacht) Also, gibt auch dort wieder die grüne Farbe und macht ein trendiges süßes Getränk und führt tatsächlich im Moment dazu, dieser Hype, dass die Teehändler den Bedarf vor allem für diese Coffeebar-Welt und auch die übrige Genusswelt gar nicht bedienen können, weil die Matcha-Mengen nicht verfügbar sind und Matcha dadurch natürlich auch teurer wird.
Ralf Podszus [00:19:42] Das ist nämlich gleich die Frage, welche die Boulevardpresse dann stellt und viele Deutsche sagen: Wird Matcha jetzt teurer?
Susanne Tadeus [00:19:49] Ja, und da könnte jeder vermuten, natürlich, wenn der Bedarf so groß ist, dann werden die Matcha-Teehändler sich schon freuen und natürlich einen neuen Preis fordern, weil der Bedarf sonst nicht gedeckt werden kann. Das ist ja Standard einfach, ja, und das erleben wir hier auch.
Ralf Podszus [00:20:08] Musst du jetzt auch als Produktentwicklerin so TikTok, YouTube, Instagram im Blick haben, weil da kommen die schnelllebigen Trends ja ganz oft her und dann überlegen: Ah, surfe ich auf dieser Welle jetzt mit oder nee, das ist so eine Eintagsfliege, das ist übermorgen schon vorbei und du musst ja auch die internen Produktionszeiten bedenken. Da kann man ja nicht von, wenn es ein Montag der Trend ist, schon am Mittwoch mit dem Produkt raus.
Susanne Tadeus [00:20:32] Genau das ist die Herausforderung, vor der wir so in der Produktentwicklung wirklich stehen. Wir haben natürlich mit unseren Coffeebars da die Möglichkeit, schon noch ein bisschen schneller zu sein als eine reine, sag ich mal, industrielle Produktion. Aber ja, also Ohren und Augen offen zu haben und diese Trends alle mit zu scannen, sag ich mal. Das ist notwendig. Und da freue ich mich immer riesig, dass unser Team immer auch Praktikanten und Werstudenten hat die teilweise natürlich da auch vom Alter her viel, viel dichter dran sind und schon morgen früh mitbringen, was sie heute Abend irgendwo, ich sage mal im Westfield, das ist ja gerade hier so ein Hotspot für solche neuen Trends...
Ralf Podszus [00:21:14] ...In der Hamburger Hafencity ist das ein großes Einkaufszentrum in Hamburg...
Susanne Tadeus [00:21:18] Genau, in dem Center...
Ralf Podszus [00:21:20] ...Cool, ich hab voll gelanzt eben jetzt so...
Susanne Tadeus [00:21:25] (lacht) Auch schön... Die dort Trends sehen und es bringen die am nächsten Morgen mit ins Büro und sagen, hast du schon gesehen, ich bringe mal ein Muster mit. Ja, wir müssen da die Augen ganz anders offen halten. Früher haben wir Neuigkeiten über Messen aus der Lebensmittelzeitung oder von Herstellern präsentiert bekommen. Heute ist das viel schnelllebiger und die Trends werden schon draußen im Verkauf quasi gemacht und... zu entscheiden: Wird das ein Trend, der es wert ist, ihn mitzumachen? Das ist unglaublich schwer und wir können als Tchibo da auch nicht jeden Trend mitmachen, weil es so schnell dann doch nicht umsetzbar ist.
Ralf Podszus [00:22:03] Heute beschäftigst du dich mit Bowls, Keksen, Kuchen, Sandwich, Snacks, auch mit Kaffee-Plus-Produkten und Ready-to-Drink. Was genau machst du da mit deinem Team? Ich muss dir mir das vorstellen. Jetzt habt ihr da so eine Idee. Mischt ihr was, mixt ihr was? Esst ihr was und sagt dann, äh, nee. Oder, oh, ihr muss noch ein bisschen dies rein, das rein. Ist das so eine große Versuchsküche mit so einem riesengroßen Kessel?
