#Tchibopacktaus (2): Wie kommt die Farbe auf die Verpackung?
Hallo, mein Name ist Kirstin Abraham und gemeinsam mit meinem Kollegen Carsten Hansen nehme ich euch heute mit in die bunte Welt des Verpackungsdrucks.
Ich arbeite seit 1994 bei Tchibo – ursprünglich habe ich Industriekauffrau gelernt und bin dann über die Logistik zum Verpackungseinkauf gekommen. Mit dem Thema Druck hatte ich damals also erstmal gar keine Berührung! Das änderte sich ab 1998, als ich im Verpackungseinkauf auch das Drucken mitbetreut habe. Seit 2008 darf ich mich sogar ausschließlich dem Drucken und Veredeln von Verpackungen widmen. Carsten ist seit 8 Jahren bei Tchibo und von Haus aus gelernter Tiefdrucker – das perfekte Team also!
Was mir an meinem Job am meisten Spaß macht? Die Kombination aus immer neuer Technik, wie sich Verpackungsmaterial und Druck gegenseitig beeinflussen und wie das alles die Lauffähigkeit auf einer Abpackmaschine beeinflusst – und natürlich die Zusammenarbeit mit Menschen. Langweilig wird's nie! Ich liebe es, wenn wir tolle Ergebnisse erzielen, die andere begeistern, und bin jedes Mal stolz, wenn ich unsere Produkte im Verkauf sehe.
Eine kleine Macke habe ich allerdings entwickelt: Druckfehler fallen mir mittlerweile auch im Supermarkt auf, ohne dass ich danach suche. Carsten geht es da genauso. 😄
In der Serie #TchiboPacktAus nehmen wir euch mit hinter die Kulissen unserer Verpackungen. Helena hat euch bereits erklärt, wie recycelbare Folien aufgebaut sind – heute schauen wir auf den Druck: Wie kommt das Design auf die Verpackung? Welche Herausforderungen gibt's dabei? Und was hat Recycling damit zu tun?
Los gehts und ausgepackt: Drei Druckverfahren, viele Materialien - alles soll gleich aussehen
Bei Tchibo drucken wir hauptsächlich im Tiefdruck und Offsetdruck, manchmal auch im Flexodruck. Das Besondere: Wir drucken nicht nur auf Folien, sondern auch auf Papier und Kartons – und trotzdem soll am Ende alles gleich aussehen.
Stellt euch vor, ihr malt dasselbe Bild einmal mit Wasserfarben auf Papier, einmal mit Acryl auf Leinwand und einmal mit Kreide auf Asphalt. Klingt nach einer Herausforderung? Ist es auch! Jedes Material reagiert anders auf Farbe, deshalb brauchen wir präzise abgestimmte Druckverfahren und Farbrezepturen.
Wenn wir ein neues Design entwickeln, fahren wir zu den Druckereien und nehmen die Farben vor Ort ab – nur so können wir sicherstellen, dass alles perfekt passt. Bei reinen Textänderungen verzichten wir darauf, das spart CO₂.
Welche Farben nutzen wir - und warum?
Im Tiefdruck arbeiten wir mit lösemittelbasierten Farben. Früher wurden dafür oft Nitrocellulose-Farben (NC-Farben) verwendet – die haben super gedruckt, aber haben auch leider ein Problem: Sie stören den Recyclingprozess und sorgen für ein schlechteres Recyclat. Deshalb haben wir sie im letzten Jahr bereits für flexible Verbunde durch Polyurethan-Farben (PU-Farben) ersetzt.
Im Offsetdruck setzen wir auf mineralölfreie und migrationsarme Farben. Das bedeutet: Die Farben wandern nicht mit der Zeit durch die Verpackungsschichten zum Kaffee. Niemand will schließlich sein Aroma mit einem Hauch Druckfarbe teilen.
Recyclebare Folien machen's einfacher
1. Dünner, dehnbarer, schwieriger
Die neuen Polyolefin-Folien (PE und PP) sind oft dünner und deutlich dehnbarer als die alten Verbundmaterialien. Das klingt erstmal praktisch, bedeutet aber: Die Folie kann sich in der Druckmaschine verziehen. Und wenn sich das Material dehnt, wird's schwierig mit der Passgenauigkeit – die einzelnen Farbschichten müssen schließlich hundertstelmillimetergenau übereinander liegen, sonst sieht's verschwommen aus.
2. Gute Druckergebnisse auf Recyclingmaterialien
Recycelte Materialien haben andere Oberflächen als frische Folien – manchmal rauer, manchmal weniger gleichmäßig. Die Farbe muss trotzdem perfekt haften und brillant aussehen. Hier arbeiten wir kontinuierlich und intensiv an immer besseren Lösungen.
3. Weniger Material, weniger Farbe – mehr Funktionalität?
Die PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) macht immer strengere Vorgaben: zum Material, zur Zusammensetzung und sogar zum Gewicht. Dabei wird die Menge der Farbe ins Verhältnis zum Packstoff gesetzt.
Das führt zu einem spannenden Trend: Barrieren im Druck. Früher haben wir die Barriere gegen Sauerstoff und Wasserdampf mit einer Aluminiumschicht sichergestellt. Heute wird meist eine Metallisierung eingesetzt. Das ist eine hauchdünne Schicht Aluminium die aufgedampft wird. Und zukünftig versuchen wir zunehmend, diese Barriere über Barrierelacke in den Druck zu integrieren.
Klingt erstmal clever – aber die Herausforderung wird sein, diese Lacke wirklich deckend und beständig auf der gesamten Fläche und in den Siegelnähten zu halten. Bleibt spannend, was die Zukunft hier bringt!
Fazit: Druck meets Nachhaltigkeit - und das bezahlbar
Denn: Nachhaltigkeit muss auch bezahlbar sein. Deshalb arbeiten wir in enger Abstimmung mit Marketing und Einkauf daran, die bestmöglichen Kompromisse zu finden: Farben, die nicht stören. Materialien, die sich drucken lassen. Verpackungen, die schützen, begeistern, wiederverwertbar sind – und im Regal auch preislich konkurrenzfähig bleiben.
Wenn ihr das nächste Mal eure Tchibo-Kaffeepackung in den Händen haltet, wisst ihr jetzt: Da steckt mehr drin, als man auf den ersten Blick sieht.
Eure Kirstin