#Tchibopacktaus (4): Was bedeutet überhaupt "70% recyclingfähig"?
Was bedeutet "mindestens 70% recyclingfähig"? Ein Blick hinter die Kulissen unserer Kaffeeverpackungen
Wer hat es noch nicht gesehen oder gelesen? Auf vielen Verpackungen finden sich inzwischen bunte Bilder zu Informationen zur Recyclingfähigkeit und/oder Trennhinweise für das Produkt, was man gerade in der Hand hält. Aber was sind die Gründe dafür bzw. was bedeutet recyclingfähig überhaupt?
Ich habe Aiko (aus meinem Team) getroffen, der die verschiedenen neuen recyclingfähigen Verpackungsmaterialien für unsere Kaffees in den Werken testet und qualifiziert.
Er wird oft gefragt: "Was heißt recyclingfähig? Was bedeutet mindestens 70% recyclingfähig bzw. warum sind es nicht 100%?" Das alles sind berechtigte Fragen, die ich heute gerne im Rahmen der Serie #Tchibopacktaus beantworten möchte.
Was bedeutet "mindestens 70% recyclingfähig"?
Dieser Wert bzw. diese Anforderung für Verpackungen stammt aus der neuen EU-Verpackungsverordnung bzw. Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR. Diese ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und setzt strenge Vorgaben für Hersteller und Händler an die Verpackungsindustrie. Die PPWR ist eine Verordnung, keine Richtlinie. Sie gilt ab August 2026 unmittelbar in allen EU-Staaten und schafft einheitliche Bedingungen für alle Marktteilnehmer.
Es bedeutet, dass 70% der Verpackung im industriellen Recyclingprozess sortiert, aufbereitet und zu neuen Produkten verarbeitet werden können, und dass die restlichen 30% der Verpackung im aktuellen Recyclingprozess verloren gehen. Diese Verluste entstehen durch den Anteil diverser Bestandteile in unseren Verpackungen, wie z. B. den Druckfarben, der Barriereschicht und den Klebstoffen zwischen den Lagen.
Kaffeeverpackungen: Ein komplexer Balanceakt
Unser Kaffee ist ein sensibles Produkt. Um sein Aroma, seine Frische und Qualität zu bewahren, benötigen wir Verpackungen, die unsere Bohnen bzw. unseren Mahlkaffee vor Sauerstoff schützen, Feuchtigkeit abweisen, das Licht blockieren und natürlich die Aromen einschließen.
Diese Anforderungen werden leider aktuell nicht von Papiertüten oder einlagigen Kunststoff-folien erfüllt. Wir benötigen dafür mehrschichtige Verbundmaterialien – und genau hier beginnt die Herausforderung für das Recycling.
Der Aufbau einer Kaffeeverpackung
Wie ich bereits in meinem Beitrag unter zum Thema Wie baut man recycelbare Folien auf? erläutert habe, bestehen die meisten unserer aktuellen Kaffeeverpackungen typischerweise aus drei Lagen:
1. einer Außenlage – bedruckbar und stabil,
2. der Barriereschicht – Schutz (Licht, Wasser, Sauerstoff) und
3. einer Innenlage– lebensmittelecht und siegelfähig
Unser Weg zu nachhaltigeren Lösungen
In der täglichen Arbeit von meinen KollegInnen und mir qualifizieren wir deshalb kontinuierlich neue recyclingfähige Materialien. Dabei verfolgen wir aktuell folgende Entwicklungen:
· recyclingfähige Folienverbunde: aus mixed Polyolefinen (MPO) oder als Monomaterial aus einer Kunststoffart
· reduzierte Schichtdicken: weniger Material unserer Standardfolien bei gleichem Schutz, um Kunststoff und nicht recyclingfähige Materialien zu minimieren
· alternative Barrieren: Ersatz von Aluminium durch recyclingfähige Materialien
Die Herausforderung:
Jede Materialänderung muss dabei ausgiebig getestet werden. Denn am Ende des Tages müssen die Verbunde auf unseren vorhandenen Produktionsanlagen verarbeitet werden können. Des Weiteren prüfen wir in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen unserer Produktentwicklung und unserer Qualitätssicherung, ob die neuen Materialien weiterhin unsere hohen Qualitätsanforderungen der Sensorik und Analytik erfüllen, sprich bleibt das Aroma erhalten und ist die Haltbarkeit (MHD) gewährleistet.
Da sich auch die gesetzlichen Vorgaben ständig im Wandel befinden, müssen wir weiterhin die Märkte und Institutionen beobachten, um sicher zu gehen, dass unsere neu gefundenen Materialen in Zukunft recyclingfähig sind und bleiben.
Eure Rolle im Kreislauf
Auch die beste recyclingfähige Verpackung funktioniert nur, wenn wir als VerbraucherInnen mitmachen. Und hier kommt auch ihr ins Spiel und könnt uns unterstützen:
· Schaut euch die Kennzeichnungen, Trennhinweise auf den Packungen an. Entsorgt z.B. unsere Kaffeeverpackungen in der Gelben Tonne/im Gelben Sack
· Ein Restentleeren ist ausreichend, es muss nichts ausgewaschen werden
· Die Packungen nicht zusammenknüllen. Das Erleichtert später die Erkennung bei der Sortierung.
Ausblick: Wo stehen wir 2025?
Wir arbeiten daran all unsere Verpackungen auf recyclingfähige Materialien umzustellen und haben noch ein Stück Arbeit vor uns. Unser Kaffee verdient die perfekte Verpackung – und diese arbeiten wir jeden Tag ein Stück weit heraus.
Vielen Dank Aiko und weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung von Verpackungen, die mindestens zu 70% recyclebar sind!