Susanne Tadeus [00:22:26] Ich habe unser Team mal präsentiert als ein Team von Hexen mit dem Hexenkessel.
Ralf Podszus [00:22:34] Aha, so Gundel Gaukeley.
Susanne Tadeus [00:22:34] Also so ein bisschen kommt das schon daher, ist heute aber nicht mehr so. Der große Teil, den wir entwickeln, entwickeln wir mit Herstellern zusammen. Nichtsdestotrotz, wenn wir sowas wie Kaffee plus Instant-Kaffee mit Nahrungsergänzungsmitteln nehmen, dann fangen wir schon nochmal an, selber unsere löslichen Kaffees mit Nährungsergäzungsmittel zu mischen, um so ein erstes Gefühl dafür zu kriegen. Wie schmeckt das? Wie riecht das? Wie sieht das aus? Da ist schon die Versuchsküche noch da. Und genauso auch für Getränke, die wir in den Coffeebars anbieten, die werden alle bei uns gemixt. Da sind zwei Schubladen voll mit verschiedenen Sirupen, da sind die verschiedenen Milchsorten da, da ist Kaffee da und da stehen die Kollegen und Kolleginnen und mischen verschiedene Rezepturen und erstmal so wie in der eigenen Versuchsküche und genau mit dem Anspruch, es muss lecker schmecken, es muss gut aussehen und wenn es noch nicht gut aussieht, aber lecker schmeckt, wird halt ein zweiter Ansatz einer Rezeptur gemacht. Also eines Missions gemacht. Und ja, ist ein Teil Versuchsküche und ist ein Teil aber auch Riechen, Schmecken, Beurteilen von Produkten, die wir von Herstellern an Angeboten bekommen.
Ralf Podszus [00:23:43] Damit wir dich jetzt noch ein Tiki besser kennenlernen können, kommt jetzt die 5 Tassen täglich Speed Round. Also sechs kurze Entweder-oder-Entscheidungen. Du antwortest sofort ganz nach deinem Bauchgefühl und zwar wirklich pronto. Bist du bereit, Susanne?
Susanne Tadeus [00:23:57] Ja.
Ralf Podszus [00:23:58] Filter oder Espresso?
Susanne Tadeus [00:24:00] Espresso.
Ralf Podszus [00:24:00] Kuchen oder Kaffee? Was probierst du zuerst?
Susanne Tadeus [00:24:04] Kuchen.
Ralf Podszus [00:24:05] Süß oder herzhaft?
Susanne Tadeus [00:24:06] Herzhaft.
Ralf Podszus [00:24:07] 30 Franzbrötchen am Stück: Lust oder Last?
Susanne Tadeus [00:24:11] Last.
Ralf Podszus [00:24:13] (lacht) Rezept: eher nach Gefühl oder exakt?
Susanne Tadeus [00:24:15] Zu Hause nach Gefühl, im Job exakt.
Ralf Podszus [00:24:18] Lieblingsprodukt, Franzbrödchen oder Käsekuchen?
Susanne Tadeus [00:24:21] Franz Brötchen.
Ralf Podszus [00:24:22] Ich muss dich auch weiter wegen der ganzen Futterrei nerven. Wie sieht so ein typischer Probiertag aus? Und verabredest du dich deswegen weniger mit deinen Freunden zum Essen gehen, weil dir so Nahrung langsam dann doch aus dem Hals raushängt?
