#Tchibopacktaus (6): Wie funktioniert eine Recyclingmaschine?
Meine Kollegin Jasmin Duensing (Teamleader New Material & Capsules) und ich beschäftigen uns im Rahmen der ganzheitlichen Entwicklung von Verpackungen auch intensiv mit dem “End-of-Life" derselbigen. Um zu verstehen, was aus unseren Verpackungen wirklich werden kann, ist es wichtig zu verstehen, wie Verpackungen überhaupt recycelt bzw. erstmal sortiert werden. Hier nehmen wir euch im Zuge der Serie #Tchibopacktaus ein Stück mit:
Wenn man über recyclebare Verpackungen spricht, ist eine Klärung unabdingbar: Was ist eigentlich Recycling? Wie funktioniert das und wird am Ende nicht eh alles zusammengeworfen und verbrannt oder verschifft?
Wenn wir im Alltag über Recycling sprechen, meinen wir meist die Sortierung von Verpackungen in Leichtverpackungssortieranlagen (LVP). Diese Anlagen sind hochkomplex und weitestgehend automatisiert. Das Foto (Grafik 1) zeigt das Beispiel einer Anlage: Ein großes Durcheinander von Transportbändern und Sortiereinheiten.
Um das Grundprinzip hinter der Sortierung und somit auch der Gestaltung von Verpackungen zu verstehen, brechen wir diese Anlagenkomplexität mal auf und schauen uns an, welche Stationen eine Verpackung bei der Sortierung durchlaufen kann.
Ablauf
Unsere gelben Säcke werden angeliefert und alles beginnt mit dem Gebindeöffner, meint vielmehr das Aufreißen der gelben Müllbeutel - daher wird er vieler Orts auch einfach Sackaufschneider genannt.
Durch ein Trommelsieb (wie eine Waschtrommel mit Löchern) werden große von kleinen Verpackungen getrennt.
Ein Überbandmagnet zieht metallische Verpackungen an, z.B. Kronkorken oder Konserven.
Der Windsichter pustet vereinfacht gesagt auf das Band, leichte Verpackungen fliegen weg und schwere bleiben liegen. Große leichte Folienverpackungen wie diese von Toilettenpapier oder Windeln können hierüber gut sortiert werden.
Der Wirbelstromabscheider erzeugt ein Magnetfeld, dadurch entsteht eine Abstoßung in Metallteilen, die dafür sorgt, dass diese Teile anders fallen, als nicht metallische Teile. So kann z.B. der hochwertige Wertstoff Aluminium gewonnen werden.
Der NIR- Scanner (Nahinfrarot-Scanner) misst das Licht, das ein Material reflektiert und kann anhand dieser spezifischen Spektren zuordnen, ob es sich um einen bestimmten Kunststoff handelt. Da rußhaltige dunkle Farben Licht absorbieren, sind diese nicht erkennbar. Daher hat es sich schon länger etabliert, auf rußfreie Farben umzusteigen.
Ein Ballistik-Separator trennt 3D Körper und 2D Verpackungen, also zum Beispiel Flaschen und Folien. Dies passiert vereinfacht gesagt durch Rütteln der Bleche, auf denen die Verpackungen liegen. Unterschiedliche Flugeigenschaften führen dann zur Trennung.
Ziel
Ziel dieser verschiedenen Sortierstationen ist es, die Verpackungen sogenannten Fraktionen zuzuordnen. Damit sich dieser Aufwand lohnt, ist es wichtig, dass es genug von einer Fraktion bzw. Materialklasse gibt (z.B. PET, PE, PP). Für neuartige Biokunststoffe z.B. lohnt es sich aufgrund von zu kleinem Volumen nicht, diese alleine zu sortieren. Verbunde, also Folien, die aus mehreren verschiedenen Materialien bestehen, lassen sich nicht eindeutig einer Fraktion zuordnen. Es gibt eine Fraktion, die sich „Mischkunststoffe“ nennt, damit lässt sich meist nicht mehr anfangen, als sie thermisch zu verwerten.
Die Verpackungen der sortierten Fraktionen werden zu Ballen gepresst und an Aufbereiter weitergeleitet. Dieser verarbeiten die Wertstoffe weiter zu wieder einsetzbarem Rezyklat.
Verpackungen müssen so gestaltet sein, dass sie gut sortiert und damit einer Fraktion zugeordnet werden können. Darüber hinaus, sollten sie innerhalb der Fraktion dazu beitragen, dass ein hochwertiges Rezyklat hergestellt werden kann. So lassen sich mit weißen und transparenten Kunststoffen bei der Wiederverwendung einheitlichere, optische Qualitäten erzielen. Je eintöniger desto besser quasi…
Gerüchteküche
Am Ende wird eh alles verbrannt?
Für das Jahr 2024 wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Knapp über 71% aller systembeteiligten Kunststoffverpackungen wurden recycelt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Verbundverpackungen wie etwas diese aus Papier und Kunststoff Probleme bereiten und Quoten nicht getroffen werden können. Also, nein, es wird am Ende nicht alles verbrannt, auch wenn klar ist, dass Verpackungen und Recycling sich weiterhin dahingehend verbessern müssen. Was aktuell nicht geregelt ist, was sich mit Einführung der EU Verordnung zu Packaging and Packaging Waste (PPWR) aber ändert, sind die Nutzung der entstehenden Rezyklate. Die Antwort auf die Frage also, was mit den Kunststoffen dann passiert. (Quelle: IK: Recyclingquote für Kunststoffverpackungen 2024 auf Rekordniveau – Papierverbunde bleiben problematisch)
Am Ende wird alles nach Asien verschifft?
Hier ist es wichtig zu unterscheiden, welche Abfälle dies betrifft. Weniger als 1% aus dem gelben Sack werden außerhalb der EU exportiert. Das Problem der Exporte bezieht sich meist auf Industrieabfälle: Rund 700.000 Tonnen exportiert Deutschland jährlich, vieles davon geht nach Südostasien oder in die Türkei. (Quelle: Export von Plastikabfällen - NABU)