Susanne Tadeus [00:24:34] Das ist verrückt, nein, ich esse super gerne und Essen hängt mir überhaupt nicht zum Hals heraus. Das ist ein Stück meiner Leidenschaft auf jeden Fall und ein typischer Tag des Probierens und Verkostens bei uns ist zum Glück so gut wie nie ein ganzer Tag, sehr selten mal ein ganzer Tag - Aber es gehört zu jedem Tag dazu, dass irgendetwas probiert und beurteilt wird. Entweder Muster, die neu sind... Riesengroßes Probieren ist immer, wenn wir neue Produkte für unsere Coffeebars in Deutschland suchen. Es gibt jeden Monat ein Liebling des Monats, der wird zusammen mit unseren Vertriebskollegen und dem Einkauf ausgesucht. Wenn wir einen neuen Käsekuchen suchen, dann stehen wir dort mit einem großen Team und probieren, beurteilen, verkosten auch mal 15-20 Käsekuchens. Und ja, dann hat man erst mal genug und Lust auf was herzhaftes, aber essen gehen steht für mich trotzdem genauso auf dem Plan wie bei allen anderen auch und gehört für mich zum Leben mit Freunden massiv dazu.
Ralf Podszus [00:25:41] Aber dann ist ja Käsekuchen nicht mehr so romantisch, wie man das vielleicht vorher so fand, oder? Käsekuchenfriends forever hat dann eine ganz andere Bedeutung.
Susanne Tadeus [00:25:49] Ja, das auf jeden Fall. Also das ist schon viel desillusioniert und versachlicht, was wir da so mit Kuchen machen. Ja, da fehlt so ein bisschen das Emotionale natürlich schon. Ja, muss es auch, weil das ist ja unser Job, das wirklich nach Standards zu beurteilen und sachlich und fachlich zu be urteilen. Ja, da geht ein bisschen Scham verloren.
Ralf Podszus [00:26:08] Wie entscheidet ihr am Ende, welcher Kuchen jetzt in die Filiale kommt? So Käsekuchen unterversorgt bist du auf jeden Fall nie.
Susanne Tadeus [00:26:15] Das bin ich nie. Das stimmt. (lacht) Das entscheiden wir immer im Team. Da sind die verschiedensten Aspekte ausschlaggebend. Es ist nicht nur Rezeptur, Geruch, Geschmack. Es kommt auf jeden Fall, spielt da immer rein die Erfahrung aus dem Vertriebsbereich. Wenn der Käsekuchen zu flach ist, dann sind unsere Kunden nicht ganz so glücklich damit, weil er nicht so üppig aussieht. Wenn der Preis zu hoch ist, ist weder der Vertrieb noch der Einkauf glücklich. Also auch ein wichtiger Aspekt, der mit reinspielt. Und das, was wir aus der fachlichen Produkt-Sicht haben, ist immer Geschmack, Zusammensetzung, Zutaten. - Zutaten sind ein großer Aspekt, wenn ich... Ja, Käsekuchen vielleicht nicht ganz so... aber Herkunft von Eiern, von Milch, das sind alles so Punkte, die wir mit reinbringen.
Ralf Podszus [00:27:04] Mehr so ein Vollei im Käsekuchen. Ihh. Und da muss auch Quark rein und nicht jetzt einfach hier nur so ein staubiger, komischer Pulverersatz.
Susanne Tadeus [00:27:12] Genau. Danach muss es auch schmecken und genau danach suchen wir auch aus, dass Quark drin ist, dass das schön hoch aufgegangen ist, gebräunt ist und handwerklich aussieht.
Ralf Podszus [00:27:20] Was ich total interessant finde, auch Reklamationen probierst du. ...Also das ist jetzt doch nicht etwa der angegessene Kuchen von Jürgen, der gemeckert hat in der Tchibo-Filiale.
Susanne Tadeus [00:27:30] Also Jürgen oder Helena oder wer auch immer, die schicken schon manchmal das ein oder andere bei uns ein...
Ralf Podszus [00:27:36] ... Wirklich? Die nehmen Lebensmittel und schicken das an Tchibo und sagen: Hat nicht geschmeckt.
Susanne Tadeus [00:27:41] Also gibt es vereinzelt, bei frischem Kuchen nicht, aber es gibt schon auch vereinzelte Reklamationen, hat nicht geschmeckt. Gravierender ist aber schon, wenn es tatsächlich fremd schmeckt. Wenn man die Ahnung hat, da passt irgendwas nicht, das Reklamieren KundInnen, es reklamieren vielfach aber auch unser Fachpersonal in der Filiale, die jeden Tag mit diesen Produkten umgehen und vor allem sehen, wenn etwas nicht stimmt und dann eine Rekclamation an unser Qualitätswesen schickt. Und dann, ja, gucken wir uns diese Produkte an und beurteilen, ist da ein Fehler oder ist da alles korrekt und im Zweifel, wenn es um Geschmack geht, weil reklamiert wurde, der schmeckt nicht mehr so wie früher, dann probieren wir ihn auch, ja.
Ralf Podszus [00:28:24] Wie viel Verantwortung steckt da drin, weil du musst ja auch dafür sorgen, dass zum Beispiel das Franzbrötchen auch immer typisch nach diesem Franzbrotchen schmeckt. Das erwartet man dann ja da.
Susanne Tadeus [00:28:34] Ja, genau, das ist genau der Punkt, den wir verantworten, für den wir uns fachlich aber auch einsetzen. Und da steckt dahinter, dass eine Spezifikation für ein solches Produkt geschrieben und vereinbart ist, bis hin zu den Zutaten, die festgelegt sind, zu Allergenen und Nährwerten, die festgelegt sein müssen, aber auch Beschreibungen für Geschmack. Manchmal stimmen wir auch Fotos ab über Bräunungsgrade zum Beispiel, dass so ein Franzbrötchen nicht zu dunkel sein darf oder zu hell. da sind wir jetzt beim Franz Brötchen selbst in der Verantwortung. Das betrifft dann eher Produkte, die wir fertig gebacken, angeliefert kriegen. Aber ja, da steckt unsere Verantwortung drin, dass so ein Produkt exakt beschrieben ist, damit es auch immer gleich geliefert wird.
Ralf Podszus [00:29:19] Cool, es gibt so eine Franzbrötchen-Formel. Du arbeitest jetzt auch eng mit Herstellern zusammen, legst Standard fest und prüfst, wie ein Kuchen nach drei oder acht Stunden im Kühlregal aussehen soll. Welche Produkte sahen dann nach zwei Stunden schon schlaff aus? Und dein Team musste sich da irgendwie von trennen.
Susanne Tadeus [00:29:38] Also schlaff aussehendes ist schon der Begriff, der da deutlich macht: das sind natürlich vor allem frische Sachen, die einfach nicht so lange durchhalten. Wir haben riesige Sortimente inzwischen an frisch belegten Sandwiches. Wenn du da ein Salatblatt drauflegst und das Salat Blatt zu weit raushängt, dann sieht das nach zwei, drei Stunden schlaf aus. Und da geht es dann eher darum, dass nicht das Lebensmittel an sich optimiert werden muss. Ein Rucola-Blatt tauscht du vielleicht mal aus gegen einen Eisbergsalat, der da ein bisschen widerstandsfähiger ist, aber vielleicht auch, dass man den Mitarbeitenden Hilfestellung gibt, wie sie es so belegen, dass es nicht raushängt und nicht schlaf aussieht.
Ralf Podszus [00:30:18] Das zarte Mimöschen Rucola... Da kommt der starke Eisbergsalat um die Ecke. Ja, aber wie schaffst du das auch, dass Kuchen und Co. den ganzen Tag lang lecker bleiben? Also wenn ich nachmittags beim Bäcker, beim Hauptbahnhof oder so noch ein belegtes Brötchen essen möchte, das ist selten, aber wenn der Hunger kommt und du unterwegs bist, dann spricht mich dort ja schon der optisch latschig aussehende Thunfisch persönlich an und ruft: Ess mich bloß nicht mehr! ...Also wie schafft man das, dass diese Lebensmittel dann noch irgendwie gut sind?
Susanne Tadeus [00:30:45] Das ist bei gerade solchen frisch belegten Sachen echt eine Herausforderung, aber da wird zusammen mit dem Vertrieb und mit unseren Mitarbeitenden festgelegt, wie das Handling ist. Und wir haben in Deutschland im Moment immer noch den Standard in unseren Filialen, dass die Produkte vier bis fünf Stunden in so einem Präsenter liegen, wo du ihn als Kunden anschauen kannst. Wenn sie dann nicht verkauft sind, müssen sie verworfen werden. Das heißt, das ist eine ganz... krasse Produktmengenplanung dahinter, das ist dann der Vertrieb, da können wir nicht mehr so viel dazu tun, aber genau so etwas legen wir fest, dass es nicht länger als vier bis fünf Stunden in einer solchen Auslage liegen darf, dann ist es optisch einfach nicht mehr akzeptabel, dann spricht es den Kunden nicht mehr an.
Ralf Podszus [00:31:34] Dein Lieblingsprodukt gerade ist Kaffee und Lupine, richtig?
Susanne Tadeus [00:31:38] Jaaa.
Ralf Podszus [00:31:38] Auch so´n Trend auch wieder. Und die "international ausgerollten Franzbrötchen". Was macht diese Produkte für dich besonders? Und was heißt überhaupt "international ausgerollt"?
Susanne Tadeus [00:31:47] Ja, das hört sich so an, als ob wir international den Teig dorthin gerollt haben. Haben wir aber nicht. Wir haben tatsächlich das in Deutschland, vor allem in Norddeutschland ja beliebte und bekannte Franzbrötchen als Heritage-Produkt, als Produkt aus Hamburg kommend, genau wie unser Unternehmen, in allen Ländern jetzt eingeführt. Das heißt, jedes Land, in dem wir unsere Coffeebars haben, verkauft Franzbrödchen als plunder Teil in seinem Sortiment. Das heißt ausgerollt.
Ralf Podszus [00:32:17] Und wie kommt das an?
Susanne Tadeus [00:32:18] Inzwischen glaube ich gut, wir machen es jetzt glaube ich anderthalb Jahre und es gibt Länder, da war das sofort beliebt und es gab Länder, da hat man sich scheinbar erst so ein bisschen langsam ran getastet, aber es wird immer beliebter und es hat aus dem Marketing, aus dem Vertriebsbereich dazu auch so eine Geschichte gegeben, die auch den Tschechen oder polnischen Konsumentinnen deutlich macht, dass es ein aus Hamburg, aus der statt aus der sie auch ihren Kaffee bekommendes Produkt ist und es gewinnt zunehmend an Belebtheit.
Ralf Podszus [00:32:50] Warum interessieren sich jetzt so viele junge Leute für den Beruf Food-Entwickler oder Entwicklerin? Hat da Instagram seine Mitschuld und Pinterest und Co?
Susanne Tadeus [00:32:59] Das glaube ich bestimmt. Abwechslungsreiches Food ist super populär. Kochen und Instagramable präsentieren ist halt populär, da haben all die Social-Media-Kanäle mit Sicherheit einen riesen Anteil dran. Kochen& Backen mag jeder, tut fast jeder und das ist sicherlich ein Teil, was dazu beiträgt, dass das gerade so populär ist. Ob die alle in dem Job wirklich durchhalten, weiß ich nicht. Es ist ja nicht nur schöne Bilder machen. Sondern am Ende, wenn du tatsächlich Food-Entwickler bist, geht es ja auch darum, die Produkte für Konsumenten sicher zu machen, die Produkt haltbar anzubieten, in ihrer Qualität gleichbalbend anzubießen. Also das, was neben den tollen Instagram-Fotos und Beiträgen dann noch dazu kommt, ist dann das, das sicherlich in der Ausbildung als Basis gelegt werden muss und das weiß ich auch tatsächlich nicht, wie populär das am Ende noch ist oder wie groß der Anteil derer ist, die dann tatsächlich nachher im Job damit zu tun haben.
Ralf Podszus [00:34:01] Da kannst du ja nochmal kurz erzählen, weil gerade viele junge Menschen deinen Job so spannend finden. Was muss man mitbringen, wenn man Food-Entwicklerin oder Entwickler bei Tchibo werden möchte?
Susanne Tadeus [00:34:10] Oh ja, das Allererste ist natürlich, finde ich, was du für jeden Beruf, für jede Aufgabe, die du machst, mitbringen solltest: Freude an der Sache, die du machst und Leidenschaft, also ein bisschen zu Leidenschaft...
Ralf Podszus [00:34:23] Das wär´ schon komisch einen Käsekuchen griesgrämig zu entwickeln...
Susanne Tadeus [00:34:23] Das kann nicht schmecken, kann nicht schmecken, glaube ich auch. Leidenschaft für das Produkt ist ganz, ganz wichtig, finde ich, für das, was du tust. Wenn du es bei Tchibo machst, ein Riesenaspekt ist Teamfähigkeit. Es ist immer einfacher, es gemeinsam zu machen und gemeinsam zu Ziel zu kommen. Wenn ich über sensorische Themen nachdenke, wir stehen immer mit mehreren und beurteilen nach standardisierten Prozessen, aber dazu brauchst du mehrere Leute. Also so ein Team. Musst du mögen und musst im Team arbeiten wollen und Neugier, Neugier ist so ein ganz wichtiger Aspekt. Neugier, die dich auch dazu bringt, tatsächlich umsetzen zu wollen und Spaß daran zu haben, wenn du mit Neugier eine Idee hast, die Idee auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Das sind so drei Aspekte. Ich glaube, das mitzubringen hilft einem schon, wenn man dann noch eine gewisse Resistenz in der ... Bürokratie in dem Arbeiten, ich sag mal, am Computer, im Herstellen von Spezifikationen mitbringt, dann ist man gewappnet. Dann kann man, glaube ich, gut mit Tchibo anfangen in der Produktentwicklung.
Ralf Podszus [00:35:34] So, das war dann jetzt auch schon unser letzter Gang. Danke für deine Infos zu deinem kulinarischen Beruf und den Einblick in deine Genusswelt, Susanne.
Susanne Tadeus [00:35:42] Sehr gerne, das hat mir viel Spaß gemacht.
Ralf Podszus [00:35:44] Ja, das können wir auch die Franzbrötchen-Tüte hier zuknüllen... hat's nämlich hier gleich in unser Herz eingeschlichen, Susanne hat hier eine fette Tüte Franzbrotchen mitgebracht. Vielen Dank dafür, ja, meine Hände sind nur noch klebrig davon, also, oh, ist das was? Wie klebrich ein Franzbröttchen überhaupt sein darf, ist es zu klebrich gewesen...?
Susanne Tadeus [00:36:02] Nein. Das prüfen wir zum Glück nicht, weil das muss diesen klebrigen Zucker schon drum herum haben, damit es richtig lecker schmeckt.
Ralf Podszus [00:36:08] Ich wünsche dir weiterhin viel Käsekuchenkraft auch, ja, und dass du nie in einer Kühlkammer vergessen wirst. 33 Jahre Leidenschaft für Produkte, die unseren Alltag leckerer machen. Danke schön, Susanne.
Susanne Tadeus [00:36:21] Danke Ralf!
Ralf Podszus [00:36:22] Ich bin Ralf Podszus und freue mich schon auf das nächste Job Special. Gebt bei eurer Podcast-App einfach mal "5 Tassen täglich" oder Tchibo ein und dazu "Job Special", dann findet ihr alle anderen Berufe bei Tchibo und die interessanten Menschen dazu. Viel Freude beim Hören. Wenn euch "5 Tassen täglich" gefällt, dann lasst gerne mal ein Like da und abonniert diesen Podcast. Er läuft überall, wo es Podcasts gibt, zum Beispiel bei Acast, Deezer oder Podimo. Bis zum nächsten Franzbrötchen.
Station Voice [00:36:56] "5 Tassen täglich", der Tchibo Podcast. Ihr habt Fragen oder Anregungen zu dieser Podcast-Folge? Wir freuen uns auf eure E-Mail an podcast@tchibo.de